Volkssolidarität


Brandenburg

Wirkungsvoll gegen Pflegenotstand

Ab Oktober: Tariflohn in den VS-Verbandsbereichen

Der Volkssolidarität Landesverband Brandenburg e.V. und seine Verbandsbereiche werden ab 1. Oktober 2019 ihren Beschäftigten Tarifgehälter zahlen. Diese Entscheidung gab der Landesvorstand nach Abstimmung mit dem Verbandsrat gegenüber den Kranken- und Pflegekassenkassen sowie der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bekannt. Wie der Vorsitzende des Verbandsrates der Brandenburger Volkssolidarität, Bernd Niederland, dazu mitteilte, ist die Einführung des Tariflohns in der ambulanten Pflege, bei den Kitas und den Einrichtungen der Jugendhilfe als grundsätzliches Signal zu verstehen, dass im Sozial- und Wohlfahrtssektor der Tarifbindung die Zukunft gehört. Der Schritt  wird als Anregung und Ermutigung für weitere Gliederungen im VS-Landesverband gesehen, sich in die Tarifbindung  zu begeben – bis hin zum Bundesverband der Volkssolidarität und seinen Gliederungen. 

Foto: Gute Arbeit soll ihren guten Lohn haben.

Dieser Entscheidung des brandenburgischen Landesvorstands komme eine strategische Bedeutung bei der dringend erforderlichen Verbesserung der Fachkräftesituation zu, denn sie diene unbestreitbar der Verbesserung der Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal in der ambulanten Pflege, in der Betreuung psychisch Kranker, aber auch in den Kitas und den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe.

Auch die Beschäftigten der nicht Kostensatz-finanzierten Einrichtungen, z. B. der Begegnungszentren in Kommunen, werden in die Tarifbindung einbezogen. Für alle Beschäftigten der Verbandsbereiche werden sich die Löhne und Gehälter – zwar differenziert aber deutlich - verbessern. Niederland sprach von einem „Attraktivitäts-Schub“ für die Einrichtungen der VS, weil die neuen Gehaltsstrukturen auch positive Auswirkungen auf die Motivation der Beschäftigten und auf die Arbeitsbedingungen haben werden. Die Brandenburger VS versteht die eingeleitete Entwicklung als einen Beitrag zum Abbau des Fachkräftemangels in der ambulanten Pflege und in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Wenn künftig „Gutes Geld“ in diesen Tätigkeitsfeldern gezahlt wird, wird die Bereitschaft in der Bevölkerung – auch im jüngeren Teil  – sich diesen verantwortungsvollen Beschäftigungen wieder stärker zuzuwenden, wachsen, was in der Pflege angesichts des akut vorhandenen Notstands dringend geboten ist.

Möglich geworden ist dieser seit langem angestrebte Schritt insbesondere nach einer Einigung in den Vergütungsverhandlungen für die ambulante Pflege mit den Vertretern der in der Pflege federführenden Kranken- und Pflegekasse AOK Nordost. Die ambulante Pflege ist ein wichtiges sozialwirtschaftliches Standbein der Verbandsbereiche und vereint die meisten Beschäftigten in ihren Diensten. Deshalb waren für die Volkssolidarität belastbare Finanzierungszusagen aller Kostenträger immer eine wesentliche  Voraussetzung für die Einführung eines Tarifs für ihre Beschäftigten. Wie das Mitglied des VS-Landesvorstands Andreas Heil dazu mitteilte, seien nunmehr in den Verhandlungen mit den Kranken- und Pflegekassen verbindliche Zusagen über die Höhe der Vergütungen für Pflegeleistungen seitens der Kassen erfolgt. Letzteres sei die Voraussetzung dafür gewesen, dass die Volkssolidarität für ihre Verbandsbereiche bindende Tarifzusagen gegenüber ver.di geben könne und dem Landesverband und seinen Verbandsbereichen den Beitritt zum Geltungsbereich des Tarifs gestatte. Weil das Angebot der AOK im Namen aller Kranken- und Pflegekassen für die Häusliche Krankenpflege und die Pflege und Betreuung und deren Leistungsvergütung als finanziell tragfähig durch die VS bewertet wird, hat der Verbandsrat dem Vorschlag des Landesvorstandes für „eine zügige Einführung des Tarifvertrages“ seine Zustimmung gegeben, so der Verbandsratsvorsitzende Niederland.

Bei aller positiven Zukunftssicht aufgrund der Tarifbindung seien sich Verbandsrat und Landesvorstand bewusst, dass die Einführung des Tarifvertrags eine neue Situation für die Verbandsbereiche in Sachen innerverbandlicher Organisationsentwicklung mit sich bringt. Zugleich sind die Kostenträger in den Landkreisen und Kreisfreien Städten in diesen Entwicklungsschritt mit Blick auf Leistungen nach dem SGB IX und XII zügig einzubinden. Was auch für die Gewährung freiwilliger Leistungen in der offenen Altenhilfe durch die betreffenden Kommunen zutrifft.

 

Infoschreiben zu den neuen Vergütungen an unsere Klienten (PDF-Datei hier klicken zum öffnen)

 

Eine Herausforderung der besonderen Art werden die Gespräche mit den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen sein, die jene veränderten Kostenstrukturen für erbrachte Pflege- und Betreuungsleistungen zum Inhalt haben, die auf die Betroffenen infolge der Tarifbindung zukommen. Unsere Leistungskräfte werden aus diesem Grund in den Gesprächen besonderen Wert darauf legen, unseren Pflegebedürftigen die Gründe für die Änderungen der Vergütungen genau zu erläutern. Zudem wird es in manchen Fällen möglich sein, verstärkt auf ehrenamtliche Leistungen zurückzugreifen und niedrigschwellige Betreuungs- und Begleitabläufe dadurch kostengünstiger zu gestalten.

brandenburg-volkssolidarität