Volkssolidarität


KV Oberhavel

Spaß am Ausfragen der „Vorfahren“

Projekt mit Schülern in Vorbereitung der Podiumsdiskussion mit den Oranienburger Bürgermeisterkandidaten

Geboren wurde das Projekt „Das Alter als Chance für Lebensfreude!?“ bei der Diskussion über den 7. Altenbericht der Bundesregierung im VS-Beirat. Und auch die Idee, junge Leute einzubeziehen, nahm konkrete Formen an. Also wurde das  Projekt vor der versammelten Lehrerschaft des Oranienburger Runge-Gymnasium vorgestellt. Und wir konnten sogar beweisen, dass das Thema auch nicht dem Bildungsauftrag der Schule widersprach. Sicher auch, weil ich mit meiner Enkelin, Absolventin des Gymnasiums, eine erfahrene Projektgestalterin an meiner Seite hatte. Wir erklärten anhand von Grafiken und Texten, dass wir nicht nur mit dem Altenbericht rumwedeln wollten, sondern dass die Schüler, nämlich Kinder und Enkelkinder, ihren „Vorfahren“ eine Menge Fragen stellen sollten. Das Resultat wurde dann bei einer Podiumsdiskussion mit den acht Bürgermeisterkandidaten der Kreisstadt vorgestellt werden.

Aus intimen Familiengesprächen sollten Ratschläge, Erwartungen und Wünsche für den neuen Bürgermeister formuliert werden.
Die Schüler sollten untersuchen, welche Faktoren beeinflussen die Lebensfreude und die sichere Lebensbasis  der Eltern und Großeltern? Eine engagierte Mitstreiterin fanden wir in der Lehrerin Kerstin Bendrat, die mit ihrem Leistungskurs Geografie der 11. Klassen gerade den demografischen Wandel in unserer Gesellschaft behandelte. Die 25 Schüler waren sofort dabei. Sie führten die Gespräche am Familientisch. Immerhin hatten wir für Eltern und Großeltern je mehr als 30 Fragen gefunden. Also nutzten wir einen ersten Unterrichtsblock, um über die Fragen zu sprechen. Es waren auch ganz persönliche dabei, zum Beispiel über finanzielle Vorsorge oder Pläne für die Freizeit, über Patientenverfügungen und Altersarmut. Der 7. Altenbericht der Bundesregierung beschreibt die Argumente für die "neue Familie", also das Zusammenleben von Jung und Alt, vor allem in der Familie, aber auch in verschiedenen Wohnformen. Wäre das etwas für die "Alten", aber auch die jüngere Generation?
Sind die Alten in ihrer Heimatstadt gut aufgehoben (DL, Vereine, Gemeinwesen, Hobbys)? Welche Tendenzen erkennen die Interviewer bei Vorsorge und Zukunftsplänen? Also kamen die Osterferien gerade recht. Und die „Kinder“ löcherten die Eltern und Großeltern am Familientisch mit ihren Fragen. Und freuten sich, über Probleme, Wünsche oder Enttäuschungen das zu erfahren, was ihnen in vielen Fällen unbekannt war. Das Wohnen nach eigenem  Geschmack oder nach gesundheitlichen Anforderungen stand natürlich im Mittelpunkt, Verkehrs- und Parkprobleme wurden genannt, auch Lücken in der medizinischen Versorgung. Die Eltern müssen fürs Alter neben der Rente selbst vorsorgen. Die Großeltern können mit ihrer Rente keine großen Sprünge machen, haben aber ihr Auskommen, und für ein Scheinchen für die Enkel reicht es auch. Altersarmut steht wie ein Schreckgespenst in den Überlegungen, wissend, dass schon 1800 Menschen im Kreis Grundsicherung brauchen, dass die Tafeln immer mehr Familien versorgen müssen.  Verblüffend, dass das Zusammenleben mehrerer Generationen vorwiegend positiv gesehen wird, sogar WGs kamen in Frage. Mit deutlichem Nein sprachen sich beide Generationen gegen Lebensabend im Heim aus. Leider kam bei den Eltern auch ein ehrenamtliches Engagement in Vereinen oder Verbänden nicht in Frage. Beitragszahlungen, Disziplin oder Verantwortung – das alles wäre im Arbeitsleben schon überstrapaziert.

Ich habe es schriftlich: Ausnahmsweise alle 25 Schülerinnen und Schüler hatten ihren Spaß am Projekt, erfuhren mehr über ihre Eltern und Großeltern und stellten den Bürgermeister-Kandidaten kluge Fragen und wollten energisch auch Antworten. Zum Beispiel auf die Frage, wie sich die Kandidaten ihr Leben mit 75 vorstellen. Und die jungen Leute pickten sich auch „ihren“ Kandidaten aus der Vorstellungsrunde.

Übrigens wollten einige Zuhörer die grafisch dargestellten Fragen, Antworten und Erkenntnisse gleich mitnehmen.