Volkssolidarität


Glückwünsche an französische Partnerorganisation zum 70. Jubiläum überbracht

Während der Rede des SPF-Präsidenten Julien LauprêtreIm Auftrag des Bundesvorstandes der Volkssolidarität vertrat Dr. Alfred Spieler, sozialpolitischer Referent des Verbandes, die Volkssolidarität auf dem 35. Kongress des Secours Populaire Français (SFP) vom 19. bis 22. November 2015. Er überbrachte in Marseille die Grußadresse des Präsidenten der Volkssolidarität zum 70. Jahrestag des SFP an dessen Präsidenten, Julien Lauprêtre.

Aus dem Bericht von Dr. Spieler:

„Der Kongress des SPF mit insgesamt mehr als 1.000 Teilnehmern stand im Zeichen des 70. Jahrestages des größten französischen Sozialverbandes und des Mottos ‚Bauen wir gemeinsam die Solidarität des XXI. Jahrhunderts‘. Er war ordentlicher Kongress mit der Neuwahl der Führungsgremien des SPF und zugleich als Kongress thematisch auf weitere Solidaritätsaktionen in Frankreich und weltweit ausgerichtet. Das starke Gewicht der internationalen Solidaritäts-Aktivitäten des SPF zeigte sich insbesondere in der Präsenz von über 100 ausländischen Gästen von nichtstaatlichen Organisationen und Initiativen aus mehr als 60 Ländern Afrikas, Asiens, Nord- und Lateinamerikas sowie aus Europa.

Der 35. Kongress des SPF war in starkem Maße durch die Attentate vom 13. November in Paris mit 130 Todesopfern geprägt, die Frankreich in den Tagen danach in eine Art Schockzustand versetzt hatten. Die Attentate wurden lediglich in der Rede des Präsidenten angesprochen, ansonsten stand die Solidarität mit den Opfern und ihren Familien im Vordergrund der Reaktion der SPF-Führung. Ein symbolischer Akt der Ablehnung der ‚barbarischen Terrorakte‘ war jedoch auch in der öffentlichen Ehrung von Missak Manouchian, einem der führenden Widerstandskämpfer gegen die Nazi-Okkupation in der Pariser Region, durch den Präsidenten des SPF am 21. November zu sehen, zu der Mitglieder des SPF armenischer Herkunft sowie die Vertreter einer russischen Partnerorganisation und der Volkssolidarität eingeladen waren.

Im Unterschied zum 30. Kongress, der im Jahre 2005 den 60. Jahrestag der Gründung des SPF beging und unter der Schirmherrschaft des damaligen französische Staatspräsidenten Jaques Chirac stand, war die Politik – zumindest auf nationaler Ebene – praktisch abwesend. Gleichzeitig wurde ausdrücklich die politische Unabhängigkeit des SPF betont.

… In Gesprächen auf Arbeitsebene wurde … betont, wie wichtig die Beteiligung der Volkssolidarität am 35. Kongress des SPF sei und dass die Zusammenarbeit beider Verbände in den Aktivitäten des SPF auch künftig einen hohen Stellenwert habe. …

Der Bericht des Präsidenten des SPF war anlässlich des 70. Jahrestages in sehr starkem Maße von historischen Bezügen – Leistungen der SPF-Gründergeneration im Kampf gegen den Faschismus und gegen Kolonialkriege – geprägt. In beeindruckender Weise wurde anhand der Führungspersönlichkeiten seit 1945 deutlich gemacht, dass der SPF 70 Jahre Handeln für Menschenrechte, Humanität und Solidarität verkörpert. Seit den neunziger Jahren hat der SPF auch rechtlich einen Status („grand cause“), der mit dem der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland vergleichbar ist.

