Volkssolidarität


Brandenburg

Stein im sozialen Gewölbe

Festveranstaltung zum 73. Jahrestag der Volkssolidarität in Potsdam

Wie alt fühlt sich ein Sozialverband, der 73 geworden ist? Als Ekkehard Schulz vom Regionalverband "Bürgerhilfe" bei der großen Geburtstagsfeier des Landesverbandes der Volkssolidarität die Worte des Dankes formulierte, gab er eine Anekdote zum besten: Auf die Frage nach der möglichen Mitgliedschaft in der Volkssolidarität habe ihm eine 70jährige Dame geantwortet: "Ich bin doch noch gar nicht so alt, um Mitglied der Volkssolidarität zu sein." Das sehen zum Glück nicht alle so. Die neue Landes-Sozialministerin Susanna Karawanskij - Jahrgang 1980 - fühlte sich jedenfalls nicht zu jung, um sich bei der Feier mit bewegenden Worten an die anwesenden VS-Mitglieder  zu wenden. Als einen "wichtigen Stein im sozialen Gewölbe" würdigte die Linken-Ministerin die Arbeit des Landesverbandes. Auf der Festveranstaltung im Inselhotel Potsdam sagte sie, auch wenn die  heutigen Bedingungen gegenüber der Gründungszeit 1945 moderater geworden seien, würden sich Aufgaben und Ziele im Prinzip gleichen: Betreuung von alten Menschen, Kindern, Demenzkranken und anderen Pflegebedürftigen.

Foto: Herzlich wird die Ministerin bei der Volkssolidarität begrüßt

Keineswegs sind es ausschließlich Rentner, die dem Sozialverband angehören oder von ihm betreut werden. Mit knapp 30.000 sei die Zahl der VS-Mitglieder im Bundesland beeindruckend, und "Ihre Stimme hat Gewicht", versicherte die Ministerin den Anwesenden aus allen Verbandsbereichen und Kreisverbänden der märkischen VS. Dass der Verband offen für Alt und Jung ist, bestätigte auch der Verbandsratsvorsitzende des VS-Landesverbandes Bernd Niederland. Er zeigte sich zur Zusammenarbeit mit der Politik bereit. "Beratend stehen wir gern zur Verfügung", sagte er bei der Veranstaltung, auf der eine Reihe aktiver Mitglieder ausgezeichnet wurden.  Die Anwesenheit der Ministerin bei der Feierstunde wertete Niederland als Zeichen der Kontinuität in den Kontakten zum Ministerium. Er sehe eine Reihe von Schnittstellen in der Politik von Ministerium und Volkssolidarität, "die ausgestaltbar sind".  In der Volkssolidarität des Bundeslandes seien derzeit rund 3000 Menschen im Ehrenamt und über 2000 im Hauptamt tätig, informierte der Verbandsratsvorsitzender.

Die Volkssolidarität nehme in ihrer Arbeit vor allem den ländlichen und kleinstädtischen Raum in den Blick, aus dem sich andere längst zurückgezogen hätten, fuhr Niederland fort. Dort wolle der Sozialverband mit niedrigschwelligen Angeboten, wie zum Beispiel verschiedenen Formen der Nachbarschaftshilfe, der zunehmenden Vereinsamung entgegenwirken. Anliegen der VS sei es, die soziale Gerechtigkeit, vor allem die Verteilungsgerechtigkeit, im Lande zu stärken und ihren Beitrag in den Bereichen Pflege, Kitas und Wohnen zu leisten. Dies seien die Felder, auf denen die Politik gemessen werde, sagte Niederland mit Blick auf die kommenden Landtags- und Kommunalwahlen. "Der brandenburgische Mitgliederverband der Volkssolidarität ist lebendig und sozial wirksam", freute sich die Vorstandsvorsitzende des märkischen Landesverbandes Ines Große auf der Geburtstagsfeier. Sie erinnerte an die großen Leistungen der Ehrenamtlichen in ihrem Verband, "ohne die im Jahr 1990 der Übergang in neue unbekannte Verhältnisse für viele Menschen nicht vorstellbar gewesen" wäre.

Das Besondere der Volkssolidarität sei, dass sie immer ihren Schwerpunkt im Osten  gesehen hätte, daher habe sie dort auch eine "ganz andere Art der Verwurzelung", sagte Ines Große weiter. Keineswegs aber sei die Gewinnung neuer Mitglieder leicht, es gebe u.a. auch konkurrierende Angebote. Könne man jetzt von etwa einer halben Million Ruheständlern im Land Brandenburg ausgehen, so werden es 2040 rund 800.000 sein, d.h. jeder dritte Brandenburger. Der Verband könne auf die neuen Herausforderungen u. a. dadurch reagieren, dass Ehrenamt und Hauptamt stärker kooperieren. Die Volkssolidarität wende sich gegen weiteren Sozial- und Angebotsabbau vor allem im ländlichen Bereich. Kommunen müssten ihre freiwilligen Leistungen wieder hochfahren.  An dieser Stelle vermisse sie "Initiativen auf landespolitischer Ebene", unterstrich dieVorstandschefin.

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