Volkssolidarität


Landesverband Brandenburg e.V.

"Zum Glück gibt es die Volkssolidarität"

20. Landesdelegiertenversammlung in Luckenwalde

Die brandenburgische Volkssolidarität hat sich auch in den vergangenen beiden Jahren als bedeutende sozialpolitische Kraft bewährt und  ihre Rolle als wichtiger Sozialverband und Anker für ältere Menschen ausgefüllt. Auf der 20. Delegiertenversammlung im Luckenwalder Gebäude der Kreisverwaltung Teltow-Fläming  sagte Verbandsratsvorsitzender Bernd Niederland am 18. November aber auch, dass effektive Maßnahmen gegen den zunehmenden Mitgliederschwund eine essentielle Aufgabe des Verbandes darstelle. "Wir brauchen mit aller Konsequenz eine personelle Stärkung des Mitgliederverbandes." Gelinge das nicht, sei die die Existenz einer Volkssolidarität bedroht "so wie wir sie kennen."       "Zum Glück gibt es die Volkssolidarität", heißte es in einem schriftlichen Grußwort der Landrätin Kornelia Wehlan (LINKE), das vor den 62 Delegierten aus dem ganzen Land verlesen worden war. Derzeit sei jeder fünfte Einwohner des Kreises über 65 Jahre alt, in wenigen Jahren würden es ein Drittel sein. Ihnen Geborgenheit und eine Perspektive zu bieten, sei eine Aufgabe, die immer drängender werde.

Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth  Herzog von der Heide sagte in ihrem Grußwort, mit dem Bauplan für eine neue soziale Begegnungsstätte trete die Volkssolidarität in ihrer Kommune als willkommener Investor auf. Sie versicherte den Versammlungsteilnehmern, "dass Sie hier in Freundesland" seien. Angesichts der Delegierten aus allen Teilen Brandenburgs könne sich die Kreisstadt als "Mittelpunkt des Landes" fühlen. Erstmals konnte mit dem Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Landtags Sven Petke ein CDU-Politiker bei einer VS-Delegiertenkonferenz begrüßt werden. Er dankte den Mitgliedern des Sozialverbandes dafür, dass ihr verlässliches Engagement dazu beigetragen habe, "dass wir menschlich mit den Flüchtlingen umgehen".  Bezogen auf Debatten auf Bundesebene sprach er von seinem Glauben daran, "dass die Rente mit 63 nicht angetastet" werde. "

"Unsere soziale und wirtschaftliche Bilanz ist positiv", unterstrich Niederland. Das Wirken der annähernd 3.800 Brandenburgerinnen und Brandenburger, die sich im Ehrenamt einbringen, sei hoch anzuerkennen. Ihr Einsatz in der Nachbarschaftshilfe, beim Gestalten von sozialer Gemeinschaft und kultureller Geselligkeit, beim Knüpfen und Aufrechterhalten sozialer Beziehungen oder in der Sozialberatung und sozialen Begleitung gestatte es dem Sozialverband, seine Schutzfunktion zu erfüllen. Zu den Leistungsbereichen der Volkssolidarität gehören die Betreuung  psychisch kranker Menschen, die Angebote der Armenhilfe, der  Hausnotruf, die Mahlzeitendienste und nicht zuletzt  die Sozialberatung durch Haupt- und Ehrenamtliche.

Aus dem von den Delegierten einstimmig bestätigten Geschäftsbericht 2015/16 des Landesverbandes geht weiterhin hervor, dass sich die Mitgliederzahl der nunmehr 72jährigen Volkssolidarität in Brandenburg von 46.700 im Jahr 2011 auf 32.200 im Vorjahr verringert hat. Hier gegenzusteuern und eine Trendwende einzuleiten, bezeichnete Verbandsratsvorsitzender Niederland als die wichtigste Aufgabe. Dies sei dringend notwendig, wenn die Volkssolidarität ihre Aufgaben als starke Stimme und Interessenvertreterin der Senioren weiter erfüllen wolle. Ein diesbezüglicher Erfolg müsse auch zum Kriterium für die Beurteilung der Arbeit in den Kreisverbänden und Verbandsbereichen werden.

Gewandt an die rund 2000 hauptamtlich Beschäftigten der märkischen VS sagte er, sie müssten mit ihrem Bekenntnis stärker zum Träger von Botschaften  des Verbandes in die Öffentlichkeit werden und auch deutlicher in den Mitgliederverband der VS hineinwirken. "Wir werden die Volkssolidarität nicht ohne die Unterstützung der sozialen Dienste und Einrichtungen entwickeln können."  Dieser viele Tausend Menschen umfassende Mitgliederverband sei es, der ein Alleinstellungsmerkmal der Volkssolidarität sei und das Gesicht des Verbandes prägt. Man habe in den vergangenen Jahren über 2000 neue Mitglieder gewinnen können, doch reiche dies bei weitem nicht aus, die Rückgänge auszugleichen.

