Volkssolidarität


Berlin

Volles Haus beim Berliner Sozialgipfel Foto: Volkssolidarität Berlin

Wohnen müssen alle, Wohnen geht alle an

10. Sozialgipfel ist ein voller Erfolg

Unter dem Motto „Wohnen für Alle?!“ hat der 10. Berliner Sozialgipfel wie immer mit der Volkssolidarität stattgefunden. Das Thema hat einen Nerv getroffen.

Wohnen ist in Berlin gerade für sehr viele Menschen ein leidiges und aktuelles Thema. Das gilt umso mehr für besondere Bedarfsgruppen: Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund oder Menschen im Alter. Sie haben besonders große Schwierigkeiten, eine Wohnung zu bekommen.

Das Thema des zehnten Berliner Sozialgipfels hat regelrecht einen Nerv getroffen. Entsprechend voll war der Saal im Haus der IG Metall, in dem die Veranstaltung stattfand. In diesem Jahr haben die Bündnispartner sich für ein deutlich offeneres Format entschieden, das viele Fragen aus dem Publikum zuließ. Das Angebot wurde sehr rege genutzt – viele Menschen haben zu diesem Thema etwas zu sagen oder etwas zu fragen.

Zum Beispiel die Frau, die für Familien mit mehreren behinderten Kindern in Berlin Wohnungen sucht und seit Jahren keine findet. Oder der Mann, der fordert, die Miethöhe auf einen festen Satz des Einkommens zu legen – damit kleinere Geldbeutel sich eine Wohnung leisten können und größere Geldbeutel anteilig mehr bezahlen. Oder die Frau, die vor Zeltlagern verarmter Seniorinnen und Senioren im Tiergarten warnt, falls sich auf dem Wohnungsmarkt nicht bald etwas ändert.

Diese Einwürfe zeigen, es ist ein komplexes Thema. Dr. Uwe Klett, Vorstandsvorsitzender der Volkssolidarität Berlin setzt sich auf dem Podium für einen besseren Zugang zum Wohnungsmarkt für Menschen mit Migrationshintergrund ein. Diese werden häufig bei der Wohnungssuche aufgrund ihres Nachnamens diskriminiert und dürfen Wohnungen erst gar nicht besichtigen. „Diese Probleme können wir nur gemeinsam lösen“, sagt Klett und schlägt vor, anonymisierte Bewerbungen auf Wohnungen einzuführen.

Für Menschen mit Behinderung ist der Zugang zum Wohnungsmarkt aus anderen Gründen schwierig. Es fängt damit an, dass es keine Übersicht über das Angebot an barrierearmen oder -freien Wohnungen gibt. Und es geht damit weiter, dass Mieter den Rückbau von Maßnahmen zur Schaffung von Barrierefreiheit in der Wohnung selbst bezahlen müssen, wenn der Vermieter das einfordert – und daher teils auf nötige Umbauten verzichten.

Auf dem Podium wechseln sich Sachverständige zu verschiedenen Bereichen ab, darunter Christine Braunert-Rümenapf, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Lars Hemme, Sozialberater des VdK, der im Rollstuhl sitzt, Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt in Charlottenburg-Wilmersdorf und Ingo Malter, Geschäftsführer der Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH und Katrin Lompscher, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. Diese trägt im Anschluss das Thema noch in einer Liveschalte in die Abendschau – ein gelungener Abend, der hoffentlich für das soziale Berlin etwas bewegt.