Volkssolidarität


Landesverband Brandenburg e.V.

Sternstunde mit entsprechendem Koch

20 Jahre Suppenküche der Volkssolidarität in Potsdam

Ein bemerkenswertes städtisches Jubiläum zog Ende November Potsdamer Lokalprominenz in die örtliche Suppenküche der Volkssolidarität. Zum 20. Geburtstag dieser wohltätigen Einrichtung zauberte Sternekoch Alexander Dressel für die Gäste dieses sozialen Zentrums ein Mehrgängemenü. Dies war auch Gelegenheit, die beharrlichen Leistungen des Sozialverbandes zu würdigen. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) ließ es sich zu Beginn nicht nehmen, die Rolle der Volkssolidarität bei der Linderung eines gravierenden sozialen Problems herauszustellen. "Nicht alle gute Ideen werden umgesetzt", sagte er, bevor das Menü serviert wurde. Die Volkssolidarität habe vor zwei Jahrzehnten die Suppenküche eingerichtet, zunächst ohne eine Unterstützung der Stadt. Später aber "haben wir uns in der Verpflichtung gesehen, hier zu helfen".

Jann Jakobs (li) und H.-J. ScharfenbergHervorhebenswert war für Jakobs, dass es vielfach Potsdamer im Ehrenamt sind, die dieses Angebot für mittelose und obdachlose Menschen ermöglichen. "Sie arbeiten hier unermüdlich, ohne dass es entlohnt wird. Dafür sagen wir Dank." Hinter ihm war auf einer Tafel das Dauerangebot zu lesen: "Bockwurst und Knacker 1 Euro. Tee gibt es gratis." Wie die meisten Redner des Tages wies auch der OB darauf hin, dass die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung kein gutes Licht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse wirft. "Das mag man beklagen, unsere Gesellschaft ist, wie sie ist. Und zunächst können wir das auch nicht ändern." Potsdams Stadtpolitik habe sich aber bewusst dafür entschieden, die Armenspeisung nicht "in einem stillen Winkel" zu verstecken, sondern an ihrem heutigen Standort in der Friedrich-Ebert-Straße auf dem Gelände der Stadtverwaltung anzusiedeln.  "Das soll völlig öffentlich stattfinden."

Das Wort ergriff mit Inge Gerlach jene Frau, die sich vor zwei Jahrzehnten angesichts zunehmender Armut in Potsdam für die Einrichtung  der Speisung von Obdachlosen eingesetzt hatte. Die Reaktionen der damaligen Stadtregierung seien zunächst durchaus enttäuschend gewesen. Sie zitierte den damaligen Sozialdezernenten: "Es gibt keine Armut in Deutschland. Eine Suppenküche brauchen wir nicht." Schließlich habe man das Projekt aber doch durchsetzen können, schloss sie - mit Tränen in den Augen. Nachdem aus der früheren Baracke nun ein festes Haus geworden ist, haben die bedürftigen Nutzer "ein Stück Heimat gefunden", lobte Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, der das Projekt immer unterstützt hatte.  Die Erlebnisse am Standort seien durchaus wechselvoll gewesen . Vor vielen Jahren sei sogar mal eingebrochen worden, wobei eine Musikanlage gestohlen worden sei. "Das hat sich zum Glück nicht wiederholt." Es sei in unmittelbarer Nähe zur Stadtverwaltung eine dauerhafte Lösung für ein brennendes Problem gefunden worden - "und darauf sind wir stolz."

Der Verbandsratsvorsitzende der brandenburgischen Volkssolidarität Bernd Niederland sprach von einem "traurigen Kapitel, dass die an sich so reiche Bundesrepublik Suppenküchen braucht." Zunächst sei diese Potsdamer Einrichtung der Volkssolidarität in einem verlassenen Kindergarten untergekommen, später zog sie in die Lindenstraße, dann - über weitere Stationen - schließlich an ihren heutigen Standort neben die Stadtverwaltung.  Anlässlich des Jubiläums übergab Niederland eine Spende in Höhe von 2000 Euro an die Betreiber des Zentrums. Der Leiter der VS-Geschäftsstelle Mittelmark Dirk Brigmann erinnerte daran, dass der Begriff der Suppenküche im Grunde nicht korrekt sei und das nicht allein, weil es "Suppe nur am Freitag gibt". Vielmehr habe die örtliche Volkssolidarität den Ort längst zu einem sozialen Zentrum entwickelt, wo Kleiderspenden ausgegeben werden und wo Menschen sich waschen und duschen können. Das Haus habe 364 Tage im Jahr die Türen geöffnet, im Winter sogar länger als sonst, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich aufzuwärmen. In diesen Anstrengungen werde man nicht nachlassen. Der Geschäftsführer zitierte einen Nutzer der Einrichtung, der sich nachts in Berlin aufhält und tagsüber Geld für seinen Unterhalt erbettelt: "Er dankte für Speise und Wärme".