Volkssolidarität


Brandenburg

74 Jahre Volkssolidarität: Ehre und Verpflichtung

Appell für Mitmenschlichkeit und gegen Rechtsradikalismus

Mit einem Appell für Frieden, Mitmenschlichkeit und Menschenwürde beging die Volkssolidarität, Landesverband Brandenburg e. V., den 74. Jahrestag ihrer Gründung. Die Solidarität mit den sozial Benachteiligten in der Gesellschaft sei ein Kerngedanke des traditionsreichen Sozialverbandes, sagte Verbandsratsvorsitzender Bernd Niederland am Donnerstag bei der Feierstunde in der Potsdamer Biosphäre. Noch nie seien so viele Menschen im an sich reichen Deutschland auf Sozialhilfe angewiesen gewesen bzw. auf die Angebote von Tafeln und Suppenküchen. Der Anteil der Menschen, deren Hoffnungen bezogen auf die deutsche Einheit sich erfüllt hätten, sei innerhalb der vergangenen 20 Jahre von 67 Prozent auf 52 Prozent gesunken, zitierte Niederland jüngste Studien. Obwohl eine deutliche Mehrheit auch der Ostdeutschen in materiell guten oder sogar besseren Verhältnissen leben, werde dies von einer "großen Unzufriedenheit" überlagert.

Zwar stand "geschlossene Veranstaltung" am Eingang des Festsaals doch, wurde im Verlauf der Feierstunde deutlich, dass die Volkssolidarität alles andere als ein geschlossener Vorgang ist. Verbandsratsvorsitzender Niederland trat für die Einführung  einer solidarischen Krankenversicherung, Rentenversicherung und Pflegeversicherung ein und unterstütze den Gedanken einer Grundrente. Er würdigte, dass seit Oktober die Beschäftigten in den Verbandsbereichen der brandenburgischen Volkssolidarität nach Tarif entlohnt werden, was ein "Kraftakt" gewesen sei. Der Verbandsratsvorsitzende dankte den rund 3.600 ehrenamtlich engagierten Mitgliedern der Volkssolidarität im Bundesland  und den ca. 2000 angestellten Mitarbeitern dieses Sozialverbandes. Er betonte die Offenheit des Verbandes für Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten geflüchtet sind und zog den Trennstrich zwischen der Volkssolidarität und allen Spielarten von  Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus. Auch das Erlebnis gravierender sozialer Ungerechtigkeit dürfe nicht zu einer politischen Stärkungen solcher Strömungen führen. Die Geschichte lehre, dass kein soziales Problem auf diese Weise gelöst werde, vielmehr sei dies der Triumph eines zutiefst unsolidarischen und menschenfeindlichen Verhaltens. Niederland. "Rechtsradikale dürfen sich bei uns nicht wohl fühlen."

In ihrem Dank für die Vielzahl der an diesem Tag geehrten und ausgezeichneten Mitglieder der märkischen Volkssolidarität sagte Gudrun Kluge (Verbandsbereich Potsdam-Mittelmark), ohne die Hilfe der vielen Mitarbeitern in den lokalen und regionalen Geschäftsstellen der Volkssolidarität hätten es die Ehrenamtlichen viel schwerer. Sie zitierte sowohl die DDR-Nationalhymne "Auferstanden aus Ruinen" als auch die deutsche Nationalhymne "Einigkeit und Recht und Freiheit" als wichtige Impulse und Ansprüche für den Sozialverband. Die heute um sich greifende soziale Not erweitere das Aufgabenfeld für die Volkssolidarität. "Wir brauchen Einsatzbereitschaft, aber auch eine Menge Humor." Der Präsident des Bundesverbandes der Volkssolidarität Wolfram Friedersdorf forderte die Mitglieder auf, angesichts der erlebten politischen  Rechtsentwicklung "gegenzuhalten". Die Volkssolidarität verfüge über eine Kraft, einen Vertrauensvorschuss  und auch ein Prestige, welche andere Wohlfahrtsorganisationen im Osten nicht besitzen würden. Das müsse sie in die Waagschale werfen.

Der Vorsitzende des brandenburgischen Landes-Seniorenrates Wolfgang Puschmann lobte die Volkssolidarität als Verband bedeutender Tradition, der sich generationsübergreifend einsetze. Ihm sei wichtig, dass die sozialen Probleme aller Generationen in den Blick genommen werden und es nicht dazu kommen dürfe, dass Alt gegen Jung ausgespielt würden.

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