Volkssolidarität


Brandenburg

Niemand zu jung für die Vorsorgevollmacht

VS Pflege-Spezialist Andreas Heil bei Antenne Brandenburg

Hörer fragen - die Volkssolidarität antwortet. Die "Woche der pflegenden Angehörigen" hielt für Hörer des rbb-Senders "Antenne Brandenburg" einen besonderen Service bereit. Am 16. Mai stellte sich Andreas Heil, stellvertretender Vorstandschef und Pflege-Experte der brandenburgischen Volkssolidarität, den Fragen von Moderatoren und Zuhörern rund um die Themen Pflege und Vorsorgeregelungen. Wer weiß schon, dass es die Pflegekasse ist, an die man sich mit einem sich abzeichnenden  Anspruch der Pflege zuerst wenden muss. Und dass danach der Kontakt zu Pflegestützpunkten der näheren Umgebung aufgenommen werden sollte. Das aber war nur zwei Aspekte der fast dreistündigen Ratgebersendung "Hallo Brandenburg", bei der rund 50 Telefonanrufe beim rbb eingingen. Informationen gab es aus erster Hand zu der für viele Menschen noch geheimnisvolle Vorsorgevollmacht, die aber eindeutig als wichtigste eingestuft wird.

Foto: Andreas Heil beantwortet Hörerfragen

Andreas Heil empfiehlt, darin Vermögensvertreter, Vertreter für Gerichte und Behörden sowie die vorgesehenen Inhaber der Bankvollmacht zu benennen. Achtung: Bei der Bankenvollmacht ist es Praxis, dass Geldinstitute nur ihre eigenen Formulare für die Vollmacht akzeptieren. Um es ggf. der Polizei oder den Gerichten leichter zu machen, ist es empfehlenswert, die Vorsorgevollmacht bei der Bundesnotarkammer und dort gegen eine verhältnismäßig geringe Gebühr im Vorsorgeregister zu hinterlegen (Tel. 08003550500). Denn dort fragen die Behörden zuerst nach, andere Hinterlegungsorte (Notare) müssten erst mühsam gesucht werden auf die Gefahr hin, dass sie gar nicht gefunden werden.  Bestandteil der Vorsorgevollmacht ist auch die Aufenthaltsbestimmung, d.h. der konkrete Wunsch bezogen auf den Wohnort, und Festlegungen für den Fall, dass freiheitsentziehende Maßnahmen notwendig sein sollten.

Vollmacht am besten bei Volljährigkeit

In der Betreuungsverfügung kann jeder Mensch bestimmen, welche Person diese Dinge für ihn regeln soll, wenn er selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Wenn sie fehlt, so Heil, übernehmen Gerichte die Benennung des Betreuungsvormunds sozusagen "von außen". Um zu regeln, was an medizinischen Maßnahmen erfolgen soll, wenn der Mensch selbst sich dazu nicht mehr selbstbestimmt äußern kann, muss er eine Patientenverfügung aufsetzen. Darin ist festgehalten, was bezüglich weiterer Operationen, Bluttransfusionen oder anderer lebensverlängernder Maßnahmen zu beachten ist.  Pflegeexperte Heil empfiehlt dringend, die Vorsorgevollmacht zu erteilen und zwar unabhängig vom Alter des jeweiligen Menschen, sofern er volljährig ist. Denn jeder kann in eine Lage geraten, in der all diese Fragen aufgeworfen sind.

Pflegebeantragung: Es gelten Fristen

Tagtäglich tritt die Frage tausendfach auf: Wie beantragt der Mensch einen Pflegegrad und welche Fristen sind dabei zu beachten? Andreas Heil: Innerhalb von 14 Tagen nach Antragstellung muss die Pflegekasse eine Pflegeberatung gewähren  oder einen Termin dafür vermittelt haben. Innerhalb von 20 Tagen muss der Medizinische Dienst der Krankenkassen ein begründetes Gutachten erarbeiten. Nach spätestens 25 Tagen muss ein Bescheid vorliegen, zu welchem Urteil der Dienst gelangt ist, d.h. ob er einen Pflegeanspruch anerkennt, in welchem Grade und warum. Sollte die Antrag stellende Person mit dem Ergebnis nicht einverstanden sein, hat sie vom Datum der Zustellung an vier Wochen Zeit, in Widerspruch zu gehen. Tipps des Experten betrafen bei der Sendung auch Hilfen für pflegende Angehörige.