Volkssolidarität


Landesverband Brandenburg e.V.

Petition "Ambulante Pflege" startet am 10.4.2017

Gemeinsame Petition von Volkssolidarität und anderen Pflegeeinrichtungen

Petition ambulante PflegeUm die Wirksamkeit der ambulanten Pflege unter dem Druck des zunehmenden Fachkräftemangels möglichst rasch zu verbessern, haben neben der Volkssolidarität auch andere brandenburgische Sozialverbände eine Petition verfasst, in der sie Maßnahmen vorschlagen, die schnell umsetzbar wären. Ziel ihrer Petition gegenüber den Leistungsträgern ist auch die langfristige Sicherstellung der Versorgung von Pflegebedürftigen. Die Forderungen betreffen ausdrücklich Problemlagen und Themen, „die seit langem in der Diskussion sind“ und das über die Grenzen des Landes Brandenburg hinaus. "Wir sind der Meinung, dass die Umsetzung der Forderungen unabdingbar ist und in kürzester Zeit erfolgen muss. Das setzt den ernsthaften Willen aller Beteiligten voraus", heißt es darin.

 

In der Petition weisen die Verbände darauf hin, dass der Bereich Pflege in der Vergangenheit einem starken Veränderungsdruck ausgesetzt war. „Das Hauptaugenmerk dabei lag immer auf der Verbesserung der Leistungsfinanzierung für den Pflegebedürftigen, auf der Ausweitung von Qualitätsvorgaben und deren Prüfung durch die Pflegekassen (durchgeführt durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen - MDK) und in letzter Zeit auf der Entbürokratisierung der Pflegedokumentation. Als Leistungserbringer haben wir die in der Vergangenheit beschlossenen Veränderungen, die dem Wohl des Pflegebedürftigen dienen, begrüßt.“ Allerdings wandelten sich die Korrekturen unter dem Eindruck eines rasch zunehmenden Fachkräftemangels in ein Problem für die Leistungserbringer, begründen die Leistungserbringer ihre aktuellen Forderungen.

 

Unterschreiben auch Sie die Online-Petition!

https://www.openpetition.de/petition/online/aufruf-zur-umsetzung-von-kurzfristigen-massnahmen-zur-verbesserung-der-ambulanten-pflege

 

Pressemitteilung zur Petition Pflege
PM 2017/14, vom 10.4.2017 (Word-Dokument)

Volltext der Petition Pflege
PM 2017/14, vom 10.4.2017 - Volltext der Petition (Word-Dokument)

 

Unerlässlich ist ihrer Auffassung nach eine zügige Erhöhung der Leistungsentgelte in ländlichen Regionen, wo vor allem die Verbesserung der Leistungsfinanzierung nicht Schritt hielt mit einer dazugehörigen finanziellen Anpassung der Leistungsentgelte. „Pflegeunternehmen beklagen eine strukturelle Unterfinanzierung in Regionen mit hohen Anfahrts- und sonstigen Overheadkosten. Sie hat massive Auswirkungen auf die Produktivität der Leistungserbringung, auf die Arbeitsdichte, sowie auf die Löhne und Gehälter für Menschen, die als professionelle Pflegerinnen und Pfleger arbeiten.“ Zu erleben sei eine Zunahme der Zahl pflegebedürftiger Menschen bei gleichzeitiger Abnahme der Zahl der Pflege-Fachkräfte. „Wenn nun die vertraglichen Regelungen noch zusätzlich erschwert werden, bedeutet das für die Pflegeunternehmen der Notstand.“

Daneben ist es aus Sicht der Verbände notwendig, dass ein Pflegedienst auch Filialen eröffnen kann. „Die daran angeknüpften Qualitätskriterien müssen niedrigschwellig sein.“ Ziel sollte dabei sein, dass die Pflegekräfte einer Filiale nicht jeden Tag in der Sozialstation „erscheinen“ müssen. Derzeit ist es für einen ambulanten Pflegedienst im Land Brandenburg nicht möglich, Filialen zu bilden. Dies wäre aber eine Voraussetzung, um die Leistungserbringung - u. a. durch die Verkürzung der Fahrtwege - wirtschaftlicher zu gestalten und pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen „vor Ort“ einen Anlaufpunkt anzubieten

Wenn Menschen weiterhin ihren Anspruch auf Leistungen der Tagespflege „vor Ort“ wahrnehmen können und weite Fahrwege sowie persönliche Unannehmlichkeiten der Vergangenheit angehören sollen, dann müsste eine „Tagespflege light“ möglich sein, fährt die Petition fort. Wichtig wäre in diesem Rahmen, dass die Leistungsentgelte gemäß § 41 SGB XI auch für Angebote eingesetzt werden können, die nicht die derzeitigen Anforderungen der Versorgungsverträge für Tagespflegeeinrichtungen erfüllen. Der Umfang des Angebotes wäre dann von der Anzahl der Interessenten und deren Bedürfnissen abhängig zu planen. Sachgerecht wäre es, eine solche “Tagespflege light“ fachlich und strukturell an eine bestehende zugelassene Tagespflege anzugliedern.

Damit Pflegedienste gerade im ländlichen Raum wegen ihrer ungleich und unverhältnismäßig langen Anfahrwegen nicht länger benachteiligt werden, sollte der Petition zufolge eine zeitgesteuerte Abrechnung der Fahrwege eingeführt werden. Dabei würden die in den Vergütungsvereinbarungen tatsächlich entstandenen Fahrtkosten berücksichtigt und auf Zeitbasis entgolten. "Dafür könnten in den Fahrzeugen Taxameter eingebaut werden, die die Fahrtzeit revisionssicher dokumentieren."

Gefordert wird schließlich die Einführung einer Auftragsvergabestelle, die von den Pflegekassen geführt wird, mit dem Ziel, Klienten zum Pflegedienst des festgelegten Einzugsbereichs weiterzuleiten. Vermieden würde auf diese Weise die gegenwärtige unklare Lage, in der mehrere Pflegedienste im gleichen Einzugsbereich tätig sind. „Zwar sieht der Strukturerhebungsbogen eine Eingrenzung vor, diese ist dort jedoch nur sehr grob beschrieben. Zudem ist die Wahlfreiheit des Pflegebedürftigen hinsichtlich des Leistungsanbieters zu beachten. Eine solche Auftragsvergabestelle müsste die jeweilige personelle Ausstattung des Pflegedienstes berücksichtigen.. Dafür wäre eine tägliche Meldung des Pflegedienstes an die Pflegekasse notwendig.“

Weil der heutige Pflegenotstand dazu führt, dass täglich Personalengpässe auftreten, muss nach Ansicht der Pflege-Verbände Personal schnell und ohne großen administrativen Aufwand, zwischen den Pflegediensten einer Region ausgetauscht werden können. Das würde der unhaltbaren Lage vorbeugen, dass Klienten vom Pflegedienst nicht mehr versorgt werden können und es gar zur Kündigung der Pflegeverträge kommt. „Alternativ dazu wurden in der Vergangenheit von einzelnen Trägern auch freiberufliche Kräfte eingesetzt, da ansonsten die Versorgung des Klienten nicht zeitnah hätte sichergestellt werden können.“ Derzeit sei die Finanzierung von Ersatzpersonal nicht gewährleistet – u. a. weil „die Personalberechnungen von Seiten der Kostenträger auf Arbeitsunfähigkeits-Statistiken beruhen, die dem tatsächlichen Ist-Zustand nicht mehr gerecht werden.“

 

presse-volkssolidarität