Volkssolidarität


Bundesverband e.V.

Melanie Federau im Interview

"Zukünftig gilt es die Mehrgenerationsarbeit weiter auszubauen"

Melanie Federau (30) ist seit 1. Januar 2018 Geschäftsführerin der Volkssolidarität Verbandsbereich Lausitz. Mit der neuen Geschäftsführerin hat sich ein Generationswechsel vollzogen. Melanie Federau hat Lieselotte Meyer abgelöst, die in den Ruhestand gegangen ist. Wir haben mit der neuen Geschäftsführerin gesprochen. 


Wie haben Sie die Volkssolidarität kennengelernt?

Meine Großeltern waren jahrelang Mitglieder der Volkssolidarität. Nachdem sich ihr gesundheitlicher Zustand verschlechtert hatte, haben sie das Angebot der Tagespflege der Volkssolidarität in Spremberg angenommen.
Nach meinem Abitur im Jahr 2007 stand ich vor der Wahl „Polizistin werden“ oder Soziale Arbeit studieren? Um diese wichtige Entscheidung gewissenhaft treffen zu können, entschied ich mich ein Freiwilliges Soziales Jahr durchzuführen. Da mir die Volkssolidarität als Träger durch die Erzählungen meiner Großeltern kein unbekannter Träger war und ich die Arbeit der Tagespflege kennen und schätzen gelernt habe, stellte ich meine Anfrage bei Frau Lieselotte Meyer, ob ich in diesem Bereich mein Soziales Jahr ableisten kann. Neben der Betreuung der Tagespflegegäste übernahm ich ebenfalls die Essenauslieferung im Mahlzeitendienst, sodass mir diese Aufgabenbereiche in der aktuellen Arbeit sehr gut bekannt sind. Und es hat mir so gut gefallen, dass ich mich danach für das Studium der Sozialen Arbeit und meinem Master in Sozialmanagement entschieden habe. 

Mit wem haben Sie nach Ihrem Amtsantritt als erstes worüber gesprochen?

Ich kann mich daran erinnern, dass ich am 2. Januar 2018 nach einer eher schlaflosen Nacht aufgeregt in die Geschäftsstelle Spremberg gefahren bin. Frau Meyer hatte sich bereit erklärt im Januar meine Übergabe und Einarbeitung zu übernehmen, sodass der erste Monat nach meinem Amtsantritt noch gemeinsam verlief. Als ich im Büro angekommen war, kann ich mich noch an die neugierigen Blicke und ersten zaghaften „Guten Morgen“ der Mitarbeiter/-innen erinnern. Ich traf sogleich auf Frau Meyer, sodass wir ehrlich gesagt recht rational über die Planung der Übergabe und die Einarbeitung gesprochen haben.

Welche Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?

Unsere Begegnungsstätte in Cottbus hat im Rahmen der 25. Brandenburgischen Seniorenwoche unter dem Motto "Ein Vierteljahrhundert aktiv und mitbestimmend" am 6. Juni 2018 das erste Seniorenfrühstück zum Thema "Es lebt sich gut in Cottbus?!" durchgeführt. Der Raum der Begegnungsstätte war sehr gut gefüllt und nachdem sich alle bei einem leckeren Frühstück gestärkt haben, wurde in diesem Rahmen mit den Gästen Kerstin Kircheis (Landtagsabgeordnete SPD), Matthias Loehr (Landtagsabgeordneter Die Linke) und Dr. Ralf Fischer (Stadtteilmanager Sandow) angeregt diskutiert. Die Veranstaltung wurde sehr gut angenommen und soll im nächsten Jahr erneut durchgeführt werden.

Die Volkssolidarität Lausitz hat eine lange Tradition. Was gilt es aus Ihrer Sicht zu bewahren? Und wo sind aus Ihrer Sicht in der Zukunft neue Impulse zu setzen?

