Volkssolidarität


Mecklenburg-Vorpommern

Gewalt – es tut mir weh

Schulsozialarbeiter stärken Jugendliche gegen häusliche Gewalt

„Ich fühle mich jetzt stärker“, sagt Jennifer Osterloh. Die 17-Jährige hat schon einiges erlebt. Situationen kurz vor der Eskalation. Situationen mit Gewalt in der Luft. „Ich bin jetzt besser auf so etwas vorbereitet“, sagt sie. Ihre Freundin Michelle Rautenberg gibt ihr Recht. „Ich auch.“ Nicht allein sein. Nicht ausgeliefert sein. Hilfe bekommen. Diese Botschaften vermitteln die Schulsozialarbeiter der Volkssolidarität Anne-Kathrin Prestin und Ilona Jungbluth mit dem aktuellen Projekt „Gewalt – es tut mir weh“ am Regionalen Beruflichen Bildungszentrum des Landkreises Ludwigslust/Parchim. 

Schulsozialarbeit nicht mehr wegzudenken

Seit mittlerweile 19 Jahren begleitet Ilona Jungbluth Jugendliche zwischen 15 und 20 Jahren am Standort Ludwigslust. Seit September steht ihr Anne-Kathrin Prestin zur Seite, betreut tageweise auch Jugendliche am Standort Parchim.

„Schulsozialarbeit ist an dieser Berufsschulen mit rund 1450 Schülern nicht mehr wegzudenken“, erklärt die Dienstältere der beiden. Das zeige auch das Projekt in diesem Herbst, das zwei Schulklassen nun schon über mehrere Wochen begleitet.

„Einige Schüler erzählen gleich von ihren Erfahrungen mit häuslicher Gewalt, andere suchen uns in den Wochen danach einzeln auf“, erzählt Ilona Jungbluth. Die große Resonanz zeige ihr die Bedeutung des Projektes.

„Viele Jugendliche sind sich über ihre Rechte gar nicht im Klaren“, sagt Annette Hochhardt von der Ludwigsluster Beratungsstelle für Opfer häuslicher Gewalt der Arbeiterwohlfahrt. Darüber informiert sie die Schüler während des Projektes.

Jugendliche über Rechte aufklären

„Jedes Kind besitzt das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Schon das Miterleben von Gewalt zwischen den Eltern wird im Allgemeinen als Kindeswohlgefährdung eingestuft.“

Vergewaltigung, Missbrauch und häusliche Gewalt sind einige Themen, über die sie als Beraterin während des Unterrichts mit den Jugendlichen spricht. Und sie ist nicht die einzige Beraterin des Projektes.

Wie gewaltfreie Kommunikation gelingt, erklärt Ralf-Theo Mundt den Schülern als Präventionsbeamter der Polizei in Ludwigslust. Ein bisschen Selbstverteidigung lernen die Schüler bei Angelo Rachow vom hiesigen Kreissportbund. Medienkompetenz erhalten die Jugendlichen von Kathleen Guder, Präventionsbeamterin bei der Polizei.

Besser verstehen, was vor sich geht

Es sind genau diese Gesprächsrunden, bei denen die Schüler Informationen bekommen, Fragen loswerden und miteinander in den Austausch treten. Der Gesprächsbedarf ist da, mal mehr, mal weniger, wie die Schulsozialarbeiter sagen.

„Einige hören auch nur zu“, meint Ilona Jungbluth. „Alle erhalten am Ende eine Liste mit Kontakten zu Beratungsstellen und Hilfsangeboten.“ 

Und was sagen die Schüler? „Ich verstehe Situationen jetzt besser“, meint die 17-jährige Michelle Rautenberg. „Ich weiß zumindest, wie ich mich im Idealfall verhalten sollte und wo ich im Notfall Hilfe bekomme.“