Volkssolidarität


Sachsen

101-jährige Bewohnerin mit Ständchen überrascht

Sangesfreunde musizierten im Innenhof des Wohnparks "Lößnitzblick"

Ständchen mit Sicherheitsabstand: Im Radebeuler VS-Seniorenwohnpark "Lößnitzblick" musiziert die wohnparkeigene Singegruppe "Lößnitzblick" für die älteste Bewohnerin.Die Singegruppe "Lößnitzblick" hat ihrem ältesten Mitglied Margareta Schild zum 101. Geburtstag eine ganz besondere Überraschung beschert: Am 25. April versammelte sie sich im Innenhof des Radebeuler VS-Seniorenwohnparks "Lößnitzblick" und überbrachte ihr ein Ständchen aus ihren Lieblingsliedern. Die ersten drei genoss die Jubilarin auf ihrem Balkon im ersten Obergeschoss. Dann kam sie zu ihren Chorfreunden hinunter und lauschte in deren Kreise den restlichen drei Titeln.

 

Dabei waren die Stühle der Sängerinnen und Sänger in einem Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern aufgestellt. Zudem trugen alle vor und nach dem Singen Nasenmundschutz.

 

Die Jubilarin Margareta Schild im Fernsehinterview mit dem MDR Sachsenspiegel.Neben dem Konzert erwartete die 101-Jährige noch eine weitere Überraschung: Chorleiterin Monika Wehmann hatte den MDR Sachsenspiegel informiert, der auch tatsächlich zum Drehen kam. Dem Kamerateam gab Margareta Schild sodann das erste Fernsehinterview in ihrem Leben.

 

Die Leiterin des Wohnparks "Lößnitzblick", Katrin Hanitsch, überreichte der Jubilarin einen riesigen Blumenstrauß aus elf langstieligen Blühern: Zehn für jedes Jahrzehnt und eine elfte für das 101. Lebensjahr. "So ein Jubiläum haben wir noch nie gehabt", hob sie hervor, "bei so einer Gesundheit".

 

Margareta Schild zeigte sich gerührt über all die lieben Gesten. "Früher waren immer die anderen die Alten", erzählte sie. Sie sei immer die Jüngste gewesen. "Das scheint sich inzwischen aufgelöst zu haben", stellte sie fest. "Im Laufe des Lebens verändert sich manche Sicht."

 

Wohnparkleiterin Katrin Hanitsch (links) überreichte der Jubilarin Margareta Schild einen riesigen Blumenstrauß.Die frühere Sekretärin nimmt keine Medikamente und geht noch immer täglich flotten Schrittes spazieren. Immer in Sandalen und mit ihrem Rollator. Auf die Frage, wie man so ein stolzes Alter erreicht, antwortet sie schlagfertig: "Indem man erst einmal eine Menge auf die Nase kriegt." Viele Schutzengel habe sie gehabt, die sie aus mehreren scheinbar ausweglosen Situationen retteten. Bis heute arbeitet sie an ihrer inneren Einstellung und lässt nicht zu, dass düstere Gedanken in ihrem Kopf "Nester bauen". Bevor es dazu kommen kann, holt sie ihre albernen Witze aus dem Gedächtnis hervor, über die sie sich köstlich amüsieren kann.

 

Margareta Schild liebt die Musik. Viele Jahrzehnte spielte sie Klavier. Seit der Gründung der wohnparkeigenen Singegruppe "Lößnitzblick" im Jahr 2012 ist sie als Sängerin mit von der Partie. "Frau Schild ist sehr eifrig und hat in all den Jahren kaum gefehlt", erzählt Chorleiterin Monika Wehmann.

 

Die 101-jährige Jubilarin lauscht ihren Lieblingsliedern und Chorfreunden auf einem Ehrenplätzchen im Innenhof des Seniorenwohnparks "Lößnitzblick"."Solange mich meine Beine zu den Proben tragen, komme ich", verspricht die Jubilarin. Wobei sie auch sehr selbstkritisch mit sich ins Gericht geht. Gelegentlich fragt sie bei der Chorleiterin nach, ob ihre Stimme noch gut klinge und sie richtig singe. Sonst wolle sie aufhören. Monika Wehmann will davon nichts hören: "Sie singen, solange Sie Freude daran haben!"

 

Margareta Schild wurde in Hamburg geboren und wohnt seit 100 Jahren in Radebeul. Vier Gesellschaftssysteme hat sie erlebt, einen heißen und einen kalten Krieg überstanden, Wirtschaftskrisen und Währungsunionen mitgemacht. Auch im Alter bewahrte sie sich ihr Interesse an gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen. Erst neulich überraschte die 101-Jährige eine enge – deutlich jüngere – Freundin, als sie dieser bei einem Besuch verriet: "Was mich wirklich beunruhigt ist dieses Darknet und Internet."