Volkssolidarität


Thüringen

Frühjahrstagung der Ortschronisten zum 100. Todestag der Bertha von Suttner

Gotha. Die Waffen niederzulegen ist eine Forderung, die auf der Welt in diesen Tagen wieder sehr aktuell ist. Darauf verwies der Erste Beigeordnete Helmut Marx (SPD) in seiner Begrüßung zum Frühjahrstreffen der Orts-Chronisten, Heimatpfleger und Heimatforscher. Die Veranstaltungsreihe steht unter der Schirmherrschaft des Landratsamtes und wird nach der Auflösung der Urania nunmehr von der Volkssolidarität Gotha organisiert. Dr. Wolfgang Kümpfel aus Aspach kümmerte sich um die inhaltlichen Eckpunkte des diesjährigen Treffens, die den 100. Todestag der österreichischen Pazifistin, Friedensforscherin und Schriftstellerin Bertha von Suttner (1834-1914) zum Thema hatten.

 

Oops, an error occurred! Code: 201909210506154816edabMehr als 30 Interessierte waren der Einladung am Samstag in den Klub Galletti gefolgt, darunter Schüler und Lehrer der Regelschule "Bertha von Suttner" aus Mechterstädt unter Leitung von Schulleiter Frank Teichmann. Stadtgeschichtsforscher Matthias Wenzel begab sich mit zahlreichen Bildern auf die Spuren der B. von Suttner im Stadtgebiet von Gotha. Kümpfel kommentierte Münzen und Medaillen aus Österreich und Deutschland sowie die philatelistischen Belege, die von Klaus Melchior (BSV 1890 Gotha) ausgestellt wurden. Am Nachmittag stand eine Besichtigung des Kolumbariums mit der Suttner-Urne auf dem Hauptfriedhof auf dem Programm.

Der Ruf, "Die Waffen nieder!", bleibt. Das betonte auch der Hauptreferent Sprachwissenschaftler Prof. Jochen Schröder aus Gotha. Er verstand es ausgezeichnet, die Lebensdaten der Schriftstellerin mit ihrem pazifistischen und freidenkerischen Engagement im Wechselspiel der gesellschaftlichen Bedingungen darzustellen. B. von Suttner schrieb den gleichnamigen weltbekannten Roman unter dem Eindruck zahlreicher europäischer Kriege Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr "Appell an das 20. Jahrhundert" (1897) war angesichts der "Orgie des Dämons Gewalt" - bezogen auf die Februarrevolution 1905 in Russland und auf den Russisch-Japanischen Krieg 1906 - ein Trugschluss: "Das zwanzigste Jahrhundert wird nicht zu Ende gehen, ohne dass die menschliche Gesellschaft die größte Geißel - den Krieg als legale Institution - abgeschüttelt haben wird." Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte B. von Suttner nicht mehr; sie starb am 21. Juni 1914 in Wien. "Der nächste Krieg wird von seiner Furchtbarkeit wie noch keiner seiner Vorgänger." Günter Bauerfeind aus dem Publikum meldete sich und zitierte die Widmung aus "Die Waffen nieder!", die er von seinem Großvater zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte: "Diese beiden Bücher habe ich im Kriegsjahr 1915 ... immer bei mir im Tornister herumgetragen. Viele Kameraden haben es gelesen und auch Offiziere."

Baronin Bertha Sophia Felicita Suttner, geb. Kinsky von Wchnitz und Tettau (9. Juni 1843 in Prag), entstammte der böhmischen Adelsgesellschaft, lernte mehrere Sprachen (ungewöhnlich für eine Frau in jener Zeit) und löste sich nach dem frühen Tod ihres Vaters sowie der verschwenderischen Lebensweise ihrer Mutter von ihrer Familie. 1875 Begegnung mit Alfred Nobel in Paris, heimliche Heirat mit Arthur Gundaccar von Suttner in Wien. 1876 neun Jahre Aufenthalt und schriftstellerische Arbeit im Kaukasus. 1886 pazifistisches Engagement in Wien und Paris. 1888/89 Antikriegsroman "Die Waffen nieder!" 1891/92 Gründung der "Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde" und der "Deutschen Friedensgesellschaft" (1896 Ortsgruppe Gotha), Vizepräsidentin des Internationalen Friedensbüros. 1892 Monatsschrift "Die Waffen nieder! zur Förderung der Friedensidee". 1902 Tod Arthur von Suttners. 1905 Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis als erste Frau. 1906 zwölfbändige Gesamtausgabe der Schriften. 1913 Verfilmung von "Die Waffen nieder!".

"Bertha von Suttner glaubte nicht an eine friedenstiftende Rolle der Kirche, vielmehr daran, dass die Kirchen die Waffen stets gesegnet haben" resümierte Schröder mit Blick auf die Verbindung nach Gotha. Die handschriftliche und letztwillige Verfügung über ihre Bestattung lautet: "Ich bin Mitglied der 'Flamme', und meine Erklärung, dass ich eingeäschert zu werden wünsche, ist dort deponiert. Ich verlange, nach Gotha überführt zu werden. Urne in der dortigen Urnenhalle [Krematorium von 1879 und Kolumbarium von 1892, d.A.]. ... Ich sterbe, wie ich gelebt, als überzeugte Freidenkerin. Habe nie Glauben geheuchelt und will auch keine Heuchelei nach dem Tode. ..."

Am 27. und 28. Juni gedenkt die Stadt Gotha mit verschiedenen Veranstaltungen der großen Österreicherin. In Gadollas Geburtsstadt Graz/Steiermark findet am 20. und 21. Juni ein Kongress anlässlich des 100. Todestages statt. Außerdem ist geplant, eine Statue auf dem Gelände der dortigen Bertha von Suttner-Schule aufzustellen.