Volkssolidarität


Brandenburg

In Corona-Zeiten: Schutz für Pfleger und Gepflegte

Interview mit Andreas Heil, Vorstandsmitglied Pflege der VS Brandenburg

Herr Heil, müssen Menschen, die gepflegt werden, ihre Angehörigen aber auch Pflegefachkräfte jetzt Angst haben, Angst vielleicht sogar vor der Pflege-Handlung selbst?

Andreas Heil. Da rate ich zur Sachlichkeit aber auch zur Vorsicht. In vielen Fällen verläuft eine Infektion mit dem Corona-Virus ohne Symptome oder mit leichten grippeähnlichen Symptomen. Sicher ist aber auch, dass pflegebedürftige Menschen zu den besonders gefährdeten Personengruppen gehören. Bei ihnen kann das Virus zu einer Lungenentzündung führen. Aus diesem Grund empfehlen wir den Frauen und Männern, die gepflegt werden, ihren Angehörigen sowie auch den Pflegefachkräften Maßnahmen zu ihrem Schutz.

Worin bestehen die wichtigsten?

Andreas Heil: Zu den Maßnahmen der Vorbeuge gehört, dass der unmittelbare Körperkontakt mit anderen Menschen möglichst vermieden wird. Es ist geraten, einen Sicherheitsabstand von 1 bis 2 Metern einzuhalten. Bevor man als Angehöriger zu einer pflegebedürftigen Person geht, sollten die Hände 30 Sekunden lang mit Seite und gründlich gewaschen werden. Das Gleiche gilt für die pflegebedürftige Person vor dem Essen und  nachdem sie Kontakt zu anderen Menschen hatte.

Foto: Andreas Heil

Was gehört noch dazu?

Andreas Heil: Für alle beteiligten Gruppen gilt: Niesen und husten Sie in die Ellenbeuge. Vermeiden Sie so weit wie möglich, sich ins Gesicht zu greifen, insbesondere die Schleimhäute von Mund, Nase, Augen sollten keinen Kontakt zu den Fingern haben. Den Pflegepersonen rate ich: Trinken Sie viel (1,5 bis 2 Liter am Tag), trinken Sie immer ein Glas pro Stunde, stellen Sie sich einen Wecker, um sich daran erinnern zu lassen. Essen Sie genügend, um im Krankheitsfall über Reserven zu verfügen. Lüften Sie Ihre Wohnung zwei Mal am Tag für jeweils 10 Minuten gut durch. Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt die Möglichkeit der sinnvollen Impfungen (Pneumokokken-Impfung, Influenza, Keuchhusten empfohlen durch Bundesgesundheitsministerium).

Was gilt es im Verhältnis zur Familie oder Freunden zu beachten?

Andreas Heil: Wie die Dinge heute liegen, sollte die Teilnahme an Veranstaltungen / Treffen mit mehreren Personen (Familienbesuche, Nachbarn, Kirche etc.) vermieden werden.

Kann man sich auch mit Material "eindecken"?

Andreas Heil: Hier rate ich dazu, zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel zu kaufen oder zu bestellen, wie Handschuhe, Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken Klasse FFP3 - natürlich sofern sie verfügbar sind. Pflegebedürftige sollten Besucher bitten, eine Schutzmaske am Eingang der Wohnung anzulegen, sofern diese vorhanden ist. Hierbei dieser Hinweis: Lassen Sie den oder die besuchende Person den Namen auf die Schutzmaske schreiben. Beim nächsten Besuch kann dieselbe Person dann genau diese Maske wieder verwenden. In der Zwischenzeit muss die Maske zum Trocken aufgehängt werden. Ich empfehle weiterhin, den behandelnden Arzt zu bitten, solche Medikamente, die häufig benötigt und damit schnell verbraucht werden, für einen längeren Zeitraum zu verschreiben. Das wäre ein Weg, um Lieferengpässe zu vermeiden. Hier aber auch vorausgesetzt, dass diese Möglichkeit besteht.

Was soll der Klient oder die Pflegekraft tun, wenn sie glauben, sich mit Corona angesteckt zu haben?

Andreas Heil: Um das Gesundheitssystem zu entlasten, rät die Bundesregierung zur Einhaltung der Regelungen, die durch das Robert Koch Institut veröffentlicht wurden.  Wichtig dabei: Lassen Sie nur dann einen Corona-Test durchführen, wenn Sie Fieber und Husten haben (bzw. die Atmung erschwert ist) und/oder bereits Kontakt zu einem an Corona infizierten Menschen hatten. Oder wenn Sie sich selbst vor Kurzem in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Eine täglich aktualisierte Liste der Risikogebiete finden Sie hier:
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete.html

Wie ist der Weg zum Test?

Andreas Heil: An erster Stelle steht der Anruf beim jeweiligen Hausarzt. Dieser muss dann weitere Anweisungen geben. Hierbei ist entscheidend, dass man sich nicht ohne Termin in die Praxis begibt. Das ist enorm wichtig! Sollte der Arzt nicht erreichbar sein, sind folgende Corona-Rufnummern in Brandenburg zu wählen:

Þ    116 117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst)

Þ    0331 - 8683 - 777 (Bürgertelefon des Landes Brandenburg für das Corona-Virus)

Þ    Telefonnummern der Gesundheitsämter: https://tools.rki.de/PLZTool/

Wie können Klienten und Angehörige selbst zur Stabilisierung der Lage beitragen?

Andreas Heil: Viel hängt davon ab, dass das Pflegepersonal in der gegenwärtigen Lage entlastet wird und arbeitsfähig bleibt. Ich bitte daher, zu prüfen,  auf welche Leistungen unserer Pflegedienste derzeit verzichtet werden können. Ist beispielsweise die zeitaufwendige Reinigung der Wohnung vielleicht nicht nötig? Darüber muss die Pflegedienstleitung informiert werden. Eine große Hilfe wäre auch, wenn Angehörigen der zu pflegenden Menschen vorübergehend einzelne oder alle Leistungen erbringen können, die derzeit durch den Pflegedienst erbracht werden. Hier denke ich u. a. an  Einkäufe, Pflegemaßnahmen, Verabreichen von Medikamenten.

Was sollte speziell im Kontakt zu dem Pflegedienst-Mitarbeitern beachtet werden?

Andreas Heil: Diese Menschen stehen derzeit unter einer hohen psychischen und physischen Belastung. Ich bitte darum, in der derzeitigen Lage auf persönliche oder länger andauernde Gespräche mit unseren Mitarbeitern zu verzichten. Unsere Kollegen und Kolleginnen verwenden derzeit alle Kraft darauf, die Minimalversorgung für alle Pflegebedürftigen in unseren Einrichtungen sicherzustellen. Gleichzeitig müssen sie die Mehrarbeit der erkrankten Kollegen und Kolleginnen übernehmen.
Am ehesten ist uns geholfen, wenn ihnen gegenüber Rücksicht waltet und sie ohne Verzögerung ihrer Arbeit nachgehen können. Vielen Dank für alle Formen von Verständnis und Mithilfe!

Infoblatt: Schutzmaßnahmen für Pflegebedürftige und deren Angehörige (Corona-Virus)

INFOSEITE für Mitarbeiter der VS Brandenburg: corona.vsbrb.de