Volkssolidarität


Mecklenburg-Vorpommern

Foto: Jnes Griesbach

Plötzlich erstmals hören

Artikel aus der Schweriner Volkszeitung vom 14.03.2019

Das Cochlear-Implant-Centrum MV in Güstrow hilft seit 20 Jahren Gehörlosen oder hochgradig Hörgeschädigten.

Cochlear-Implant-Centrum MV – der Name ist ein Zungenbrecher. Vielleicht ist das ein Grund, warum dieses Zentrum vielen Güstrowern immer noch kein Begriff ist. „Uns kennt kaum einer“, bedauert Leiterin Doreen Zelma.

Dabei besteht die CIC abgekürzte Therapieeinrichtung bereits seit 20 Jahren – Und hat in dieser Zeit mehr als 500 Gehörlosen oder hochgradig Hörgeschädigten zu einer völlig neuen Lebensqualität verholfen. Das CIC unter dem Dach der Volkssolidarität ist in MV einzigartig. Hier erhalten Patienten, die an den Unikliniken Rostock und Greifswald sowie in Güstrow und Schwerin mit einem Cochlea-Implantat operativ versorgt wurden, eine Hör-, Sprach- und Sprechtherapie.

Sehr gute Erfolgsaussichten

Die Anzahl der so genannten CI-Träger wächst immer weiter, weiß Doreen Zelma. „Als wir angefangen haben hatten wir vier Patienten pro Woche, jetzt sind es bereits 18“, sagt sie. Wenn normale Hörgeräte nicht mehr ausreichen, können sich Gehörlose oder stark Hörgeschädigte ein Cochlea-Implantat einsetzen lassen. Cochlea bedeutet Innenohr. „Implantiert wird schon bei Neugeborenen ab dem sechsten Monat“, sagt Doreen Zelma. „Dieses Implantat arbeitet nicht mit Geräuschverstärkung, sondern über elektrische Impulse, die den Hörnerv reizen“, erklärt sie. Die Erfolgsaussichten, dass Patienten mit dem Implantat erstmals oder wieder hören könnten, seien sehr gut.

Zwei bis drei Jahre dauert die Therapie im Güstrower CI-Zentrum am Thünenweg nach der Operation. „Die Patienten müssen das Hören und das Sprechverstehen komplett neu erlernen“, sagt Doreen Zelma. „Es ist für mich immer wieder beeindruckend: Vor der OP konnte ich mich mit dem Patienten nur schriftlich verständigen. Aber nach einem Jahr kann ich mich mit ihm unterhalten.“ Oftmals würden die Patienten voller Dankbarkeit, dass sie hören können, in ihrer Sprechstunde weinen. „Und auch mir kommen dann die Tränen“, gibt Doreen Zelma zu.

Betroffene erhalten Organ zurück

Mit dem Implantat werde den Betroffenen ein Sinnesorgan wiedergegeben, ist die Leiterin des CIC überzeugt. Jedes Jahr erhalten etwa 60 Gehörlose oder stark Hörgeschädigte so ein Implantat in MV. Seit 2015 erfolgen diese Operationen auch in Güstrow, an der Uniklinik Rostock bereits seit 20 Jahren. Und so lange besteht auch das CIC in Güstrow. Das wird am 15. Juni von 10 bis 15 Uhr mit einem Tag der offenen Tür sowie Fachvorträgen im Thünenweg 31 gefeiert.

– Quelle: www.svz.de/22962987 ©2019