Volkssolidarität


Brandenburg

Marktplatz der Möglichkeiten

VS-Initiative mit der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)

Auf die Vielzahl an Möglichkeiten bei der ehrenamtlichen Betätigung wurde Mitte Oktober an der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)  aufmerksam gemacht. Mit einem "Markplatz der Möglichkeiten". Weil im Vorfeld die Universität "über ihren Tellerrand geblickt" hat, gab es an diesem Tag neben der Präsentation studentischer Angebote  im wissenschaftlichen, künstlerischen, sportlichen oder auch Freizeit-Bereich eine inhaltliche Erweiterung. Denn auch eine Vielzahl von ehrenamtlich orientierten Initiativen außerhalb der Viadrina hatten die Möglichkeit, bei dieser "Messe für einen Tag" mit ihren Angeboten aufzuwarten.  Neben der Volkssolidarität, Kreisverband Frankfurt (Oder) e.V., zogen bei dieser Gelegenheit Arbeiterwohlfahrt, das Netzwerk Gesunde Kinder bis hin zum Freiwilligenzentrum der Oderstadt und viele andere ihre Banner auf. Auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef hatte seinen Stand. Dieser "Markt der Möglichkeiten" fand statt im Gräfin Dönhoff Gebäude der Universität, wo sich auch die große Mensa befindet. Eröffnet wurde er von Sylvia Grande, Referentin des Landesverbandes der Volkssolidarität.

Mit einigen zünftigen Ständchen der Fanfarengarde Frankfurt (Oder) wurde der vielseitige Nachmittag eingeleitet. Tatsächlich war der Zuspruch über Erwarten groß, denn praktisch alle Studierenden, die ihr Mittagsmahl einnahmen, kamen an dieser Messe im Vestibul des Gebäudes vorbei. Drei Stunden lang wurde in offener Atmosphäre ein Stelldichein und ein Kennenlernen praktiziert. Nicht nur die Studenten, auch Bürger Frankfurts waren der Einladung gefolgt. Barbara Schwabe verschaffte sich einen Überblick und fühlte sich in dem Gewusel sichtlich wohl. "Wissen Sie, ich bin schon lange Mitglied der Volkssolidarität", sagte sie am grünen Stand. Sie ist als Frankfurterin in die Sportgruppe "Walking" gegangen und auch sonst mit ihrer Mitgliedschaft zufrieden: "Weil man da andere Menschen erreicht und  so viel machen kann".  Sich an den Aktivitäten der VS zu beteiligen, kann sie nur anderen empfehlen: "Man muss doch auch mal raus."

Die Vertreterin der örtlichen Bewegungs-Kita "Sonnensteig" Marion Krüger stand gern Rede und Antwort. "Viele fragen nach, was das ist - Volkssolidarität, was man dort macht." Sie kann ihren Gesprächspartnern verkünden, dass die Kita durchaus in den Universitätsbetrieb eingebunden ist, denn sowohl Dozenten als auch Studierende lassen ihre Kinder dort betreuen. Im Unterschied zur Geschäftsstelle des VS-Kreisverbandes, der auch in der Logenstraße, d.h. gleich um die Ecke, liegt, ist der Abstand zur Kita Sonnensteig mit zweieinhalb Kilometern aber recht bedeutend. Gast der Volkssolidarität war an diesem Tag auch Frankfurts Oberbürgermeister Renè Wilke (DIE LINKE). Im Anschluss an den "Markt der Möglichkeiten" nahm er teil an einer Podiumsdebatte in der VS-Begegnungsstätte zum Thema "Was, wenn das Ehrenamt streikt?". Denn die Überalterung der ostdeutschen Gesellschaft lässt diesen Bereich nicht unberührt.  Dass immer weniger Menschen bereit oder auch in der Lage sind, sich im Ehrenamt zu engagieren, pfeifen inzwischen die Spatzen auch von den Frankfurter Dächern.

Der Oberbürgermeister sieht eine Lösung in der Finanzierung von Auslagen, welche den Ehrenamtlern in ihrer unverzichtbaren Tätigkeit nun einmal entstehen: "Sie dürfen nicht auf diesen Kosten sitzenbleiben". Dennoch müsse er auf einem Verfahren der Kontrolle und Abrechnung bestehen. "Einfach so vorbeikommen und sagen, ich bin Ehrenamtler, gib mir mal 100 Euro, so funktioniert das nicht."   Marie Glißmann - sie hat gemeinsam mit der Volkssolidarität den "Marktplatz der Möglichkeiten" vorbereitet - verwies darauf, wie wenig Zeit ihr das Studium und die Sprachen-Qualifikation lassen würden. Daneben müsse sie auch noch das Geld für die Miete zusammenbringen. Wenn sie nicht Stipendiatin einer Stiftung wäre, könnte sie unmöglich ehrenamtlich im ASTA arbeiten. Was das Ehrenamt ganz allgemein betrifft, fasste sie ihre Erfahrungen zusammen: "Es läuft gar nicht. Oder, sagen wir mal: Es läuft noch gerade so. Aber es wird schwieriger."  Man sei im 21. Jahrhundert angekommen und wegen des massiven Wegzugs junger Menschen funktioniere auf dem Lande die Freiwillige Feuerwehr vielerorts beispielsweise eben nicht mehr.

Ute Wallroth vom Vorstand der Volkssolidarität Frankfurt erklärte. "Ich kann mir die Leute nicht malen". Die aber würden gebraucht, um mal einen Rollstuhl in die Sonne zu schieben oder Kindern etwas vorzulesen. Von erlebter Überforderung sprach Ines Große, Vorstandsvorsitzende der Volkssolidarität Brandenburg. Dies sei Anzeichen dafür, "dass etwas nicht stimmt". Man werde keine Erfolge im Ehrenamt haben, wenn das Entscheidende nicht im Vordergrund stehe: "Es soll Freude machen."

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