Volkssolidarität


Bundesverband e.V.

Foto: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Erstes Symposium zum 6. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

Volkssolidarität zeigt Ost-West-Unterschiede auf

Am 12. Februar 2019 fand das erste Symposium zum 6. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung im Bundesministerium für Arbeit und Soziales statt. Der Bundesverband der Volkssolidarität ist Teil des Beraterkreises und hat auf der Konferenz in einem Impulsvortrag auf die speziellen sozialen und wirtschaftlichen Problemlagen in den ostdeutschen Bundesländern hingewiesen.

Flächendeckende Strukturschwäche

So machte die Volkssolidarität darauf aufmerksam, dass der Aufholprozess der ostdeutschen Wirtschaft auch fast 30 Jahre nach der Wende noch nicht abgeschlossen ist. Durch die Umstrukturierung und die damit verbundene Kapitalvernichtung in den Nachwendejahren ist ein zum großen Teil fragmentierter Unternehmensbestand aus wenig innovativen Klein- und Mittelbetrieben zurückgeblieben, die häufig nur Zulieferer für große westdeutsche Unternehmen sind. Diese Wirtschaftsstruktur macht sich sich für die Bevölkerung in Form von höheren Arbeitslosenzahlen und niedrigeren Löhnen, vor allem auch einem ausufernden Niedriglohnsektor bemerkbar. 

Demografische Herausforderungen

Diese wirtschaftlichen Ost-West-Unterschiede hatten zur Folge, dass viele, vor allem junge und gut ausgebildete Menschen von den neuen in die alten Bundesländer gezogen sind. Besonders die ländlichen Regionen waren von Abwanderung betroffen, so dass dort der Altersdurchschnitt mittlerweile deutlich höher liegt als im Rest der Republik. Der hohe Anteil an Senior/-innen beziehungsweise nicht mehr Erwerbstätigen wirkt sich auf die Nachfrage und das Angebot von Dienstleistungen sowie Institutionen der Daseinsvorsorge aus. Dadurch verlieren die betroffenen Regionen weiterhin an Attraktivität für jüngere Menschen. Auch sind viele ostdeutsche Gemeinden finanziell eingeschränkt, so dass angesichts der demografischen Veränderung notwendige Investitionen häufig nicht getätigt werden können.

Drohende Altersarmut

Auch sind die Ostdeutschen stärker von Altersarmut bedroht. Gründe hierfür liegen in den Erwerbsbiografien der Menschen, die häufig von längeren oder wiederholten Phasen der Arbeitslosigkeit und niedriger Entlohnung gekennzeichnet sind. Zusätzlich sind private und betriebliche Altersvorsorge deutlich weniger verbreitet und individuelle Vermögen deutlich geringer, so dass sich das seit der Jahrtausendwende deutlich abgesunkene Rentenniveau besonders bemerkbar macht. Verstärkt wird der drohende Anstieg von Altersarmut durch den ersatzlosen Abbau der Höherwertung der Einkommen Ost bei der Berechnung von Rentenansprüchen bis 2025.

Berichterstattung zu Armut und Reichtum

Durch Beschlüsse des Bundestages aus den Jahren 2000 und 2001 ist die Bundesregierung aufgefordert, in jeder Legislaturperiode einen Armuts- und Reichtumsbericht zur Überprüfung bisheriger und als Anregung für zukünftige Maßnahmen vorzulegen. Die Erstellung des Berichts wird von einem aus staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren bestehenden Beraterkreis begleitet. Die Volkssolidarität ist bei der Erstellung des 6. Armuts- und Reichtumsberichts, der Ende 2020 veröffentlicht wird, erstmalig im Beraterkreis vertreten.

 

(Fast) 30 Jahre Deutsche Einheit: Welche Ost-West-Unterschiede müssen im Fokus des Armuts- und Reichtumsberichts bleiben?

Weitere Informationen zum Armuts- und Reichtumsbericht finden Sie hier.