Volkssolidarität


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Gesundheitsmanagement in der Volkssolidarität

‚gesund führen – im Gleichgewicht bleiben‘– Fachtag für Führungskräfte der sozialen Dienste und Einrichtungen der Volkssolidarität (Dokumentation)

Der Erfolg des Betrieblichen Gesundheitsmanagements hängt entscheidend davon ab, wie sich Führungskräfte für das Thema Gesundheit am Arbeitsplatz einsetzen. Die Fachtagung der Volkssolidarität am 25. April in Berlin hat unter dem Titel ‚gesund führen – im Gleichgewicht bleiben’ die Frage in den Fokus gerückt, wie die Führungskraft durch die Art und Weise der eigenen Selbstfürsorge die Gesunderhaltung der Mitarbeiter/-innen beeinflusst: Lässt sich durch ein positives Vorbild der Krankenstand des Personals, der das Problem des Fachkräftemangels in den sozialen Diensten und Einrichtungen deutlich verschärft, senken? 

Die Fachtagung wurde organisiert vom Bundesverband der Volkssolidarität. Bundesgeschäftsführerin Annette Helbig und die Leiterin des Kompetenzzentrums Pflege der Volkssolidarität Annegret Seehaus begleiteten die rund 90 Teilnehmer/-innen, unter ihnen viele Führungskräfte der sozialen Einrichtungen und Unternehmen der Volkssolidarität, durch die Veranstaltung.

A apple a day keeps the doctor away?

Olaf Wenzel, Vizepräsident der Volkssolidarität, während seines Grußwortes auf dem Fachtag Pflege der VolkssolidaritätOlaf Wenzel, Vizepräsident der Volkssolidarität, stellte in seinem Eröffnungsbeitrag fest, es gäbe unzählige Empfehlungen für eine gesunde Lebensweise und mithin genauso viele Fragen, wie mit diesen Empfehlungen umzugehen sei.

„Sie kennen alle das Sprichwort ‚A apple a day keeps the doctor away‘. Bedeutet das, dass es ausreicht, der Erzieherin in der Kita oder der Pflegefachkraft in der stationären Wohneinrichtung jeden Morgen einen Apfel zu geben oder sollte nicht doch etwas mehr getan werden? Reicht es aus, einen modernen Bürostuhl zur Verfügung zu stellen und Rückenschulungen anzubieten? Oder autogenes Training, Yoga und Qigong? Wie sieht es mit Spaß aus? Lachen hält bekanntlich gesund. Sollten wir Führungskräfte nicht vor allem dafür sorgen, dass die Arbeit Spaß macht? Und was heißt das konkret? Heißt das, wenn ich täglich einen Witz erzähle, sinkt der Krankenstand beim Personal? „Ich denke“, und damit verwies Wenzel die zahlreich versammelten Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Inhalte der Fachtagung, „es ist doch etwas mehr nötig. Wir müssen vor allem dafür sorgen, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsplatz wohlfühlen. Wir müssen ihnen Anerkennung geben und Wertschätzung und für einen guten Umgang im Team sorgen. Wir müssen dafür sorgen, dass gerne zur Arbeit gehen. Dafür sind wir Führungskräfte verantwortlich und eben auch Vorbild. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für den heutigen Fachtag zum Thema gesund Führen viel Spaß.“

Betriebliches Gesundheitsmanagement im Fokus des Handelns von Führungskräften

Als erster Referent sprach Dr. Norbert Hebestreit vom Universitätsklinikum Jena über gesundes Arbeiten und die Grundlagen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Als ursprünglich staatlich examinierter Krankenpfleger forscht der promovierte Pflege- und Gesundheitswissenschaftler heute zu den Rahmenbedingungen und Chancen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. „Wir alle spüren die gravierenden Folgen des Fachkräftemangels im Pflegebereich. Daran werden wir kurzfristig nicht wirklich was ändern können. Wir können aber trotzdem etwas tun“, so Hebestreit: „Wir können dafür sorgen, dass die Fachkräfte, die da sind, fit bleiben.“ Das Thema Gesundheitsförderung, eigentlich selbstverständlicher Teil der Fürsorge durch den Arbeitgeber, gewinne angesichts des Fachkräftemangels besondere Brisanz und stehe mehr und mehr im Fokus des Handelns von Führungskräften. Gesund führen, so Hebestreit, sei für ihn „eine innere Haltung, die damit beginnt, nicht nur die Arbeitskraft zu sehen, sondern den ganzen Menschen.“ Ziel der individuellen Gesundheitsförderung sei es, ein Maßnahmenpaket zu entwickeln, in dem die Schaffung von gesundheitsgerechten Arbeitsbedingungen und gesundheitsförderliches Verhalten in einander greifen. Die Präsentation von Dr. Norbert Hebestreit zum Thema "Betriebliches Gesundheitsmanagement" finden Sie hier (PDF). 

