Volkssolidarität


Brandenburg

Gang auf schmalem Grat

Sexuelle Aktivität oder Übergriff - ein wichtiger Unterschied

Kinder entdecken die Sexualität bei sich und anderen Kindern. Und das wirft in Schulen und Kindertagesstätten täglich Fragen auf. Wie aber mit ihnen umgehen, war das zentrale Thema der Fortbildungsveranstaltung in Potsdam, die für Ende Mai vom Landesverband der Volkssolidarität für die pädagogischen Fachkräfte aus dem Bereich Hilfen zur Erziehung organisiert wurde. Zu oft werde diese Dinge noch als Tabu behandelt oder abgetan, sagte Fachreferentin Maria van Os.  Kinder sind strafunmündig und daher nicht als Täter anzusprechen. Gleichwohl können Kinder aber Opfer anderer Kinder sein. Geeignet sei das Verschweigen und Übergehen des Themas daher nicht, betonte van Os. Denn Kinder experimentieren gern und auch auf diesem Gebiet. Sie zeigen naturbedingt Interesse für solche Fragen, verhalten sich unbewusst und bewusst dazu. Die Referentin stellte verschiedene Situationen vor, bat die vor ihr sitzenden Erzieherinnen und Erzieher um Bewertung.

Die Grenze von der sexuellen Aktivität zum sexuellen Übergriff ist nach Darstellung der Expertin überschritten, wenn das Altersgefälle zwischen den Beteiligten ein großes ist oder auf andere Weise Macht ausgeübt werde. So sind Kinder durchaus bereit und auch imstande, Willigkeit anderer Kinder zu belohnen d.h. zu erkaufen

Ein Sonderthema ist der Gebrauch von Schimpfworten aus dem Sexualbereich, den Kinder von Erwachsenen übernehmen, zumeist, ohne den Inhalt zu verstehen. Dass es sich dennoch um böse Dinge handelt und mit der Anwendung Böses gegenüber anderen Kindern begangen wird, ist aber gefühlsmäßig klar. Dass Kinder darunter leiden, werde in der Kindersprechstunde deutlich, dort würden sie sich darüber beschweren. Wenn solche Worte in den Mund genommen werden, gehe es darum, sehr effektiv Macht über andere Kinder zu erleben. Die Referentin van Os stufte dies als verbale Übergriffe ein, die auch als solche behandelt werden müssten. Zumal bei exzessivem Gebrauch sexualisierter Schimpfworte auch tätliche Übergriffe näher lägen als sonst.

Das Ignorieren ist keine Lösung

Obwohl es im Einzelfall schwierig für das Erziehungspersonal ist, müsse es die Unterscheidung zwischen Aktivität und Übergriff zur Grundlage der Bewertung machen, warb die Referentin. Denn ein Übersehen, Herunterspielen oder Negieren von sexuellen Übergriffen verhindere einen notwendigen Eingriff zum Schutz eines Kindes, das diese Hilfe nötig hat. Andererseits wäre die so genannte Überreaktion auch falsch, d.h. wenn sexuelle Aktivitäten immer gleich als Übergriffe behandelt würden. Denn das bedeute eine Einschränkung der Kinder in ihrer sexuellen Entwicklung und löse Schuldgefühle aus, die aber nicht gerechtfertigt seien.

Alle Anwesenden verfolgten die Darlegungen sehr interessiert. Im September wird dann eine Veranstaltung zu diesem Thema für das Fachpersonal aus den Kindertagesstätten angeboten.