Das Wirken der Volkssolidarität in Spremberg und Cottbus wird insbesondere von den Grundwerten wie Menschlichkeit, Gemeinsamkeit, Vertrauen, Geborgenheit, Selbstvertrauen und Lebensfreude getragen. Dabei hat jeder die Möglichkeit, soziale, kulturelle und gesellige Angebote mitzugestalten und zu nutzen. Unser Verbandsbereich Lausitz ist ein anerkannter und starker Dienstleister im sozialen Bereich bestehend aus dem Sozialzentrum Cottbus, dem Ambulanten Hilfezentrum Spremberg sowie der Kindertagesstätten.
Die Seniorenarbeit besitzt demnach in unserem Verbandsbereich eine sehr lange Tradition, aber auch unsere drei Kindertagesstätten sind zu einem wichtigen Bestandteil unserer Arbeit geworden. Zukünftig gilt es diese Bereiche stärker zu verbinden und die Mehrgenerationsarbeit weiter auszubauen. Damit können neue Impulse für die Bindung von jüngeren Generationen gesetzt und der Mitgliederverband gestärkt werden. Die Volkssolidarität Verbandsbereich Lausitz muss sich dazu jedoch präsenter zeigen, um die Wahrnehmung dieses starken Verbandes in der Bevölkerung wieder zu erhöhen.

Welche Projekte planen Sie kurz- und mittelfristig? Welche Barrieren gibt es?

In diesem Jahr findet zum Spremberger Heimatfest das erste Entenrennen der Volkssolidarität VB Lausitz statt. Über 200 kleine grüne Gummi-Enten mit Startnummern sollen am Bootsanleger in die Spree gesetzt werden. Jeder kann mit einem Mindestgebot auf eine bestimmte Ente setzen, vielleicht die mit der persönlichen Glückszahl. Das Rennen ist eine Aktion zugunsten unserer Kita „Grünschnäbel“.

Mittelfristig möchten wir ein Mehrgenerationshaus in Spremberg aufbauen. Dazu bietet sich ein bereits bestehender Gebäudetrakt an unserer Kita „Grünschnäbel“ an. Die Mehrgenerationshausarbeit zwischen der Kindertagesstätte und der Tagespflege sowie unserem Kontaktcafé wird bereits seit Jahren betrieben. Jetzt ist es unser Ziel, dass dieses Mehrgenerationsprojekt seine „vier Wände“ bekommt. Barrieren bestehenden in der Finanzierung des Projektes.

Aufgrund des Fachkräftemangels in den sozialen Diensten und Einrichtungen befürchten vor allem ältere Mitglieder der Volkssolidarität die Pflegebedürftigkeit im Alter. Inwieweit spielt der Fachkräftemangel im Verbandsbereich Lausitz eine Rolle und wie kann aus Ihrer Sicht diesem entgegengewirkt werden?

Auch der Verbandsbereich Lausitz ist vom Fachkräftemangel nicht verschont geblieben und kann sich in den nächsten Jahren aufgrund der Altersstruktur der Mitarbeitenden weiterhin verschärfen. Eine Ursache liegt meiner Auffassung nach darin, dass nur wenige junge Fachkräfte nach ihrem Studium oder Ausbildung wieder zurück in die Heimat kommen. Die Attraktivität der Stadt Spremberg und Cottbus für jüngere Generationen ist im Vergleich zu Ballungszentren in Deutschland insbesondere in Bezug auf Arbeitsstellen mit entsprechender Vergütung gering. Die Stadt Spremberg wirbt derzeit mit vielen „Rückkehrer-Initiativen“, um potenziellen Rückkehrern Unterstützung anzubieten. Inwieweit es den Fachkräftemangel entgegenwirkt, wird sich zeigen. Aus meiner Sicht ist es wichtig sich bei der Fülle an sozialen Trägern als authentischen und nachhaltigen sowie attraktiven Arbeitgeber zu präsentieren.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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