Rückschläge als Chance betrachten

Für Dr. Sascha Tyll bedeutet gesund Führen vor allem eines: Vorbild sein. Der Magdeburger Psychologe hielt beim Fachtag einen Vortrag zum Thema Burnout-Prävention bei Mitarbeitenden in den sozialen Diensten. „Gesund führen“, so Tyll, „heißt resilient führen. Also unter anderem davon überzeugt zu sein, Rückschläge als Chance zu betrachten, um zukünftige Fehler zu vermeiden. Als Führungskraft hat man einen direkten Einfluss auf die psychische Widerstandkraft seiner Mitarbeiter/-innen und kann diese nur positiv beeinflussen, wenn man selber als resilientes Vorbild agiert.“

Betrachte man die verschiedenen Möglichkeiten der Stärkung der psychischen Widerstandskraft von Mitarbeitenden, lande man, so Tyll weiter, fast unweigerlich beim Thema psychische Erkrankungen aufgrund von Überlastungssituationen am Arbeitsplatz oder eben dem sogenannten Burn-Out. Seit 2004 steige die Zahl der Fehltage von Arbeitnehmern aufgrund psychischer Erkrankungen kontinuierlich. In seinem Vortrag erläuterte Tyll Präventions- und Interventionsmöglichkeiten. Weitere Informationen zum Thema "Burn-Out - Mythos oder Wahrheit" von Dr. Sascha Tyll finden Sie hier (PDF)

Gesund führen: Wandel in der Unternehmenskultur

Diana Wahl, Sportwissenschaftlerin und Unternehmensberaterin für Betriebliches Gesundheitsmanagements (motio) informierte zum Thema „Im Gleichgewicht bleiben im beruflichen Kontext Gesund führen – sich und andere“. Gesundheit sei, so Wahl, ein ständiger Prozess, in dem häufig die psychische und soziale Gesundheit des Menschen unterschätzt werde. Die Sportwissenschaftlerin erläuterte die Auswirkungen von ‚krankmachender‘ Führung und appellierte auch mit Blick auf den Fachkräftemangel in der Sozialwirtschaft für einen grundlegenden Wandel in der Unternehmenskultur. Ein transparenter Führungsstil, Zeit für individuelle Gespräche, Wertschätzung und Anerkennung sollten im Handeln von Führungskräften eine Selbstverständlichkeit sein. Die Präsentation zum Thema "Gesund führen - sich und andere" können Sie hier herunterladen (PDF)

Die Volkssolidarität ein attraktiver Arbeitgeber 

In ihrer Abschlussrede unterstrich Bundesgeschäftsführerin Annette Helbig, dass die Führungskraft ‚Dreh- und Angelpunkt‘ sei für die Entwicklung gesundheitsfördernder Maßnahmen. Helbig zeigte sich überzeugt, dass die Einführung und Weiterentwicklung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements die Entwicklung der Volkssolidarität positiv voranbringen werde. Denn, so die Bundesgeschäftsführerin, dieses schaffe Vertrauen, beuge Krankheiten vor und sorge für die langfristige Bindung der Mitarbeitenden an die Volkssolidarität.

Helbig verwies auf zahlreiche Beispiele, in denen das Thema Gesundheitsmanagement erfolgreich angegangen werde. So setze sich der Stadtverband Dresden explizit für die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit sowie für ein kollegiales Arbeitsklima und gute Bezahlung ein. Der Stadtverband Chemnitz kooperiere im Rahmen eines Projekts zur Analyse der Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz mit der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Der Landesverband Sachsen-Anhalt und der Kreisverband Plauen arbeiten in Kooperation mit der AOK, ebenfalls mit dem Ziel, Belastungen zu minimieren: www.aok-business.de/gesundheit/praxisbeispiele/volkssolidaritaet-plauenoelsnitz-betroffene-werden-zu-beteiligten/. Aber auch die Fachveranstaltungen der Weiterbildungsakademie der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen seien ein wichtiger Baustein innerhalb der verbandsweiten Maßnahmen der Gesundheitsförderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Ziel der Volkssolidarität sollte, so Helbig, als attraktiver Arbeitgeber zu agieren und das Potential des Verbandes nutzen, um die hohe Qualität der vielen guten Einzelbeispiele flächendeckend wirksam werden zu lassen. Sie ermunterte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung, zu den vorhandenen Projekten und Ideen miteinander im Gespräch zu bleiben. „Denn“, so die Bundesgeschäftsführerin abschließen, „es ist meist eine kleine Idee, die man aus einer Veranstaltung wie heute mit nach Hause nimmt und im Alltag ausprobiert. Und diese kann durchaus Wirkkraft im Großen und für viele entwickeln.“