Volkssolidarität


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"Wenn man zusammen singt, ist man unter Gleichgesinnten"

Foto: T. GräserAm 19. Juni hat das 25. Chortreffen der Volkssolidarität begonnen, das bis zum 30. Juni dauert. In zwei Durchgängen versammeln sich insgesamt 315 Sängerinnen und Sänger aus 14 Chören des Verbandes im hessischen Bad Wildungen. Das Treffen wird unterstützt vom Partner der Volkssolidarität, der Firma Becker-Strelitz Reisen. Aus Anlass des Jubiläums hat Mario Zeidler mit Dr. Christine Roßberg gesprochen, die seit Jahrzenten in der Chorbewegung der Volkssolidarität aktiv ist.

 

 

Liebe Frau Dr. Roßberg, in diesen Tagen feiert das zentrale Chortreffen der Volkssolidarität in Bad Wildungen sein 25-jähriges Jubiläum. Wie begann alles?

Anfang der 90 Jahre war in der Volkssolidarität gerade das Reisen ganz groß geschrieben. Da lag die Idee nahe, ein spezielles Reiseangebot für die vielen Chöre des Verbandes zu organisieren, das neben touristischen Ausflügen eben auch das gemeinsame Singen zum Ziel hatte. Unter der damaligen künstlerischen Leitung von Prof. Müller, der die Treffen mit großer Hingabe und Freude leitete, waren wir beim ersten Mal in Kärnten an die 60 Chöre.

Foto: M. ZeidlerWie konnten denn so viele Chöre auftreten?

Das war auch nicht immer einfach. Mitunter standen gleich fünf Chöre auf der Bühne und jeder konnte nur ein einziges eigenes Lied singen. Aber es geht ja ohnehin hier weniger um die Einzelleistung als um das gemeinsame Singen und das Erlebnis im Miteinander. Ich habe das erste Treffen noch gut in Erinnerung, ein tolles Erlebnis und man hat viele neue Anregungen mitgenommen.

Ist das Chortreffen ein Wettbewerb der Besten?

Die angereisten Chöre haben schon ein sehr hohes Niveau, trotzdem ist das Treffen kein Wettbewerb. Hier werden Chöre nicht bewertet, sondern man findet zueinander, um sein Können vorzustellen, anderen zuzuhören und voneinander zu lernen. Ein bewertendes Vergleichen kann und sollte man auch nie bei Seniorenchören machen. Es geht um das gemeinsame Gesangserlebnis, um die Freude am Hobby.

Wie fanden Sie zum Singen?

Schon als junge Frau bin ich durch die Dörfer mit einem Chor gezogen. Als ich später nach Berlin-Lichtenberg zog und als Ärztin viele vereinsamte ältere Menschen im Wohngebiet erlebte, lag für mich der Gedanke nahe, eine Singegruppe zu gründen. Das war 1973 und daraus entwickelte sich der „Chor der fröhlichen Rentner“, der bis heute existiert. Darauf bin ich stolz. Gewissermaßen sind wir eine Selbsthilfegruppe gegen Vereinsamung.

Macht das Singen jünger oder gesünder?

Beides, möchte ich sagen. Wenn man zusammen singt, ist man unter Gleichgesinnten, trainiert seine grauen Zellen, hat Erfolgserlebnisse. Man bleibt dadurch auch im Alter unter Menschen und fühlt sich einfach wohl dabei. Singen ist gut für die Atmung, die Bewegung und für das Selbstbewusstsein. Es macht Spaß, anderen eine Freude zu bereiten. Dieses Geben und Nehmen hält gesund und frisch. Überhaupt sollte jeder auch im Alter ein Hobby haben und nicht vor dem Fernseher versauern.

Wie wichtig ist Ihnen die Chormusik?

Ohne die Chormusik kann ich mir das gar nicht mehr vorstellen, sie ist ein Teil von meinem Leben geworden. Kein Wunder auch, mittlerweile leite ich den „Chor der fröhlichen Rentner“ ja schon 43 Jahre. Es sind viele Freundschaften entstanden im Laufe der Jahre bei den unzähligen Auftritten – auch zwischen den Chören. Wir haben zum Beispiel enge Kontakte zum Schweriner Chor der Volkssolidarität. Daneben war ich als Chorleiterin viele Jahre Mitglied im künstlerischen Beirat des Bundesverbandes der Volkssolidarität und in weiteren Gremien.

Wie sieht denn die Zukunft aus?

Nach mehr als vier Jahrzehnten als Chorleiterin denke ich, es ist an der Zeit, einen neuen Leiter zu finden. Ich bleibe natürlich auch weiterhin dabei. Nur die Leitung des Chores übergebe ich jetzt an einen Jüngeren. Wir sind da schon mit einem erfahrenen Mann vom Fach im Gespräch. Nach so vielen Jahren kann ich dann endlich mal ohne Vorbereitung zur Chorprobe gehen…
Unsere nächsten Ziele sind die Teilnahme am Berliner Chortreffen und im nächsten Jahr wollen wir nach einer Verschnaufpause auch wieder beim dann 26. Chortreffen der Volkssolidarität mitwirken. Übrigens sucht unser Frauenchor auch immer noch Mitsängerinnen.