Volkssolidarität


Brandenburg

Ein grünes und ein rotes Auge

Ministerpräsident in einer Einrichtung betreutes Wohnen der VS

Was macht man mit einem Ministerpräsidenten, wenn er zum Weihnachtsbesuch vorbeischaut? Richtig, man beteiligt ihn an der Produktion von Plätzchen. Lange Verzögerungen gibt es nicht, als Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kurz vor Weihnachten der Kinder- und Jugendwohngruppe der Volkssolidarität in Flieht-Stegelitz (Uckermark) einen Besuch abstattet. Er erweist sich als sachkundig - auch was das Belegen von Gebäck und Keksen angeht. "Was würden Sie auf dieses Plätzchen legen", fragt eins der Kinder. Die Figur könnte ein grünes Auge und ein rotes Auge bekommen, schlägt der Regierungschef vor. Er lässt sich aber auch anregen. "Was wollen wir für die Nase nehmen? Ich bin nämlich hier, um mal Kinder kennenzulernen, die richtig Plätzchen backen können." Die Frage wird mit dem Griff in die Dose Smarties entschieden.

Foto: Dietmar Woidke beim "Stubendurchgang" in einer Gruppe betreutes Wohnen der Volkssolidarität,

Der Neue in der Runde berichtet, dass er aus Potsdam komme. "Was machst du da in Potsdam", fragt ein 8jähriger. "Ich sorge dafür, dass es in den Kitas und den Schulen schön aussieht, dass genügend Lehrer, Feuerwehrleute und Polizisten da sind", erklärt Woidke. Zu dieser Arbeit würden Abstimmungen gehören. Ein Knirps will wissen, was eine Abstimmung ist. "Da  geben die  Erwachsenen bei einer Wahl ihre Stimme ab. Beim letzten Mal haben sie mich gewählt", erklärt Woidke.   Die örtliche Polizei ist bei diesem Besuch vertreten und hat den Kindern Malhefte und Material zur die Verkehrserziehung mitgebracht. Auch der SPD-Politiker Woidke kam sozusagen nicht mit leeren Händen, hinterm Haus wurde eine neue Schaukel aufgebaut, die hat die Landesregierung der Kinder-Wohngruppe zu Weihnachten spendiert. Immerhin im Wert von fast 1400 Euro, wie die Leiterin der Einrichtung, Simone Sander, verrät.

Die Einweihung der Schaukel findet gemeinsam mit dem Besucher aus Potsdam statt, nachdem alle Plätzchen ihren süßen Belag erhalten haben und der Rundgang durch alle Zimmer absolviert ist. "Du bist aber groß", wundert sich ein Kind. "Ich kann nichts dafür", beteuert Woikde. Die Kinder mögen ihn sofort, und für vorbehaltlose Begeisterung sorgt sein Vorschlag, dass ihn alle  in Potsdam besuchen dürften und sie dort auch in den Filmpark gehen könnten. "Machen wir das heute?",  fragt aufgeregt ein Mädchen. Das gehe im alten Jahr, das ja auch nicht mehr allzulang sei, nicht mehr, bedauert der Gast. Aber im nächsten Frühjahr werde es klappen. Ausgetauscht werden Gedanken zu Schulbildung und Berufswahl.

Im Interview mit dem Uckermark-TV dankt Woidke den Erzieherinnen und Erziehern der Volkssolidarität und ihren Kollegen in anderen Einrichtungen des Landes  für die liebevolle und aufopferungsvolle Arbeit, die auch an den Feiertagen nicht ruhen könne. Von Marianne Bischoff, die in Vertretung von Volkssolidaritäts-Verbandsratsvorsitzendem Bernd Niederland an der Veranstaltung teilnimmt, erfahren die Anwesenden, dass sie die Tante des Fraktionschefs der SPD-Landtagsfraktion Mike Bischoff ist. Im Namen der Volkssolidarität schenkt sie der Wohngruppe in Flieth-Stegelitz einen kleinen Weihnachtsbaum.

"Frau Merkel ist für ganz Deutschland zuständig, ich bin für Brandenburg zuständig. Also auch für euch. Das bin ich sehr gerne, denn in Brandenburg wohnen die nettesten Menschen der Welt." So hatte Woidke zuvor den Kindern die Lage beschrieben. Die Einrichtung in der Uckermark-Gemeinde hat sieben Plätze, und mit Sondergenehmigung wohnt nun auch ein achtes Kind dort, berichtet Leiterin Sander. Über Weihnachten würden vier Kinder im Hause bleiben, aber von ihren Verwandten besucht werden. Einzugsgebiet für die kleine Wohngruppe ist die uckermärkische Umgebung bis in 30 oder 50 Kilometern Entfernung. Leider trifft Bewertung "nett" nicht uneingeschränkt auf alle dort lebenden Menschen zu, so dass Kinderaufgenommen werden, wenn die familiäre Situation keinen anderen Ausweg zulässt.  Für sie soll die Wohngruppe kein kurzfristiger Aufenthaltsort sein, vielmehr leben die betreuten Kinder und Jugendliche längerfristig miteinander. Das ermöglicht ihnen, untereinander Bindungen einzugehen und voneinander zu lernen.

Dieses Modell entspricht eher den familiären Erfahrungen des Einzelnen mit (möglichen) Geschwisterkindern und ist nach Auffassung der Betreiber somit lebensweltorientiert. Als grundlegende Zielstellung wird neben anderem die emotionale und soziale Stabilisierung des Kindes oder Jugendlichen angegeben. Am Ende soll möglichst die Rückführung in die Herkunftsfamilie stehen. In der betreuten Wohngruppe leben Kinder ab vier Jahren, welche für ihre Entwicklung die Begleitung und Förderung durch Fachkräfte benötigen. In der Nacht des Jahreswechsels hat die Erzieherin Christine Bender Dienst im Hause. "Und was gibt es abends, wenn ihr artig seid?" "Ein Feuerwerk!"

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