Volkssolidarität


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Der Rentenzugang polarisiert sich

Über die Hälfte aller Deutschen geht vor dem 65. Lebensjahr in Rente

Was den Zeitpunkt des Eintritts in den Ruhestand betrifft, ist Deutschland gespalten: Renteneintritte erfolgen in der Regel so früh wie möglich oder an der Regelaltersgrenze. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Altersübergangs-Report der Universität Duisburg-Essen. Wer vorzeitig in Rente geht, muss häufig Abschläge in Kauf nehmen.

Abschläge erhöhen Altersarmutsrisiko

Durch das Altersgrenzenanpassungsgesetz aus dem Jahr 2007 wird die Regelaltersgrenze schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Wer vor der Regelaltersgrenze abschlagsfrei in Rente gehen möchte, kann dies nur tun, wenn 45 Pflichtbeitragszeiten vorliegen („Rente für besonders langjährig Versicherte“). Für viele ist dies jedoch unerreichbar. Zwar können auch Menschen mit 35 Jahren an Pflichtbeitragszeiten vorzeitig mit frühestens 63 Jahren in Rente gehen („Rente für langjährig Versicherte“), müssen hierfür jedoch Abschläge in Höhe von 0,3 Prozent der Rentenhöhe pro Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme hinnehmen. Oftmals bedeuten diese Abschläge, dass der während des Erwerbslebens erarbeitete Lebensstandard im Ruhestand nicht gehalten werden kann oder sogar das Abrutschen in Altersarmut.

Rentenzugangsalter stagniert

Der Altersübergangs-Report zeigt auf, dass trotz der ansteigenden Regelaltersgrenze das durchschnittliche Rentenzugangsalter seit einigen Jahren bei etwa 64 Jahren stagniert. Die durchschnittliche Abschlagshöhe bei Renten für langjährig Versicherte ist in dieser Zeit jedoch spürbar angewachsen. Somit lässt sich eine Polarisierung des Renteneintritts erkennen: Die meisten Menschen gehen entweder so früh oder so spät wie möglich in Rente. Renteneintritte zwischen diesen beiden Extremen sind rückläufig. Entscheidend für einen längeren Verbleib in Beschäftigung seien die betrieblichen Rahmenbedingungen und individuelle Ressourcen wie beispielsweise der Gesundheitszustand, so die Forscher.

Volkssolidarität fordert einen sozial abgesicherten Rentenübergang

„Angesichts der aktuellen Debatte um eine weitere Anhebung der Altersgrenze kommt der Report genau zur richtigen Zeit“, kommentiert der Präsident der Volkssolidarität Dr. Wolfram Friedersdorff die Studie. „Die Regelaltersgrenze lässt sich nicht pauschal an die gestiegene Lebenserwartung anpassen. Viele Menschen, vor allem solche die harter, körperlicher Arbeit nachgehen, können nicht bis in hohe Alter weiterarbeiten. Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters käme für viele Beschäftigte einer Rentenkürzung gleich und würde die soziale Ungleichheit im Alter verschärfen. Für Menschen, denen eine Beschäftigung bis ins hohe Alter nicht zugemutet werden kann, müssen Rentenübergänge ermöglicht werden, die sozial abgesichert sind.“

Den vollständigen Report finden Sie hier: www.iaq.uni-due.de/auem-report/2019/auem2019-02.pdf

Die Rentenpolitischen Forderungen der Volkssolidarität finden Sie hier.