Volkssolidarität


Brandenburg

Gut gekühlt aus warmen Händen

Neues Kühlauto für die Suppenküche der Potsdamer Volkssolidarität

Die Volkssolidarität im Potsdam hat für ihre Suppenküche ein neues Kühlauto angeschafft. Dieser Kastenwagen mit Kühlanlage kostete 30.000 Euro und möglich wurde der Neuerwerb, weil das Sozialministerium  25 000 Euro aus dem Lottotopf beigesteuert hatte. »Es ist auch leiser«, freut sich der ehrenamtliche Fahrer Bernd Maaß, als er sich ans Lenkrad setzt und den Motor das erste Mal startet. Regelmäßig holen Mitarbeiter der Suppenküche gespendete Lebensmittel bei den Kaufhallen, Bäckereien und Fleischereien ab. Das Vorgänger-Auto war allerdings häufig kaputt und verfügte über keine Kühlung für Frischwaren. Seit 15 Jahren fährt  Maaß an sieben Tagen in der Woche seine Runde. Täglich holt er Brötchen ab, dreimal in der Woche Frischwaren. Vertreten lässt er sich dabei nur selten.

Sorgen macht sich Bernd Maaß nur noch darüber, dass er mit den transportierten Obstkisten den schönen weißen Laderaum in dem neuen Fahrzeug zerkratzen könnte. Doch der Boden ist extra rutschfest, wie er erleichtert feststellt. Und wenn es doch einen Kratzer geben sollte? »Egal, Bernd, das ist ein Nutzfahrzeug!«, wird er beruhigt. Unmittelbar hinter dem Potsdamer Rathaus in der Friedrich-Ebert-Straße betreibt die Volkssolidarität ein Soziales Zentrum mit Suppenküche und anderen Hilfs-, Spenden- und Sozialeinrichtungen. Die Frau von Fahrer Maaß  - Renate - betreut die Kleiderkammer – ebenfalls ehrenamtlich. Obdachlose können an diesem Ort duschen, sich im Winter aufwärmen  und in einem Aufenthaltsraum etwas Zeit verbringen. Nicht nur für sie, auch für Flüchtlinge und andere Bedürftige wird hier Essen gekocht. Pro Monat werden gegen einen kleinen Obolus 450 bis 500 Mahlzeiten ausgegeben, informiert  Dirk Brigmann, Geschäftsführer des Verbandsbereichs der Volkssolidarität Mittelmark.

Bereits 1997 hatte die Volkssolidarität in Potsdam eine Suppenküche eröffnet, die mehrfach umziehen musste. Inzwischen befindet sie sich bereits seit vielen Jahren hinter dem Rathaus. Schließlich wurde das alte Gebäude durch einen modernen Containerbau ersetzt. der langjährige Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke) hat bedeutenden Anteil daran, dass der Neubau entstehen konnte. Er lebt inzwischen im Ruhestand, ist aber noch ehrenamtlich Stadtverordneter. Von Anfang an setzte sich Scharfenberg für die Suppenküche ein. Unermüdlich habe er die politisch Verantwortlichen »belöffelt«, wie er sich ausdrückt, und so dafür gesorgt, dass der Neubau realisiert wird. Auch für die Auszahlung der Lottomittel hatte sich Scharfenberg eingesetzt, wofür ihm Geschäftsführer Brigmann ausdrücklich dankte.

»Ich freue mich sehr, dass es nun auch an dieser Stelle gelingt, die Arbeits- und Versorgungsbedingungen deutlich zu verbessern«, sagt Scharfenberg. Noch besser wären natürlich gesellschaftliche Verhältnisse, in denen eine Suppenküche überflüssig ist. Da es aber nun einmal »einen großen Bedarf, eine große Nachfrage« gebe, sei die Arbeit der vier hauptamtlichen und vier ehrenamtlichen Mitarbeiter des Sozialen Zentrums nicht hoch genug einzuschätzen. »Der Bedarf für Menschen, die nicht wohnungslos, aber arm sind, ist gestiegen«, sagt auch Geschäftsführer Brigmann. Während draußen bei Nieselregen das Kühlauto übergeben wird, warten drinnen schon fünf Frauen und vier Männer auf das Mittagessen. Ein alter Mann zählt sein Geld und packt ein paar Cent auf den Tisch. »Du bist ja reich«, frotzelt sein Gegenüber.