Volkssolidarität


Konferenz der Volkssolidarität

Herausforderungen für die Sozialwirtschaft: Klimaschutz, Fachkräfte, Wohnraum

Am 14.06.2019 diskutierten rund 50 Führungskräfte der Volkssolidarität zusammen mit externen Gästen aus Wirtschaft, Politik und dem Sozialwesen über neue zentrale Fragestellungen, die die Sozialwirtschaft in Zukunft verstärkt betreffen werden.

Zu Beginn der Veranstaltung erklärte der Präsident der Volkssolidarität Dr. Wolfram Friedersdorff, dass der Verband sich aktiv in den Diskussionsprozess zur ökologischen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft einbringen werde. Diese sei notwendig, müsse aber demokratisch und sozial verträglich gestaltet werden.

Klimaschutz

Zu Beginn des Themenblocks erklärt Dr. Harald Kohl vom Bundesumweltministerium, dass Deutschland seine Anstrengungen im Bereich des Klimaschutzes verstärken müsse, um die Ziele für 2030 zu erreichen. Sollten diese Ziele nicht erreicht werden, seien hohe Strafzahlungen fällig. Von den für die Wohlfahrtspflege besonders relevanten Bereichen werden Mobilität, Ernährung und Wohnen aller Voraussicht nach in Zukunft stärker ordnungspolitisch gesteuert. Um die Klimaziele zu erreichen sei ein gesamtgesellschaftlicher Dialog notwendig, in den sich auch Sozial- und Wohlfahrtsverbände einbringen sollen.

Der Referent für Klimaschutz der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Thomas Diekamp erläuterte, dass sein Verband sich aufgrund seines Wertesystems zum Klimaschutz und dem nachhaltigen Wirtschaften verpflichtet sieht. Ein Pflegeplatz verursache derzeit im Schnitt acht Tonnen CO2 pro Jahr. Dieser Wert müsse bis zum Jahr 2050 auf eine Tonne reduziert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, beteilige sich die AWO am Projekt klimafreundlich pflegen. Ziel sei eine systematische Ausarbeitung von Klimaschutzmaßnahmen gemeinsam mit den Einrichtungen vor Ort.

Der Landesgeschäftsführer der Volkssolidarität Thüringen Matthias Wilfroth beschrieb, wie ein Teil seiner Pflegefahrzeug-Flotte durch E-Autos ersetzt wurde. Die Betriebskosten je Fahrzeug unterschieden sich häufig nur geringfügig, jedoch sei es notwendig, in eine entsprechende Ladeinfrastruktur zu investieren. Der Volkssolidarität Thüringen gGmbH wurde dies durch eine Förderung des Thüringer Wirtschaftsministerium möglich gemacht.

Gunter Wolf von der Deutschen Kreditbank (DKB) betonte, dass seine Bank seit Jahren ihre Partner aus Verwaltung, Wirtschaft und Sozialwesen sowie Privatkunden in ganz Deutschland bei nachhaltigen Investitionen Kapital zur Verfügung stelle und beratend zur Seite stehe. So sei die DKB die größte Förderin von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien (onshore) der Republik. Selbstverständlich sei man auch bereit, die Volkssolidarität bei entsprechenden Investitionen zu unterstützen.

Uwe Lebelt, Geschäftsführer der Auxolar GmbH, machte darauf aufmerksam, dass Deutschland seinen Strom verstärkt aus regenerativen Quellen beziehen müsse, um die Klimaziele zu erreichen. Die Rolle der Photovoltaik sei hierbei zentral. Auch wirtschaftlich mache es vor allem für soziale Einrichtungen Sinn, in entsprechende Anlagen zu investieren. Häufig seien die Investitionskosten innerhalb von sechs bis acht Jahren amortisiert.

Wohnraum

Andreas Koschowski von der DKB erläuterte, dass die durchschnittliche Haushaltsgröße in Zukunft weiterhin abnehmen werde. Es sei demnach nicht davon auszugehen, dass die gestiegene Nachfrage nach vor allem städtischen Wohnraum durch den demografischen Wandel von alleine abnehmen wird. Gleichzeitig stelle die demografische Lage eine neue Herausforderung dar, da immer mehr Wohnungen und Häuser altersgerecht gestaltet werden müssen. Die DKB sei aufgrund ihrer langen Erfahrung eine ideale Partnerin für alle Bauvorhaben. Ferner berichtete Herr Koschowski vom Projekt Regionalen Ausgleich stärken – die Wohnungswirtschaft als Gestalter von Heimat des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Das Projekt zielt darauf ab, boomende Wachstumsgebiete durch die Steigerung der Attraktivität schrumpfender Regionen zu entlasten und werde ebenfalls von der DKB unterstützt.

Dr. Axel Viehweger (Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften) merkte an, dass eine Begrenzung der Mietpreise alleine die Wohnungsnot in Wachstumsregionen nicht maßgeblich lindern könne. Vielmehr sei durch eine gerechtere Umverteilungspolitik dafür zu sorgen, dass Menschen in die Lage gesetzt werden, höhere Mieten zu bezahlen. Ferner verwies Dr. Viehweger auf den Konflikt der Modernisierung und Sanierung von Wohnraum bei einer ohnehin angespannten Mietpreislage.

Fachkräfte

Im letzten Teil der Veranstaltung wurden Initiativen einzelner Gliederungen der Volkssolidarität zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften für die sozialen Dienste des Verbandes vorgestellt. Carola Ahlert erläuterte, was die VS Bürgerhilfe gGmbH zu einem familienfreundlichen Unternehmen macht. Entscheidend seien hierfür unter anderem flexible Arbeitszeiten und Weiterbildungsmöglichkeiten während der Elternzeit. Ebenso gelte es, auf individuelle Bedürfnisse der Mitarbeitenden einzugehen. So würde zum Beispiel ein Darlehen für eine anstehende Mietkautionszahlung zu anhaltender Identifizierung mit dem Arbeitgeber führen.

Kerstin Kauerauf vom Stadtverband Leipzig berichtete über ihre positiven Erfahrungen mit der givve®MasterCard. Über diese Prepaid-Kreditkarte bekommen Angestellte für einen Monat ohne Fehlzeiten einen Betrag von 35 Euro als geldwerten Vorteil gutgeschrieben. Die Einführung dieses Systems habe zu keiner signifikanten Reduzierung der Fehlzeiten geführt, wurde von der Belegschaft aber sehr gut angenommen.

Der Landesgeschäftsführer der Volkssolidarität Sachsen Steffen Lemme referierte über die Gewinnung von Fachkräften außerhalb Deutschlands. Der Landesverband Sachsen spreche potenziell an sozialen Berufen interessierte junge Menschen im Ausland gezielt über Werbung vor Ort an und unterstütze erfolgreiche Bewerber/-innen beim Lernen der deutschen Sprache und dem Umgang mit den örtlichen Behörden.