Volkssolidarität


Brandenburg

Weite Wege und viele Unterschiede

Altenpflege-Ausbildung: Als Griechin in einem Pflegedienst der VS

Ein weiter Weg. 19 Stunden fährt man mit dem Auto von Deutschland nach Griechenland. Symela Sarigiannidou ist ihn in diesem Sommer wieder gefahren - als es die Corona-Lockerung gestattete. Aber sie kam wieder zurück in ihre neue Heimat. Ihr bisheriger Lebensweg war auch kein kurzer. Er führte vom griechischen Tessaloniki über die Insel Kreta, die Hauptstadt Athen bis ins brandenburgische Teltow. Und von dort in einen Pflegedienst der Volkssolidarität.

Symela Sarigiannidou - das liegt schwer auf der deutschen Zunge. Aber natürlich ist  - umgekehrt - die deutsche Sprache auch für sie nicht gerade leicht. Das erfuhr sie, nachdem sie vor sechs Jahren - ihrer ältesten Tochter folgend - nach Deutschland übersiedelte. Vor einem Jahr begann sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Ihre große Tochter studiert in Berlin, die jüngere geht in die siebte Klasse. "Da dachte ich mir, du kannst etwas Neues lernen, und vielleicht auch einmal mehr Verantwortung übernehmen". Sie bewarb sich erfolgreich um einen Bildung-Gutschein bei der Agentur für Arbeit.

Foto: Symela Sarigiannidou

Der theoretische Unterricht findet in der Hofbauer-Schule Kleinmachnow statt, die praktische Ausbildung im VS-Pflegedienst. Trotz des Extra-Problems der Sprache - und das wurde im Corona-bedingten  Unterricht am Computer nicht kleiner - hat sie bisher alle Prüfungen bestanden - auch nicht unbedingt schlechter als deutsche Mitschüler, freut sie sich. Auch wenn sie in den Frühdiensten ihrer Praxis-Ausbildung in Teltow und Umgebung Pflegefachkräfte begleitet, gibt es gelegentlich Verständigungsprobleme mit den Patienten und Klienten.  Aber noch kann die betreute Pflegefachkraft helfend zur Seite stehen. Und Symela Sarigiannidou erfährt von den Patienten selbst viel Ermutigung. Wie kommt sie mit den Mentalitätsunterschieden klar? "Die Deutschen sind sehr pünktlich, das sind wir nicht immer. Wo wir uns nur sehr ungern in eine Schlange stellen, da tun die Deutschen das sehr geduldig. In Griechenland berühren sich die Menschen auch öfter und lieber." Gewiss, man sei in Deutschland, und da ist es etwas schwerer, Vertrauen aufzubauen. Hat man es aber, "dann ist wirklich vieles einfacher".

"Wir sind der letzte Jahrgang, der eine Ausbildung zur Altenpflege macht - nach uns kommt die generalistische Ausbildung", weiß die angehende Altenpflegerin. Das heißt, künftig werden nur noch Pflegerinnen und Pfleger ausgebildet, die nach bestandenen Prüfungen sowohl in der Alten- als auch in der Kinder- und Krankenpfleger arbeiten können, also in der Wahl der Berufsstätten flexibler sein werden. Bedauert sie diese Einschränkung auf die Altenpflege in ihrem eigenen Fall? "Nein, ich selbst bin bei Oma und Opa aufgewachsen und habe gern mit alten Menschen zu tun", sagt sie. "Die verstellen sich nicht mehr, sie sind direkt und authentisch."  Und natürlich steigt der Rentner-Anteil in Brandenburg von 20 auf fast 40 Prozent in den kommenden Jahren, von weniger Arbeit für Altenpfleger kann nicht gesprochen werden.

Aber gibt es nicht auch mal Spannungen mit den Klienten? Es lohne sich auch nicht, alles persönlich zu nehmen, weiß die angehende Altenpflegerin. „Wir alle haben nicht immer gute Laune. Man muss sie respektieren und darf sie in ihrem hohen Altern nicht erziehen wollen.". Für die betreuten Menschen sei beispielsweise wichtig, dass sie genau wissen, wann morgens  der Pflegedienst anrückt, über Veränderungen wollen sie zuvor informiert werden.

Vor einem Jahr haben in ihrer Ausbildungsklasse 24 Frauen und Männer angefangen, darunter 9 mit ausländischen Wurzeln. Davon seien nur noch 17 übrig geblieben, fünf "Ausländer" darunter.  Die Klasse wurde daher mit einer anderen zusammengelegt.

Und wie schätzt sie die Lage in ihrer griechischen Heimat ein? Sie ist von Riesenproblemen geprägt, weiß sie von ihren Freunden und Verwandten. "Es wird sehr lange dauern, bis sich die Dinge wieder gebessert haben“, glaubt sie.  Seit sie als Griechin in Deutschland lebt,  heißt es ihr gegenüber gelegentlich, "Ihr habt unser Geld bekommen". Ihre eigenen Erfahrungen dazu: "In Griechenland werden Gehälter gezahlt, von denen viele Menschen nicht leben können."

Auch in Deutschland nimmt sie soziale Probleme wahr. "Aber sie sind hier nicht so tiefgreifend und nicht so auffällig." Als Pflegerin wird sie in ihrer Wahlheimat deutlich mehr verdienen als in Griechenland - wenn man allein die Euro-Beträge betrachtet. Aber das Leben in Deutschland ist auch viel teurer,  hat sie schon lernen müssen. Die Arbeit bei der Volkssolidarität gefällt ihr, das Betriebsklima bezeichnet sie als gut. Zum Pflegedienst war sie auf Empfehlung einer ehemaligen Kollegin gekommen.

Foto: Athen