Volkssolidarität


Brandenburg

Vorbei am Kaffeegrund

Der Wander- und Familientag der Volkssolidarität in Klaistow

Der Wander- und Familientag der brandenburgischen Volkssolidarität wird immer mehr zum grenzüberschreitenden Ereignis. Als Verbandsratsvorsitzender Bernd Niederland an diesem Sonnabend Ende August die ca. 300 Teilnehmerinnen im Spargel- und Erlebnishof Klaistow willkommen hieß, konnte er auch Wanderfreunde aus Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen begrüßen. Letztere hätten in historischem Sinne ihre Heimat praktisch gar nicht verlassen, ließ Niederland durchblicken. Denn bis 1815 verlief die Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg eben unweit des Ortes, von dem die diesjährigen Wanderungen der Volkssolidarität ihren Ausgangspunkt nahmen.  Bei schönstem Wetter wurden die Wanderstrecken bewältigt  – ja nach individueller Leistungskraft mit drei, fünf und zehn Kilometern Länge. Zum ersten Mal war eine Kindergruppe aus der Uckermark angereist. Begrüßt wurden die großen und kleinen Wanderer von lokalen Politikern und auch der diesjährigen Spargelkönigin Kristin Reich. Angesichts des heißen Augusttages riet sie den Fußgängern: „Trinken Sie viel“.

Die Wanderung führte am so genannten Kaffeegrund vorbei, einer Gegend, wo einst der billigere Kaffee aus Sachsen nach Preußen hineingeschmuggelt worden war. „Ja, hier war einiges los bis 1815“, sagt Verbandsratschef Niederland, der in dieser Gegend zuhause ist. Er dankt aber auch den Betreibern des Spargel- und Erlebnishofes, deren gut besuchte Freizeit- und Gastronomieanlage inzwischen ein Markenzeichen der Region, ein „Tourismusmagnet“,  geworden sei, wie er hinzufügte.Der Weg führte vorbei an Felder, Wiesen, durch Dörfer und auch Wälder. Einige Hindernisse mussten überwunden werden, da einige Tage zuvor ein Tornado den Ort Klaistow heimgesucht hatte. Eine Pause eingelegt wurde in der Kaniner Kirche, der „ältesten Kirche in der Mark Brandenburg“, wie Christel Niederland die Teilnehmer informierte. Sie ist unweit von hier zur Schule gegangen und erzählte, dass einst zur Königszeit ein Kanonenschuss in Potsdam die örtliche Besatzung weckte, wenn wieder einmal ein Soldat desertiert war. Und dass einige dieser Männer sich in einem örtlichen Dorfkrug in Sachsen und damit in Sicherheit wähnten, obwohl sie noch auf preußischem Boden waren und auch festgenommen wurden.

Mit 83 Jahren war Heinz Naumann gemeinsam mit seiner Ehefrau aus Freiberg angereist, um diesen schönen Tag mitzuerleben. Früher habe er am Rennsteiglauf teilgenommen, das gehe nach einem Schlaganfall nicht mehr, verriet er. Doch gefalle ihm der märkische Wandertag immer so gut, dass er ihn nicht missen möchte. Insgesamt 57 Mitglieder der Volkssolidarität seien allein aus seinem Heimartort an diesem Tag mit von der Partie, setzte der rüstige Rentner hinzu. Leider hatte sich noch vor Beginn der Wanderung eine Dame verletzt, sie war gestürzt und musste vom DRK Rettungsdienst mit Schulterbruch ins nächste Krankenhaus gebracht werden.

Am Rande des Wandertages, gleichsam als Bestandteil des Begleitprogramms, bot Karola Behnke die Erzeugnisse der Handarbeitsgruppe der VS von Bad Belzig feil. „Der Erlös kommt den Kindern der Tafel Bad Belzig zugute“ stand auf einem Schild. Sie berichtete von der 91jährigen Erika Kutschbauch, die mit gewaltiger Lupe ausgerüstet immer noch wunderbare Dinge stricke – für Menschen und Puppen, zur Zierde oder für praktische Küchenzwecke. Gewiss, im Sommer verkauft sich Gestricktes nicht ganz so leicht, bestätigte Frau Behnke. Aber eben erst sei eine Familie vorbeigekommen, die habe zwar nichts gekauft, aber einen “Schein in die Kasse gesteckt“, sagte sie bewegt. Alle erfolgreichen Wanderer erhielten nach Ankunft eine Urkunde. Vor Kaffee und Kuchen stand noch ein Prominenten-Auftritt. Dagmar Frederic, die bekannte Sängerin und Entertainerin, fand auf Anhieb Zugang zum Publikum in der voll besetzten Fest-Scheune des Klaistower Spargelhofs. „Man lebt und einmal“ und „Es ist noch lange nicht vorbei“, bestätigte sie in ihren Liedern. Im kommenden April werde sie selbst 75 Jahre alt, seit  nahezu 60 Jahren stehe sie jetzt auf der Bühne, teilte sie dem Publikum mit.

Anneliese Winkler aus Prenzlau hat die Teilnahme von 23 Mitgliedern der Volkssolidarität an diesem Tag organisiert. Sie  ist mit ihrer Freundin schon öfter dabei gewesen – „wir sind Wiederholungstäter“,  - die meisten anderen aus der Uckermark dagegen sind erstmals beim Wandertag der brandenburgischen VS an den Start gegangen. Einhellige Meinung: „Wir kommen wieder.“ Anneliese Winkler: „Ich habe es fünfmal geschafft, da werde ich es auch das sechste Mal schaffen.“