Volkssolidarität


Thüringen

Politiker und Poet Hans-Jürgen Döring im Klub „Galletti“ zu Gast

Hans-Jürgen Döring, Landtagsabgeordneter, neu gewählter Vorsitzender des Thüringer Schriftstellerclubs sowie Poet, war am 3. Juli zu Gast im Klub "Galetti" in Gotha.

 

Oops, an error occurred! Code: 2019061909294667d313b1Am Abend des 3. Juli eröffnete Frau Dr. Heide Wildauer eine nicht alltägliche Schriftstellerlesung im Klub "Galletti" mit den Worten: "Wir freuen uns heute mit Herrn Döring einen Thüringer Landtagsabgeordneten zu Gast zu haben, der in der Politik kollektiv für den Erhalt der Thüringer Kultur- und Literaturlandschaft kämpft, und diese sogar durch seine Lyrik noch bereichert. Erstmalig trägt in seiner Person der neugewählte Vorsitzende des Thüringer Schriftstellerverbandes, Hans-Jürgen Döring, Gedichte aus seinem zweiten Lyrikband "Ins Meer gerufen", erschienen im quartus-Verlag, vor." 

2007 erschien sein erster Gedichtband "Theatrum Mundi", in dem der schreibende SPD-Landtagsabgeordnete sich in 33 Gedichten sein eigenes kleines Welttheater erschuf. "Döring ist Melancholiker, stiller Einkehrer, gelegentlich verschmitzter Zeilen-Brecher", urteilte Matthias Biskupek über Dörings Debütband.

Die neuen Gedichte sind ebenso ernst und heiter zugleich, hintersinnig skurile Antworten auf eine zunehmend absurde Wirklichkeit. Döring gelingt es überzeugend mit eigener kritischer Sicht auf seine Lebenserfahrung aus sechs Jahrzehnten subtil und eindringlich den Spagat zwischen Utopie und Wirklichkeit, Dichtung und Wahrheit, zwischen Katholizismus und Sozialdemokratie herzustellen. Ein Weltverbesserer, der sich mit seinem Mut auch den Zweifel bewahrte und vor allem die Fähigkeit nicht verlor, sich selber in Frage zu stellen. Mit seinen 63 Jahren ist der dichtende Parlamentarier zwar noch kein bisschen Weise, aber angenehm leise. Deshalb wird er erhört.

Aber Poesie darf nicht vordergründig politisch sein, so sein Credo, nur dann könne sie politisch wirken. Mahnend erinnert Döring an die Tragödie von Tschernobyl: "Und es trompetet der dritte Engel / und ein großer Stern fällt / leuchtend in den Fluss / Wermut sein Name." 

Döring hat die SPD im katholischen Eichsfeld mitgegründet und das Thüringer Literatur-Quintett mit aus der Taufe gehoben, war befreundet mit dem Dichter und Jenaer Oppositionellen Jürgen Fuchs, der "DDR-Rock-Röhre" Tamara Danz und dem Gothaer Romancier Hans Cibulka. An ihn erinnert Döring sich warmherzig gern als einen Schriftsteller, der sich rührend um den Nachwuchs bemühte. Einer seiner Aspiranten, der Gothaer Lyriker Siegfried Nucke, saß im "Galletti-Klub" mit im Publikum und hörte wie auch der ehemalige Schulamtsleiter Gerfried Fulbrügge aufmerksam zu.

Hans-Jürgen Döring hat in den letzten Jahren sein Repertoire lyrischen Sprechens erweitert. Auffällig sein spielerischer Umgang mit dem Reim. Da kommt Humor mit ins Spiel, nicht ohne eine Prise Selbstironie. Er trägt seine Liebesgedichte mit kräftiger Sinnlichkeit  gemeinsam mit Heide Wildauer vor, erstaunlich authentisch sind da beide! Und er bedenkt nicht ohne Wehmut die Endlichkeit des Lebens in seinem Gedicht "Fingerzeig des Himmels":

"Noch fein austariert / die Grenze zwischen Lebenden und Toten / In der morgenlosen Welt Luftwurzeln wie aus Zellophan / Das Knistern des Eises für Spurensucher unhörbar - fast".

Der heutige medien- und kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag ist seit 1990 Landtagsabgeordneter, erzählt auch aus seinem Leben, von verlorenen Zetteln im DDR-Konsum, von Stasi-Akten und von der Zeit, als Dichtung und Wahrheit noch ein anderes Gewicht hatten, aus der Zeit der doppelten Sprache, der "Zeilen zwischen den Zeilen", von Poesie, die in seinem zweiten Lyrikband "Ins Meer gerufen" im Klub "Galletti" aufmerksame und dankbare Zuhörer fand.

Ein gelungener Lyrikabend, meint Helmut Rieth. Die nächsten sollten bald folgen!