Die Volkssolidarität plant die Schaffung weiterer Sozialzentren und nimmt sich laut Niederland vor, in ihrer Arbeit die Menschen in den kleinen Städten und auf dem Lande verstärkt in den Blick zu nehmen. Weil der Anteil älterer Menschen in den kommenden Jahren auf bis zu 40 Prozent zunehmen werde, sei als Ausgangspunkt günstig, "dass wir in allen Landkreisen präsent sind". Daraus aber müsse der Verband entschieden mehr machen.  Dabei zu nutzen sei das Bedürfnis vieler Bürgermeister "mehr für die älteren Bürger ihrer Gemeinden zu tun." Die Hinwendung vieler Bürger zu rechtsextremen Parolen erklärte Niederland mit dem Eindruck, "dass es in unsrem Land nicht mehr gerecht zugeht". Er nannte Altersarmut und eine sich ausprägende 2-Klassen-Medizin. Die Situation in der Pflege sei inzwischen katastrophal. "Das sage ich ganz bewusst so". Niederland unterstrich, dass rassistische und fremdenfeindliche Gesinnung in den Reihen der Volkssolidarität nichts zu suchen hätten und eine Verletzung ihres Leitmotivs "Miteinander- Füreinander" darstellen würden.

Vorstandsvorsitzende Ines Große informierte die Delegierten darüber, dass ein 3,6 Millionen-Investitionsfonds aufgelegt worden sei. Aufgrund der prekären Fachkräftesituation in den Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen sei eine deutliche Zunahme der Personalkosten zu verzeichnen. Die Volkssolidarität beteilige sich aus wohlverstandenem Eigeninteresse  aktiv an den Verhandlungen um einen Flächentarif mit der Gewerkschaft Verdi. Angesichts der beträchtlichen Einkommensunterschiede gegenüber dem Bundesland Berlin stelle sich "die Frage nach der Attraktivität der Volkssolidarität als Arbeitgeber". Der Pflegenotstand habe selbst die Stadt Potsdam erreicht. Dort und an vielen weiteren Orten sei der tatsächliche Bedarf an Pflegeleistung wesentlich größer als die Möglichkeit, ihm zu entsprechen. Die dafür notwendigen Fachkräfte seien schlicht nicht vorhanden.  Eine angemessene Bezahlung stelle darüber hinaus ein Beitrag zur Senkung des Krankenstandes und zur Schaffung eines guten Betriebsklimas dar. Im Anschluss wurden die Geschäftsberichte einstimmig bestätigt und Verbandsrat sowie Vorstand entlastet. Der Präsident des Bundesverbandes der Volkssolidarität Wolfram Friedersdorff warb in seiner Rede um eine auskömmliche Finanzierung der Bundesgeschäftsstelle durch die Landesverbände. Dies stehe seit Jahren aus, doch nehme die Dringlichkeit zu. Andere Einnahmemöglichkeiten würden kaum noch existieren. In den Verhandlungen zur Bildung einer neuen Bundesregierung höre man von allem möglichen, nur soziale Themen wie drohende Altersarmut und Wohnungsnot in den Ballungszentren seien offenbar "nicht wert, dass man um sie streitet". Der demografische Wandel werde zuerst im Osten zuschlagen und ohne die ältere Generation auch wirtschaftlich nicht zu bewältigen sein. Die stetige Schwächung der gesetzlichen Rente sei allerding keine aussichtsreiche Antwort. Der Präsident wies darauf hin, dass die Rückgänge bei den Mitgliedern in den einzelnen Strukturen höchst unterschiedlich ausfallen. Manche hätten 4 Prozent Verlust, andere 37 Prozent. Professionelle Werbung sei gut und richtig, aber das persönliche Gespräch unersetzbar. "Mitglieder gewinne ich in meiner Altersgruppe."  

In ihren Gesprächen an der Basis der Volkssolidarität spüre sie "überdurchschnittliches Engagement" aber auch "Wehmut und verlorengegangenes Vertrauen", sagte Bundesgeschäftsführerin Anette Helbig. Ein Reflex sei die Haltung "Wir schaffen es allein". Das gelinge aber nicht immer. Sie nehme eine Entkopplung innerhalb der Strukturen der Volkssolidarität wahr. Schon vor Jahren habe sich der Verband vorgenommen, sein Seniorenimage schrittweise zu verändern, doch habe das "nicht ausreichend stattgefunden". Innerhalb von zehn Jahren habe sich die Mitgliederzahl des Verbandes halbiert. "Das klassische Engagement verringert sich". Einzelne Strukturen würden Tochtergesellschaften ausgliedern und ihnen den Namen Volkssolidarität schon gar nicht mehr geben. Sie riet dazu, sich nicht mehr um sämtliche Themen zu kümmern, sich zu konzentrieren und dazu, eine professionellere Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. In der heutigen Situation könne das "nicht mehr nebenbei geleistet" werden.

Von einem deutlichen Rückgang bei der Bereitschaft, eine Ehrenamt auszufüllen, sprach auch die Vorsitzende des VS-Verbandes Mittelmark Gabriele Herzel. "Es wachsen zu wenige nach, die dazu bereit sind." Das Durchschnittsalter der VS-Mitglieder liege bei 75 Jahren, was dazu führe, dass "ein großer Teil der Mitgliedergruppen nicht mehr in der Lage ist, eigene Vorstände zu bilden".  Daher habe der Verbandsbereich damit begonnen, größere Strukturen zu bilden und so mehrere Gruppen zusammenzufassen. Dagegen rege sich Widerstand. "Die Gruppen wollen lieber autark bleiben". Herzel sprach sich dafür aus, Menschen, die Interesse zeigen und mal vorbeischauen nicht vorschnell den Kopf zu stoßen. Heute komme es darauf an zu prüfen, wie Angebote in das bisherige Konzept eingebaut werden könnten.