Volkssolidarität


Foto: pixabay.com

Volkssolidarität als Expertin zum SGB VIII Prozess geladen

Stellungnahme der Volkssolidarität zum Thema „Prävention im Sozialraum“

Im Rahmen des laufenden Dialogprozesses zur SGB VIII-Reform fand am 11. Juni unter reger Beteiligung die 4. Sitzung der Arbeitsgruppe „Mitreden-Mitgestalten“ zum Thema „Prävention im Sozialraum“ unter Leitung von Staatsekretärin Caren Marks im Familienministerium statt. Die Volkssolidarität war als eine von 8. Expert/-innen zur Veranstaltung geladen.

Die Sitzung der AG widmete sich in erster Linie der Situation und Möglichkeiten des Ausbaus präventiver Angebote der Kinder- und Jugendhilfe im Kontext des Sozialraums sowie die Verankerung dieser Angebote in den Regelungen der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII). Dabei stand während der Diskussion immer wieder die Frage im Raum, welchen Einfluss der Ausbau präventiver, niederschwelliger Angebote auf den Einsatz klassischer Hilfen zur Erziehung (HzE) haben kann.

Präventive Angebote für Familien, Kinder und Jugendliche sollten dabei in erster Linie leicht und gut erreichbar sein und ohne bürokratische Hürden (z.B. den Antrag auf HzE-Leistungen) in Anspruch genommen werden können. Diesbezüglich wurde von vielen Anwesenden wiederholt darauf hingewiesen, dass der Ausbau und Finanzierung niederschwelliger Hilfen nicht zu Lasten der klassischen HzE-Leistungen (wie z. B. der Sozialpädagogischen Familienhilfe - SPFH) gehen dürften.

Gerade die SPFH habe einen großen Anteil an den HzE und zeige in der die Statistik den höchsten Zuwachs bei der Inanspruchnahme. Grund zur Sorge gäben statistische Daten, die vermuten ließen, dass eine vermehrte Inanspruchnahme präventiver Hilfe eine geringere Inanspruchnahme der HzE zur Folge habe. Hier ist die Sorge der Verbände und Interessenvertreter freier Kinder- und Jugendhilfeträger groß, dass finanzielle Anreize für die Jugendämter (Prävention in Form kostensparender, kurzfristiger Angebote gegenüber kostenintensiver, langfristiger HzE-Leistungen) gegenüber denen der Inhalte und individuellen Bedarfe der Zielgruppe überwiegen könnten.

Die Volkssolidarität wies im Kontext der Veranstaltung in erster Linie auf zwei zentrale Themen hin: 

1. Kindertagesstätten sind besonders in den neuen Bundesländern die wichtigsten und zentralsten Orte, an denen Prävention mit Familien (z.B. in Form integrierter Familienzentren) stattfinden kann. Bundesstatistiken zur Kindertagesbetreuung belegen eindeutig, dass die Inanspruchnahme der institutionellen Kindererziehung-, -bildung und -betreuung in Krippe, Kindergarten und Hort in Ostdeutschland deutlich höher ist als in den alten Bundesländern. Hinzu kommen längere Öffnungszeiten, eine hohe Inanspruchnahme der Ganztagsbetreuung sowie ein grundlegend höheres Vertrauen der Sorgeberechtigten in frühkindliche Bildungseinrichtungen oder Horte außerhalb der Familie. Kindertageseinrichtungen sind damit besonders im Osten Deutschland ideale Orte, um bei der präventiven Arbeit für Familien mit Kindern bis zum Alter von zehn Jahren anzusetzen.

2. Besonders im ländlichen Raum ist die Schaffung präventiver Netzwerke der Kinder- und Jugendhilfe in vielen Gegenden eine große Herausforderung. Weite Wege führen besonders in dünn besiedelten Gebieten und Flächenländer zu Mehrkosten bei Personal und Material, denen in den bisherigen Finanzierungsregelungen der Länder und Kommunen nicht ausreichend Rechnung getragen wird. Zudem findet sich besonders im ländlichen Raum der neuen Bundesländer vielerorts eine nur sehr unzureichende Infrastruktur des öffentlichen Personennahverkehrs, die Kindern und insbesondere Jugendlichen ohne Führerschein die Inanspruchnahme von Angeboten der offenen Kinder- und Jugendarbeit oder vergleichbaren Angeboten außerhalb der eigenen Ortschaften ohne Unterstützung ihrer Familien – in denen oft beide Elternteile voll berufstätig sind und damit in den relevanten Zeiten wenige Reserven haben – enorm erschwert.

Die ausführliche Stellungnahme der Volkssolidarität zum Thema „Prävention im Sozialraum“ finden Sie hier.