Volkssolidarität


Bundesverband e.V.

Digitaler Wandel: Im Mittelpunkt steht der Mensch

Verbandspräsident Dr. Wolfram Friedersdorff und Bundesgeschäftsführerin Annette Helbig zur zukünftigen Ausrichtung der Volkssolidarität

Zur 20. Delegiertenversammlung des Landesverbandes Brandenburg e. V. am 18.November 2017 begrüßte der Vorsitzende des Brandenburger Verbandsrates, Dr. Bernd Niederland, die Delegierten und Gäste. Mit besonderem Interesse, Aufmerksamkeit und Herzlichkeit begrüßten die Anwesenden den Präsidenten der Volkssolidarität, Dr. Wolfram Friedersdorff, und die Bundesgeschäftsführerin Annette Helbig.

Positive Bilanz des Landesverbandes Brandenburg 

Die 20. Delegiertenversammlung des Landesverbandes Brandenburg befasste sich in ihrem ersten Teil mit der verbandspolitischen und sozialwirtschaftlichen Bilanz der Jahre 2015 und 2016 des Landesverbandes. Die verbandspolitische Entwicklung war gekennzeichnet durch die Implementierung in der neuen Satzung (2015) festgeschriebenen  veränderten Führungsstruktur mit einem ehrenamtlichen Verbandsrat als Strategie- und Aufsichtsgremium  und eines Hauptamtlichen Landesvorstandes zur eigenverantwortlichen Führung der Verbandstätigkeit. Der Vorsitzende des Verbandsrats, Bernd Niederland,  wertete diesen Entwicklungsschritt als positiv, unter anderem weil alle 14 Verbandsbereiche, Kreis- und Regionalverbände  – oftmals durch ihre Vorsitzenden – vertreten sind und damit eine Stimme haben. Auch die mit der geänderten Satzung beschlossene rechtliche Neuausrichtung des nichtrechtsfähigen Teils des Landesverbandes hat zu dessen Kräftigung beigetragen. Das wird in besonderer Weise in den sozialwirtschaftlichen Ergebnissen des Landesverbandes deutlich, die durch die Landesvorsitzende Ines Große, und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft WST Hansaberatung GmbH für die genannten Jahre als erfolgreich gewertet wurde und Spielräume für notwendige Investitionen geschaffen hat.  Neben der Bilanz über die Jahre wurden in den Referaten und in der Diskussion Positionen zur weiteren strategischen Ausrichtung des Landesverbandes im Zusammenwirken mit dem Bundesverband skizziert, u.a. zur Stärkung des Mitgliederverbandes, zur Schaffung regionaler  Netzwerkstrukturen der VS oder zur Orientierung auf kommunalpolitische Inhalte der Interessenvertretung in den Verbandsgliederungen.

Weitere Entwicklung der Volkssolidarität

Dr. Niederland bezeichnete  die Teilnahme des Präsidenten und der Bundesgeschäftsführerin und deren Ausführungen im zweiten Teil der Versammlung aus der Sicht des Landesverbandes Brandenburg als wichtigen „Baustein“  im Diskussionsprozess auf dem Weg zu den Bundesdelegiertenversammlungen im Jahr 2018. Er dankte Ihnen für ihr Engagement im Fortschrittsprozess der Volkssolidarität.

Im zweiten Teil der Veranstaltung erläuterten der Präsident und die Bundesgeschäftsführerin  wichtige Aspekte der weiteren Entwicklung  der Volkssolidarität und informierten über den Zwischenstand der Überlegungen zur zukünftigen Ausrichtung der Volkssolidarität, die nachfolgend dargestellt sind.

Organisationsentwicklungsprozess für die Volkssolidarität

Aktuell beteiligt sich die Volkssolidarität auf Initiative der Bundesgeschäftsführerin am Programm "rückenwind+“. Das Programm ist gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Europäischen Sozialfond. In diesem Rahmen hat der Volkssolidarität Bundesverband einen Organisationsentwicklungsprozess angestoßen, an dem haupt- und ehrenamtliche Vertreter/-innen aus allen Landesverbänden der Volkssolidarität aktiv beteiligt sind. Prozessauftakt war im Frühjahr dieses Jahres. Für den Landesverband Brandenburg sind Bärbel Glogau, Mitglied des Bundesvorstandes, und Dirk Brigmann, Geschäftsführer des Verbandsbereichs Mittelmark, beteiligt. Der Paritätische Gesamtverband setzt das Förderprogramm durch vielfältige Projekte in den Mitgliedsorganisationen unter dem Titel "Innovation@work" um.

Volkssolidarität als Einheit von Sozialverband und Wohlfahrtsverband weiterentwickeln

Der Verbandspräsident Dr. Wolfram Friedersdorff informierte über bisherige Ergebnisse und Diskussionen im Verband zur Struktur der Volkssolidarität und zur Finanzierung des Bundesverbandes. Er rief dazu auf, die Volkssolidarität als Einheit von Sozialverband und Wohlfahrtsverband weiterzuentwickeln. „Diese Einheit“, so der Präsident, „ist ein Alleinstellungsmerkmal der Volkssolidarität, das bei allen Überlegungen zur künftigen Ausrichtung der Volkssolidarität zu beachten ist.“ Sorge bereite ihm die Abnahme der Mitgliederzahlen. Allerdings zeige die Statistik auch, dass es gelingen kann, diese stabil zu halten. Wichtig sei dabei sowohl die Pflege der traditionellen Arbeit der Volkssolidarität in den Ortsgruppen und Begegnungsstätten und die Anpassung dieser an neue Bedingungen als auch die Entwicklung von neuen Angeboten im Freiwilligen-Engagement und für Jüngere.

