Volkssolidarität


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Dr. Wolfram Friedersdorff, Präsident der Volkssolidarität (Foto: Mario Zeidler)

Volkssolidarität: Sozial und sozialkritisch

Jahresempfang der Volkssolidarität 2018: Die gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam bewältigen

Zum diesjährigen Jahresempfang der Volkssolidarität am 24. Januar hatte der Bundesverband in Kooperation mit dem Landesverband Berlin Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur ins Berliner Rote Rathaus eingeladen. 

André Lossin, Landesgeschäftsführer der Volkssolidarität Berlin, begrüßte die rund 200 Gäste und freute sich insbesondere, dass Berlins Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Dilek Kolat, die mit der Arbeit und den sozialen Angeboten des Landesverbandes bestens vertraut ist, die Einladung angenommen hat.

Volkssolidarität – ein sozialer und sozialkritischer Verband

In ihrer Rede nahm Kolat Bezug auf das Engagement der Volkssolidarität im Kampf gegen Armut und berichtete von ihrem täglichen Erleben als Gesundheitssenatorin, dass es in einer Stadt wie Berlin trotz Wohlstandswachstums immer noch Menschen gäbe, denen aufgrund von Armut der Zugang zu Leistungen des Gesundheitswesens verwehrt sei, die ausgegrenzt und von der sozialen Teilhabe abgeschnitten seien. Dies träfe, so Kolat weiter, nicht nur auf Berlin zu, sondern auf ganz Deutschland. Ähnlich hatte sich tags zuvor der Präsident der Volkssolidarität Dr. Wolfram Friedersdorff geäußert. Weiterhin wies Dilek Kolat mit Bezug auf die vielen sozialen Dienstleistungsangebote der Volkssolidarität im Bereich Begleitung und Pflege älterer Menschen auf die Tatsache hin, dass Pflegekräfte in Deutschland aufgrund niedriger Löhne nach über 45jähriger schwerer Arbeit von Altersarmut bedroht seien, und plädierte für die gerechtere Entlohnung der Altenpflegekräfte auf der Grundlage des dritten Pflegestärkungsgesetzes. Sie forderte die Anwesenden zum gemeinsamen solidarischen Handeln dagegen auf, dass trotz vorhandenem Reichtums Menschen arm seien. 

Dem schloss sich die Landesvorsitzende der Volkssolidarität Berlin Dr. Heidi Knake-Werner in ihrer Rede an. Sie kritisierte, dass in den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU und SPD das Thema Verteilungsgerechtigkeit so gut wie nicht vorgekommen sei und ermutigte die Mitglieder ihres Verbandes, die kommenden Koalitionsverhandlungen kritisch zu begleiten und aktiv soziale Lösungen einzufordern: „Die Volkssolidarität muss nicht nur ein sozialer, sondern immer auch ein sozialkritischer Verband sein.“

Für Aufhebung der sozialen Spaltung zwischen Arm und Reich und Ost und West

Verbandspräsident Dr. Wolfram Friedersdorff nannte als Beleg dafür, dass Reichtum in Deutschland ungerecht verteilt sei, die immer noch ungleichen Lebensverhältnisse zwischen West- und Ostdeutschland. Die hohen Wahlergebnisse der AfD insbesondere in den östlichen Bundesländern seien ein Zeichen für diese Ungleichverteilung, aus der Enttäuschungen gewachsen seien, Brüche in Lebensläufen und das Erlebnis von Diskriminierung und Benachteiligung. „Meines Erachtens“, so Friedersdorff, „gibt es dagegen nur einen sinnvollen Weg, nämlich die konsequente Stärkung des Sozialstaates gegen eine neoliberale Modernisierungs- und Expansionspolitik.“ Daher werde sich der Verband weiter für die Aufhebung der sozialen Spaltung einsetzen und sich im Kampf gegen Armut, insbesondere gegen Altersarmut, engagieren. Das im vergangenen Jahr begonnene aktive sozialpolitische Engagement gegen die Armut von Jugendlichen und Kindern werde fortgeführt und verstärkt. Aus diesem Grund sei die Volkssolidarität am 12. Januar dem Bündnis Kindergrundsicherung beigetreten und setze sich damit sichtbar für gleichberechtigte, vom Einkommen der Eltern unabhängige Verwirklichungschancen für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland ein. Mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen und die Tatsache, dass die Volkssolidarität vor allem in den östlichen Bundesländern aktiv ist, werde sich der Verband 2018 zudem auch wieder verstärkt auf Fragen der ostdeutschen Interessenvertretung konzentrieren.

Soziale Architektur

Gastredner Eckardt Feddersen erläuterte den Gästen, wie soziales Engagement als architektonische Gestaltung von Häusern funktioniert. Der Berliner Architekt entwickelt Gebäudekonzepte, in denen sich ältere, pflegebedürftige Menschen wohl fühlen können: „Wir müssen die Pflege so angenehm machen, dass es fast wie wohnen ist“, so Feddersen in seinem Redebeitrag. Mit seinem „Plädoyer für die Schönheit“ wirbt er für ein Umdenken im sozialen Wohnungsbau. Der Bau von günstigen zugleich aber schönen und barrierefreien Wohnungen habe oberste Priorität, um dem Wunsch nach Teilhabe und Leben in der eigenen Häuslichkeit auch im Alter gerecht zu werden. Pflegeheime mit 80 und mehr Plätzen ohne soziale Infrastruktur sollten der Vergangenheit angehören. Feddersen setzt in seinen Planungen auf Vielfalt. Neben dem Bau von barrierefreien Wohnungen für Singles, seien Häuser mit generationsübergreifenden Wohnangeboten zukunftsweisend. Wir sollten uns davon befreien, dass der Bau schöner barrierefreier Wohnungen und Mehrgenerationenhäuser nichts kosten dürfe, so Feddersen. Der Volkssolidarität Landesverband Berlin hat aktuell eine Ausstellung zu Eckardt Feddersens preisgekrönten Projekt einer Sozialarchitektur organisiert. Die Ausstellung ist unter dem Titel "Architektur für Soziales" noch bis zum 9. Februar im Lichtenberger Rathaus zu sehen.

Im Anschluss gab es Gelegenheit zum Austausch. Zu jazzigen Klängen diskutierten die Gäste über Projekte und Ideen und zeigten, dass es gar nicht so schwer ist, das Motto der Volkssolidarität „Miteinander – Füreinander“ zu leben.