Volkssolidarität


Mecklenburg-Vorpommern

Seit drei Wochen unter erschwerten Bedingungen

Pflegeheim "Haus Lindeneck" Güstrow

Drei Wochen bereits unter erschwerten Bedingungen den Alltag in einem Pflegeheim aufrechterhalten ist für die Bewohner und Mitarbeiter eine starke Herausforderung.

Täglich hört man Neues aus der Presse; das private Leben aller auf den Kopf gestellt. Vereinbarkeit in der Pflege mit Familie und Beruf schon immer schwer in unserer Branche, aber nun noch deutlich spürbarer. Kitas zu, Schulen zu, Oma und Opa können die Betreuung der Kinder nicht sicherstellen. Dank guter Teams in unserer Einrichtung, sind individuelle Absprachen unter den Kollegen in der jetzigen Zeit enorm wichtig geworden. Und ja - es funktioniert. Die Dienste sind abgesichert und die Versorgung der Bewohner sichergestellt.

Viele Arbeitsschritte und Abläufe wurden den Anforderungen so gut es geht den Vorgaben angepasst. Gruppenveranstaltungen wurden abgesagt. Aktuell finden die Betreuungsangebote in Einzelbetreuung statt. Es werden Spaziergänge auf dem Innenhof durchgeführt, dabei das ein oder andere Blümchen im Hochbeet gepflanzt. Ein paar bunte Eier schmücken die Sträucher. Es wird alles dafür getan, das „normale“ Leben weiter zu führen, nur nicht in der Gruppe.

Ein Höhepunkt in der Woche ist der Konsum, welcher jeden Mittwoch geöffnet hat und ein gern genutzter Treffpunkt für alle Bewohner war. Dieser ist nun geschlossen, aber nichts desto trotz wird die Versorgung mit Süßigkeiten und ähnlichem sichergestellt.

Die Abstandsregel in der Pflege einzuhalten ist schier unmöglich. Nicht nur bei der täglichen Versorgung der Bewohner, auch im Tagesablauf ist es durch das besondere Bewohnerklientel, der Demenzerkrankung, nicht möglich Kontakte unter anderen Bewohnern gering zu halten. Die uns anvertrauten Bewohner, haben z.B. eine Hinlauftendenz, zeigen Unruhe durch rastloses Umherlaufen und verstehen auch nicht warum es wichtig ist Abstand zu halten.

Das aktuell größte Problem was sich seit Wochen auch durch die Medien zieht, ist die Versorgung mit Schutzausrüstung. Kein Händler für Pflegebedarf kann zeitnah liefern. Desinfektion und Handschuhe sind aktuell noch vorrätig. Ein Hilfspaket mit 500 Gesichtsmasken wurde über den Landkreis zur Verfügung gestellt, wir hoffen täglich auf neue Lieferung, denn bei einer stationären Einrichtung mit 105 Bewohnern und ca. 90 Mitarbeitern ist diese Lieferung ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Die Pflicht während der Arbeit einen Mundschutz zu tragen, ist nicht nur für die Mitarbeiter anstrengend. Es juckt, kratzt, man schwitzt und die Atmung ist erschwert. Zudem hindert es, dass unsere Bewohner uns verstehen. Unter anderem ist es wichtig bei der Kommunikation mit Demenzerkrankten langsam und deutlich zu sprechen und die Möglichkeit das  Worte vom Mund abgelesen werden können zu geben. Auch ein Lächeln, was für viele Bewohner Sicherheit bedeutet ist nun unmöglich.

Dennoch sind wir Dankbar. Dankbar das jeder einzelne Mitarbeiter seiner Pflicht nachkommt und gemeinsam diese nervenaufreizende Zeit mit uns meistert. Dankbar sind wir den Angehörigen, die sich alle an das Besuchsverbot halten, sich telefonisch nach  ihren Lieben erkundigen und der ein oder andere sich per Brief oder Päckchen meldet. Dankbar sind wir allen Lieferanten und Dienstleistern, die sich trotz der aktuellen Gegebenheiten freundlich und zuvorkommend zeigen.

Weitere Informationen: https://www.volkssolidaritaet.de/mitglieder-ehrenamt/detailseite/aktuelle-informationen-zum-coronavirus/