Volkssolidarität


Bundesverband e.V.

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Wachsende Ungleichheit

Die Einkommensspreizung in Deutschland nimmt weiter zu

Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Bundestag hervorgeht, ist die Einkommens- und Vermögensungleichheit in Deutschland seit der Jahrtausendwende deutlich gestiegen.

Basierend auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) haben knapp zwei Drittel der Bevölkerung im Zeitraum von 2000 bis 2015 relative Einkommensverluste hinnehmen müssen: erhielten die untersten sechs Dezile im Jahr 2000 noch 42,1 Prozent des Nettoäquivalenzeinkommens, ist dieser Anteil im Jahr 2015 auf 39,4 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig konnte das obere Drittel seinen Anteil im selben Zeitraum von 47,4 auf 50 Prozent ausbauen. Diese Entwicklung ist an den Rändern des Einkommensspektrums besonders stark ausgeprägt. So sank der Anteil des untersten Dezils von 3,9 auf 3,3 Prozent, während der des obersten von 21,3 auf 23,4 Prozent stieg. Anders ausgedrückt: Im Jahr 2000 verdienten die obersten zehn Prozent der Einkommensskala knapp 5,5 Mal so viel wie die untersten zehn Prozent. Im Jahr 2015 war das Einkommen des obersten Dezils bereits sieben Mal höher als das des untersten.

Volkssolidarität fordert gerechte Löhne und eine effektivere Umverteilungspolitik
  

Der Präsident der Volkssolidarität Dr. Wolfram Friedersdorff fordert die Bundesregierung in diesem Zusammenhang auf, der wachsenden sozialen Spaltung in Deutschland entgegenzuwirken: „Diese Zahlen belegen einmal mehr, dass ohne entschiedenes Eingreifen der Regierung der soziale Frieden immer weiter gefährdet wird. Für die Volkssolidarität ist es schlichtweg nicht hinnehmbar, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Es bestehen viele Möglichkeiten, für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen."

Die Volkssolidarität setzt sich für existenzsichernde Arbeit und angemessene Erwerbseinkommen ein. Der gesetzliche Mindestlohn muss Vollzeitbeschäftigte nicht nur während des Erwerbslebens, sondern nach langjähriger Beschäftigung auch im Ruhestand vor Armut schützen. Die geplante Erhöhung des Mindestlohns von derzeit €8,84 pro Stunde auf €9,19 ab 2019 und auf €9,35 sind hierzu nicht ausreichend. Nach Berechnungen des Paritätischen Gesamtverbandes ist eine Anhebung des Mindestlohns auf €12,63 notwendig, um Altersarmut nachhaltig zu verhindern.

Starke soziale Sicherungssysteme bieten den verlässlichsten Schutz vor Armut und sorgen für einen solidarischen gesellschaftlichen Ausgleich. Allerdings werden Personen mit hohem und sehr hohem Verdienst prozentual weniger stark belastet, da oberhalb bestimmter Einkommensgrenzen keine Beiträge mehr gezahlt werden müssen. Neben dem Abbau von Arbeitslosigkeit, prekärer Beschäftigung und Niedriglöhnen spricht sich die Volkssolidarität daher für eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen zur Stärkung der Sozialversicherung aus.

Gleichzeitig darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Lohnquote in Deutschland während der letzten zwei Jahrzehnte gesunken ist. Die Lohnquote beschreibt den Anteil der Arbeitnehmerentgelte am gesamten Volkseinkommen. Der Anteil von Einkommen aus Kapitalerträgen, wie beispielsweise Mieten, Pachten und Dividenden ist im Gegensatz dazu angestiegen. „Dieser Entwicklung muss Rechnung getragen werden“, so Dr. Friedersdorff. „Um die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest zu gestalten, spricht die Volkssolidarität sich dafür aus, dass Gewinne aus Kapitalerträgen analog zu Erwerbseinkommen verbeitragt werden. Ebenso muss über die Einführung einer Vermögenssteuer sowie eine Reform der Erbschaftssteuer nachgedacht werden.“

Die Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Fraktion die LINKE (Drucksache 19/4684) finden Sie hier (PDF).