Volkssolidarität


Sachsen

30 Jahre Mauerfall – meine persönliche Wende

Schwarzenberg, 02.12.2019 | Quartiersmanagement

Am Montag, 25. November 2019, versammelte sich zum letzten Mal im Jahr 2019 eine Gruppe interessierter Nachbarn aus dem Quartier. In den Räumen der Volkssolidarität Westerzgebirge e.V. stand das Nachbarschafts-Café auf dem Programm. 16 Hofgärtner ließen sich mit Quartiersmanagerin Sarah Meyer auf die Reise in die Vergangenheit ein, die sowohl freudige als auch schmerzhafte Erinnerungen weckte.

Was hat dir an der DDR gefallen, oder auch nicht? Hast du damals je darüber nachgedacht, über die Grenze zu fliehen? Wie spät war es, als du von der Grenzöffnung erfahren hast? Mit wem hast du das Ereignis gefeiert? Wo hast du dir dein Begrüßungsgeld abgeholt? Mit diesen Fragen nahm Quartiersmanagerin Sarah Meyer die Teilnehmer des Nachbarschafts-Café auf eine Reise zurück ins Jahr 1989. Im Erzgebirge, weit weg von der Grenze, hat man damals einiges nicht mitbekommen. „Ich kann dir gar nicht sagen, wo ich war, als die Mauer fiel. Ich habe das gar nicht so mitbekommen. Das Leben ging einfach weiter. So viel hat sich für uns nicht geändert“, berichtet Frau Gütter unaufgeregt.

 

Die Grenze, die Wende, Tränen
Dann wurde es plötzlich still. Die Seniorinnen und Senioren lauschten gespannt, als eine der Frauen von ihrer Zeit in Thüringen erzählt. Sie wohnte damals im Sperrgebiet. Ein Leben unter ständiger Kontrolle. „Wir haben nie darüber nachgedacht zu fliehen. Wir haben ja gesehen, was mit den Menschen geschehen ist, die es versucht haben. Das waren schreckliche Bilder.“ Bei den Erinnerungen wurden die Augen der gestandenen Frau feucht. Und auch eine weitere Seniorin in der Runde kämpft bei dem Thema mit den Tränen. „Zwei Wochen vor dem Mauerfall hat sich meine Freundin das Leben genommen. Die Grenze trennte sie von ihrer Familie. Der Fall der Mauer kurz darauf machte den Selbstmord nur noch sinnloser. Die Wiedervereinigung brachte uns also erstmal gar nichts. Wir haben lange gebraucht, ehe wir das verarbeitet hatten“, berichtet sie mit zittriger Stimme.

 

Damals und Heute: Miteinander – Füreinander
Andere erinnern sich hingegen gern an die Zeit nach der Wende. An die Fahrten in Familie nach Hof oder Mönchsbad. In Kälte und Schnee bildeten sich damals Menschentrauben vor den Ausgabestellen für das Begrüßungsgeld. „Eine Frau hat uns von ihren 100 Mark Begrüßungsgeld ganze 10 Mark geschenkt. Wir sollten uns davon einen Autoatlas kaufen. Das haben wir dann auch gemacht“, erzählte Frau Müller freudig. Die Zeit des Mauerfalls war also für jeden anders. Dramen und Freuden spielten sich in direkter Nachbarschaft ab. Für die Teilnehmer des Nachbarschafts-Café war es ein gelungener und interessanter Blick zurück in die eigene Wendezeit.

Eine bunte Sammlung an Fragen half als Erinnerungsstütze.