Volkssolidarität


RV Magdeburg-Jerichower Land

Viel mehr als ein Fachmann am Computer

Im ASZ Olvenstedt wurde zu Jahresbeginn ein kleines Jubiläum begangen: In dem unter Regie der Volkssolidarität stehenden Alten- und Service-Zentrum am westlichen Stadtrand von Magdeburg wird seit genau 5 Jahren eifrig "computert". Es ist im gesamten Regionalverband Magdeburg - Jerichower Land sogar zu einem wohlgemeinten geflügelten Wort geworden, dass in "Olvenstedt ein Computervirus grassiere".

Nüchtern ausgedrückt: Seit im Januar 2002 an wenigen alten Computern zwanzig mutige Senioren in zwei Halbtagslehrgängen in die für sie bis dahin unbekannte Welt der Textverarbeitung und Tabellenkalkulation eintauchten, haben sich inzwischen hier in 40 Lehrgängen rund 400 ältere Bürger mit der modernen Technik vertraut gemacht.
Die Jüngsten unter ihnen sind um die fünfzig Jahre, die Ältesten weit über achtzig.
Und der "Virus" wirkt weiter: Im Januar 2007 haben wieder drei Zirkel begonnen. Zahlreiche weitere Anmeldungen mussten noch unberücksichtigt bleiben.

Die Teilnehmer können inzwischen dank der Initiative von ASZ-Leiterin Kathrin Gandre sowie Sponsoren an modernen PC-Arbeitsplätzen arbeiten, die teilweise mit Brenner, Drucker und Scanner ausgerüstet sind. Eine beträchtliche Anzahl von Dokumentationen über das vielseitige Leben im ASZ und das Wirken der Volkssolidarität im Territorium, selbst gestaltete Jahreskalender und ein regelmäßig erscheinendes Informationsblättchen für die ASZ-Besucher sind nur einige der Resultate gemeinsamer Computerarbeit.

Dem Mann, der maßgeblich hinter diesen Ergebnissen und Zahlen steht, ist es sehr recht, wenn man seine Leistung nicht an vorderste Stelle stellt. "Ich habe vor fünf Jahren damit begonnen, meine Berufserfahrungen und mein Hobby für ein Ehrenamt einzusetzen", sagt der 66-jährige diplomierte Mathematiklehrer. "Von Anfang an war es ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ich bereue keine Stunde meiner Freizeit, die ich für die Zirkelarbeit verwendet habe. Sicher haben meine früheren Schüler den Unterrichtsstoff mitunter schneller begriffen als die Senioren. Aber an Wissbegier, Ausdauer, Fleiß und auch Ideen sind die Alten den Jungen weit voraus."

Der versierte Magdeburger Fachlehrer musste in der Nachwendezeit aus dem Beruf aussteigen. Noch einige Jahre in Berlin als Dozent tätig , machte ihn sein angegriffener Gesundheitszustand zum Frührentner. Vorher war er stets mit vielen Menschen zusammen, nun fiel ihm zu Hause trotz Schrebergarten und anderer Hobbys die Decke förmlich auf den Kopf. Seit Jahrzehnten Mitglied unseres Sozial- und Wohlfahrtsverbandes fanden er und seine Frau immer häufiger den Weg in die VS-Begegnungsstätte, die ihrer Wohnung am nächsten liegt, das ASZ Olvenstedt. Und hier ist er heute "unser Dozent", gefragter Ratgeber, nicht nur in Sachen elektronischer Technik, oder ganz einfach "unser Manfred".

Manfred Herrmann genießt es mitunter, in seinem dritten Lebensabschnitt noch so gefordert zu sein. Aber manchmal wünschte er sich jugendliche Kräfte zurück, um auch sein zweites Hobby als ehrenamtlicher Reiseleiter intensiver zu betreiben. Wer einmal in einem Bus des VS-Reiseklubs von Magdeburg aus mit ihm auf Tour war, schätzt sein Wissen, Engagement, seine Kameradschaftlichkeit, Erzähllaune und Fröhlichkeit wohl kaum weniger als dies seine Computer-"Schüler" tun.