Der SPF organisiert internationale JugendkontakteDer Bericht verdeutlichte, dass der SPF durch die Mitwirkung seiner über 1.050.000 Spender eine starke Position im französischen Verbandsleben hat und vor allem durch seine sehr konkreten Hilfen für sozial Benachteiligte, insbesondere Familien mit Kindern, hohes Ansehen genießt. Das Rückgrat bilden die über 30.000 ehrenamtlichen Mitarbeiter und Helfer, darunter sehr viele junge Menschen. Schwerpunktaktivitäten sind u. a. Lebensmittel- und Kleidersammlungen, Suppenküchen, Hilfe für Obdachlose (Unterkünfte, Unterstützung bei der Wohnungssuche), Beratung in sozialen Fragen in den Kontaktstellen des SPF, Organisation von Ferienaktivitäten (‚Ferienspiele‘) und –reisen für Kinder aus ärmeren Familien bzw. für junge Familien mit Kindern, einschließlich Kinder- und Jugendaustausch auf internationaler Ebene, Hilfe beim Start in der Schule für Kinder aus ärmeren Familien sowie Organisation von Nachhilfeunterricht, Seniorenarbeit sowie die Beteiligung an humanitären Aktionen weltweit mit Partnern in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Kongressteilnehmer waren im regen Austausch in MarseilleDie materielle Grundlage für diese Arbeit bilden die Geld- und Sachspenden der Spender, die durch ihre Spende Mitglied des SPF werden, auf dieser Grundlage eine Mitgliedskarte erhalten, aber keine monatlichen Beiträge zahlen müssen. Vom Finanzvolumen des SPF wird etwas über die Hälfte durch die Spenden aufgebracht, etwa ein Drittel durch öffentliche Fördermittel (zweckgebunden) und der Rest aus sonstigen Einkünften (z. B. Vermächtnissen). …

Im Bericht und in der Diskussion wurde mehrfach betont, dass der SPF zwar öffentliche Fördermittel benötige, sich aber nicht von ihnen abhängig machen dürfe. Es müsse deutlich zwischen der Verantwortung des Staates für soziale Aufgaben und der Arbeit nichtstaatlicher Organisationen unterschieden werden. Für den SPF stehe stets im Vordergrund, die Lebensumstände sozial benachteiligter Menschen zu verbessern. Statt Fürsorge (‚assistanat‘) zu unterstützen, soll vor allem ein selbstbestimmtes Leben gefördert werden. Die Kommunikation im Verband und nach außen wird über die Monatszeitschrift ‚Convergences‘ sowie zunehmend über audiovisuelle Medien und Internet. Facebook und Twitter gehören inzwischen zu den ganz normalen Arbeitsinstrumenten des SPF, die auch zielgerichtet für das Verbandsmarketing genutzt werden. …

Die Wahl des Nationalkomitees (dem auch alle Vorsitzenden der 98 Föderationen angehören) sowie des – quasi geschäftsführenden – Verwaltungsrates erfolgte mit großer Mehrheit. Die Wahl des Präsidenten wurde durch die Mitglieder des Verwaltungsrates in einer geschlossenen Sitzung dieses Gremiums vorgenommen. Julien Lauprêtre wurde erneut zum Präsidenten gewählt.

Mit einer Präsentation wurde die Volkssolidarität vorgestellt…Die Teilnahme am Kongress des Secours Populaire Français machte sichtbar, dass eine konkrete Zusammenarbeit mit dem SPF Chancen für die Volkssolidarität bietet, die in weiteren Kontakten auf der Ebene des Bundesvorstandes und der Landesverbände erschlossen werden sollten. Neben dem Austausch zwischen beiden Verbänden, der vor allem persönliche Kontakte ermöglicht, sollten auch die beachtlichen Erfahrungen des SPF in der sozialen Arbeit (z. B. mit Kindern und Jugendlichen, Vorbereitung und Durchführung von Kampagnen zu sozialen Schwerpunktfragen etc.) studiert und für eigene Aktivitäten der Volkssolidarität genutzt werden. Eine weitere Ebene stellt der Kinder- und Jugendaustausch dar, der von beiden Seiten entwicklungsfähig ist.“