Volkssolidarität


Brandenburg

Altersarmut wirksam bekämpfen

Kommentar von Dr. Wolfram Friedersdorff

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat neue Umfrageergebnisse zu Erwartungen an die Lebenssituation im Alter und die Vorsorgeplanungen vorgestellt. Danach ist das Vertrauen in die Altersvorsorge insgesamt gegenüber den Vorjahren zurückgegangen. Dies ist nicht überraschend.

Tägliche Meldungen über steigende Altersarmut, lange Schlangen von Älteren bei Tafeln und in Suppenküchen zeichnen ja ein durchaus realistisches Bild der Zukunftserwartung von inzwischen jeden zehnten Rentner. Und die Prognosen u.a. der Bertelsmann Stiftung sehen in einem Jahrzehnt jeden fünfte/-n Senior/-in mit Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze.

Gerade die Zahlen in der Debatte um den „großen Wurf“ der Grundrente verdeutlichen, dass selbst nach 35 Arbeitsjahren erzielte Alterseinkünfte oft nicht das Existenzminimum überschreiten. Insofern ist ein Vertrauensverlust in die gesetzliche Rentenversicherung (GRV), begründet in den politischen Entscheidungen zur Absenkung des Rentenniveaus der vergangenen Jahrzehnte und der erlebten Praxis, keine Überraschung.

Allerdings gibt die schlechtere Bewertung der gesetzlichen Rente gegenüber den Vorjahren und gegenüber der betrieblichen und privaten Vorsorge schon Anlass, nach weiteren Gründen zu fragen. Schließlich ist selbst unter den jetzigen Bedingungen die gesetzliche Rente die Vorsorge, die durch die Kopplung an die Lohnentwicklung einen weitaus höheren Zinsanteil enthält, als die damals viel gepriesene private Vorsorge (Riesterrente). Die private Vorsorge wiederum deckt zudem Lebensrisiken, wie Tod und Erwerbsunfähigkeit nicht ab. Aber das Werben für private Altersvorsorge ist ja auch der Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge.

Ein Fazit kann die Politik dennoch aus solchen Umfragen ziehen. Altersarmut muss jetzt wirksam bekämpft werden. Und das wird nur gelingen, wenn die gesetzliche Rente für die jetzige und für die künftigen Generationen den Lebensstandard sichert. Ohne den politischen Willen, dies zu gewährleisten wird ein stabiler sozialer Frieden und ein sozialer Zusammenhalt nicht zu erreichen sein.

Die Herausforderungen, denen sich unser Alterssicherungssystem angesichts des demografischen Wandels stellen muss, sind unbestritten. Um für die Zukunft zu gewährleisten, dass der im Erwerbsleben erarbeitete Lebensstandard im Alter für alle abgesichert ist, gilt es unter anderem, die Einnahmebasis der gesetzlichen Rentenversicherung solidarisch zu erweitern und auch bisher anderweitig abgesicherte Gruppen wie Beamt/-innen miteinzubeziehen. Die Volkssolidarität fordert deshalb schon seit langem eine politische Grundsatzentscheidung für den Umbau der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung. 

Foto: Thomas Rafalzyk