Migration und Integration von Geflüchteten und Umweltschutz als neue Herausforderungen

„Vor dem Verband“, so der Präsident weiter, „stehen eine Reihe von Herausforderungen in den sozialwirtschaftlichen Dienstleistungen und hier insbesondere in den Kernkompetenzen der Volkssolidarität. Dem Fachkräftemangel, der sich auch in Diensten und Einrichtungen der Volkssolidarität zeigt, kann nur durch gemeinsame Anstrengungen des Verbandes entgegengewirkt werden. Die sozialpolitische Interessenvertretung hat bislang einen wichtigen Beitrag zur Reputation des Gesamtverbandes in der Gesellschaft und Politik geleistet. Wir haben unsere Positionen zur Sozialpolitik kontinuierlich weiterentwickelt und mit Partnern, mit Behörden, mit Parteien und Fraktionen kommuniziert. Politik und gesellschaftliche Entwicklung werden uns künftig vor neue Herausforderungen stellen.“ Wolfram Friedersdorff nannte beispielhaft die Migration und Integration von Geflüchteten und die sozialen Folgen des Klimawandels und des Klimaschutzes. Es müsse besser gelingen, die politische Interessenvertretung im Gesamtverband wirksam zu machen. Helfen könne dabei eine stärkere Fokussierung auf kommunaler Belange.

Die Volkssolidarität baut weiterhin auf ihre drei Säulen als Struktur ihrer Identität

Bundesgeschäftsführerin Annette Helbig stellte zu Beginn ihrer Rede den Zwischenstand des begonnenen Organisationsentwicklungsprozesses der Volkssolidarität vor: „Es sind zunächst einmal viele Fragen gestellt und beantwortet worden: Wer sind wir? Wo stehen wir heute? Was können wir gemeinsam verbessern und wo wollen wir hin? Welche sozialpolitischen Themen sind in Zukunft zu bearbeiten? Wie müssen wir uns neu aufstellen, um mit dem hohen Tempo des digitalen Fortschritts und des damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandels Schritt zu halten?“ Ziel sei es, die Volkssolidarität als Sozial- und Wohlfahrtsverband in der Gesellschaft zukunftsfähig zu entwickeln und dabei weiterhin auf ihre drei Säulen als Struktur ihrer Identität zu bauen. Als besondere Herausforderungen nannte Annette Helbig die Koordination des Ehrenamts, die Stärkung der Marke ‚Volkssolidarität‘ als Qualitätsmarke, den Ausgleich des bestehenden Fachkräftemangels und das gelungene Zusammenspiel der sozialpolitischen Interessenvertretung auf lokaler und bundespolitischer Ebene.

Digitaler Wandel: Im Mittelpunkt steht der Mensch

„All die genannten Aufgaben“, so die Bundesgeschäftsführerin, „sind in einem Umfeld zu bewältigen, das sich im permanenten Wandel befindet. Die Digitalisierung macht auch vor der Volkssolidarität nicht Halt und ist die Herausforderung der kommenden Jahre.“ Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Digitalisierung seien nicht mehr, wie das noch oft im Verband geschehe, nebenbei zu bearbeiten, sondern gesteuert und professionell mit Blickrichtung auf den gesamten Verband anzugehen. Im Mittelpunkt der Entwicklung stehe immer der Mensch. Und so seien die wesentlichen Voraussetzungen für den erfolgreichen Umgang mit dem digitalen Wandel, der ein gesellschaftlicher Wandel sei, Transparenz und Vertrauen. „Wenn wir“, beschloss die Bundesgeschäftsführerin ihre Rede, „die Werte leben, die die Volkssolidarität von Beginn an ausmachen – Miteinander – Füreinander: Solidarität leben – dann werden wir das Neue und den Wandel meistern.“

Diskussion: Fachkräftemangel und Gründung eines Jugendverbandes

Im Anschluss an die Beiträge von Dr. Wolfram Friedersdorff und Annette Helbig eröffnete Dr. Gabriele Herzel, Mitglied des Vorstandes des Landesverbandes Brandenburg die Diskussion. So wurde vom Bundesverband sowohl der Erhalt der Mitglieder-Arbeit für Senioren als auch die zusätzliche Fokussierung auf jüngere Zielgruppen gefordert, um den Mitgliederverband zu stärken. Die Idee der Gründung eines Jugendverbandes wurde diskutiert. Weiterhin wurde festgestellt, dass die sozialpolitischen Themen des Bundesverbandes an die Praxis angepasst sein sollten, die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt professionalisiert und das Thema Fachkräftemangel in den Vordergrund gerückt werden sollte. Der Bundesvorstand wurde aufgefordert, die weitere Strategie konkret aufzuzeichnen und somit transparent und nachvollziehbar für die Mitglieder der Volkssolidarität zu machen. 

Der Organisationsentwicklungsprozess wird am 29./30. Januar 2018 fortgesetzt. Und am 16. und 23. Februar lädt der Bundesverband die Geschäftsführer/-innen und Vorstandsvorsitzende aller Verbandsgliederungen zur Klausur ein, um die bis dahin weiterentwickelte Umsetzungsstrategie zu diskutieren.

Die Endfassung des Konzeptes ‚Umsetzungsstrategie des Bundesverbandes‘ ist in Vorbereitung der für den 30.06.2018 geplanten Bundesdelegiertenversammlung zum 31.03.2018 geplant.

[Der vorliegende Artikel wurde auf Anregung von Dr. Bernd aktualisiert. Die Redaktion dankt dem Verbandsratsvorsitzenden des Landesverbandes Brandenburg für die wertvolle Ergänzung. 06.12.2017]