Volkssolidarität


Brandenburg

KiTas als Orte der Bildung und Beziehung begreifen

Volkssolidarität fordert Bedarfe kleiner Kinder und deren Eltern in der Exit-Strategie mehr zu berücksichtigen

Im Exit-Plan der Bundesregierung ist bisher von einer Öffnung der Krippen und Kitas in absehbarer Zeit noch keine Rede. Manche fordern eine Schließung bis zum Sommer. Dabei wird die Bedeutung von Krippe, Kindergarten und Grundschule sowohl für die sozial-emotionale Entwicklung als auch – und das ist mehr als wesentlich – für die Überwindung von Bildungsbenachteiligung im Elternhaus in den Diskussionen zumeist außer Acht gelassen.

Armutsbedrohung für Familien

Auch verhindert eine fortdauernde Kitaschließung für Millionen Eltern die Möglichkeit, ihrer beruflichen Tätigkeit nachzukommen, was für viele Zweielternfamilien und vor allem Alleinerziehende zu einer konkreten Armutsbedrohung führt. Aktuelle Proteste und Unterschriftenaktionen von Eltern deutschlandweit für eine Öffnung der Kitas und ersten Grundschulklassen offenbaren die existentielle und psychische Notlage, in der sich viele Familien derzeit befinden. Besonders in Ostdeutschland sind in der Regel beide Elternteile ab dem zweiten Lebensjahr des Kindes wieder berufstätig, um das notwendige Familieneinkommen zu erarbeiten. Der Druck ist deshalb für diese Elternpaare besonders groß.

Notbetreuung sichern

Dr. Wolfram Friedersdorff, Präsident der Volkssolidarität, hat für die konsequente Schließung der Kitas und frühen Grundschulklassen wenig Verständnis: „Viele Kinder leben in Haushalten, in denen die Eltern entweder beruflich nicht in der Lage oder auch komplett damit überfordert sind, ihnen in der momentanen Situation, die notwenige Aufmerksamkeit und Unterstützung angedeihen zu lassen. Nicht selten werden deshalb schon die Kleinsten aus Hilflosigkeit und Überforderung vor den Medien geparkt und bekommen viel weniger Bewegung und frische Luft. Auch Aggression und Gewalt gegen Kinder nehmen während des derzeitigen Lockdowns nachgewiesenermaßen zu. Die enorm gestiegene Inanspruchnahme der Nummer-gegen-Kummer durch Kinder und Jugendliche ist ein klarer Beweis dafür.“ Die Betreuung von Kindern aus prekären Familienverhältnissen müsse – gegebenenfalls vorerst über die Notbetreuung – wieder gesichert werden, fordert der Präsident.

Kinderschutzauftrag wahrnehmen

Insbesondere kleine und ältere Kinder können dieser Situation, anders als Jugendliche, noch nicht selbständig entfliehen. Hier besteht deshalb von Seiten des Bundes bei der Planung der weiteren Exit-Strategie ein klarer Kinderschutzauftrag, besonders für die Kleinsten, die sich am wenigsten wehren oder Hilfe suchen können. Das derzeit diskutierte befristete, zusätzliche Elterngeld bietet dabei keine Lösung für die Probleme Kinderschutz und Bildungsbenachteiligung. Persönliche soziale Kontakte haben eine große Bedeutung für Kinder, da sie in der Regel, anders als ihre Eltern, den Kontakt mit Freund/-innen noch nicht per Soziale Medien, Telefon oder Mail halten. Besonders für Einzelkinder bedeutet das momentane Kontaktverbot eine soziale Isolation von Gleichaltrigen. Eltern sind in dieser Situation meist kein adäquater Ersatz.

Situation der Eltern

„Auch die Situation der Eltern kleinster Kinder muss von der Politik bei der Planung einer Exit-Strategie mitgedacht werden“, gibt Wolfram Friedersdorff weiterhin zu bedenken. „Besonders Kindergartenkinder sind sehr betreuungsintensiv. Eltern oder Elternteile sind deshalb tagsüber nicht in der Lage zu arbeiten, auch nicht im vielgepriesenen Homeoffice. Das ist illusorisch. Besonders schlimm ist die Situation für Alleinerziehende, deren Anspruch auf Notbetreuung noch nicht überall geklärt ist. Aber auch für Selbständige und Freiberufler mit kleinen Kindern ist der hohe Betreuungsaufwand zusätzlich existenzgefährdend.“

Exit-Strategie auch aus frauenpolitischer Sicht

Erste Befragungen zeigen zudem, dass es vor allem die Mütter sind, die sich um die Kinder daheim kümmern. Viele von ihnen arbeiten zeitgleich auch noch im Homeoffice. „Das weitere Vorgehen bei der Exit-Strategie muss auch aus frauenpolitischer Sicht stärker betrachtet werden. In diesen Zeiten ist solidarisches Handeln im Sinne aller Betroffener gefragt. Der Schutz unserer Alten und Kranken ist uns wichtig, aber wir müssen uns auch dafür einsetzen, dass die Kleinsten mit Müttern und Vätern und ihren derzeitigen Problemen und Bedarfen mehr in den Fokus der politischen Planung rücken, wenn es um die Konkretisierung der Wege aus dem Lockdown geht. Hygienemaßnahmen sowie der Arbeitsschutz für die Erzieherinnen und Erzieher müssen vor einer Öffnung der Einrichtungen natürlich klar geregelt werden“, sagt der Präsident der Volkssolidarität.