Volkssolidarität


Presse
13.01.2020

Abstimmung zur Organspenden-Reform: Chance vertan

Anlässlich der Bundestagsabstimmung zur Organspenden-Reform am 16. Januar 2020 zwischen den Gesetzesentwürfen mit Widerspruchslösung oder mit Zustimmungslösung erklärt der Präsident der Volkssolidarität Dr. Wolfram Friedersdorff:

„Täglich hoffen Menschen auf ein geeignetes Spenderorgan. Ihre Hoffnungen auf weitere Lebensjahre und Lebensqualität werden immer noch enttäuscht, weil die Zahl potentieller Spender/-innen in Deutschland zu gering ist, in Krankenhäusern bis hin zu Universitätskliniken mögliche Spender/-innen fahrlässig ignoriert werden.“

Der Bundestag hat vor wenigen Monaten die Änderung des Transplantationsgesetzes beschlossen, das Pflichten der Beteiligten im Transplantationswesen neu regelt, neue Anreize schafft potentielle Spender/-innen zu identifizieren und zu melden sowie Kontrollmechanismen etabliert. „Allerdings wird damit nur der institutionelle Rahmen besser gestaltet, wobei zu hoffen bleibt, dass dieser tatsächlich Wirkung entfaltet“, sagt Dr. Friedersdorff.

„Offen bleibt die Frage, wie es gelingen kann, die Zahl derer zu erhöhen, die als Organspender/-innen dann auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Die gesellschaftliche Unterstützung der Organspende und Transplantationsmedizin ist groß. Viel zu gering ist der Anteil derer, die bereit sind im Falle eines Hirntodes ihre Organe zur Verfügung stellen. Das gilt auch für Entscheidungen von Angehörigen bei Zweifeln am Willen des potentiellen Spenders.

Ein deutliches politisches Signal, das sich auf die vorgenannte große gesellschaftliche Zustimmung stützt, hätte hier viel bewirken können. Viele europäische Länder zeigen, dass eine sogenannte Widerspruchsregelung auf breite Akzeptanz stößt und geeignet ist, die Differenz zwischen potentiellen Spender/-innen und tatsächlichen Spender/-innen zu verringern. Das wäre auch in Deutschland möglich gewesen. Allerdings hätte dann vor der Absichtserklärung an einer breiten politischen Zustimmung gearbeitet werden müssen. Jetzt hat sich die politische Diskussion polarisiert und zugespitzt und ebenso die Meinung in der Gesellschaft. Egal wie der Bundestag entscheidet, ein Aufbruchssignal für ein neues Verhältnis zur Organspende und ein gesellschaftlicher Konsens sind passé“, sagt der Präsident der Volkssolidarität.