Volkssolidarität


Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Ein Sprachrohr in die Welt der Autisten

Jede Menge Details wahrnehmen. Aber diese nur schwer sortieren und in einen Kontext einbetten können. Die Welt eines Autisten ist einfach und kompliziert zugleich. Es ist alles gut, so lange alles festen Regeln folgt. Alles geordnet ist. Ein Abweichen von der Norm und seine Welt gerät aus den Fugen. Hier beginnt die Arbeit der Autismusambulanz in Schwerin. Nicht erst in der Schelfstraße 35, nicht nur mit dem Autisten allein – egal welchen Alters – sondern vor allem im Umfeld des Betroffenen.

„Autisten können nur bedingt allen Erwartungen an sie entsprechen“, sagt Leiterin Sylva Schlenker. „Hier ist zum Großteil das direkte Umfeld des Betroffenen gefragt.“ Deshalb seien sie und ihre zwei Mitarbeiterinnen viel mehr in Kitas, Schulen und Heimen unterwegs als in der Ambulanz anzutreffen.

"Jeder Autist ist anders"

Hinzu kommt: „Jeder Autist ist anders“, so die Diplompsychologin weiter. Von geistiger Behinderung bis hin zu überdurchschnittlicher Intelligenz sei alles möglich. Mancher könne nicht alleine einkaufen gehen. Ein Anderer spreche zehn Sprachen. Mancher brauche ein Leben lang therapeutische Hilfe. Einem Anderen reiche eine zeitweise Unterstützung.

Diplompsychologin Sylva Schlenker, Bildungswissenschaftlerin Sabine Damm und Heilpädagogin Hanna Klein betreuen zurzeit 38 Autisten in und um Schwerin. Darunter geistig Behinderte, die zum Großteil die Förderschule besuchen, und Autisten mit dem so genannten Asperger-Syndrom, die im Regelschulsystem von MV beschult werden.

Reizüberflutung

„Genau hier liegt die Crux“, sagt Sylva Schlenker. Die Charakteristik der Krankheit sei mit dem Regelschulsystem häufig nur schwer vereinbar. „Inklusion hin oder her.“ Autisten leiden demzufolge schnell an Reizüberflutung, brauchen also ein reizarmes Lernumfeld mit kleinen Klassen, um ihre Stärken nutzen und zeigen, ihre Persönlichkeit entwickeln zu können.

Die Alternative bedeutet für Autisten häufig Stress und kann zu Depressionen und Angststörungen führen. „Deshalb werden Betroffene manchmal zu Hause beschult“, so die Leiterin weiter. „Dem notwendigen Aufklärungs- und Beratungsbedarf versuchen wir von der Autismusambulanz zu entsprechen.“

Die Arbeit mit autistischen Kindern und Jugendlichen ist unglaublich erfüllend, wie Sabine Damm erzählt. Man müsse nur eines berücksichtigen: „Autisten wollen ganz besonders gerne machen, was sie eben gerne machen wollen.“ Wer nicht sprechen kann, dem hilft die Bildungswissenschaftlerin mit Bildkarten weiter, um sich mit ihr und später dem eigenen Umfeld zu verständigen.

Auch am Waschbecken der Ambulanz geben Bildkarten genau vor, wie Händewaschen abläuft. Bildkarten bedeuten Regeln. Regeln geben Struktur. Struktur in einer komplizierten Welt, die mit Bildkarten plötzlich auch für Autisten verständlich wird.

Die Einrichtung:

Die Autismusambulanz Schwerin wurde am 1. Juli 2016 in der Schelfstraße 35 eröffnet. Die Außenstelle der Rostocker Autismusambulanz wird vom Kreisverband Rostock der Volkssolidarität getragen.

Das Schweriner Team besteht mittlerweile aus drei Mitarbeiterinnen: Diplompsychologin Sylva Schlenker, Bildungswissenschaftlerin Sabine Damm und Heilpädagogin Hanna Klein. Es betreut Menschen jeden Alters mit autistischen Störungen, berät Familien und das direkte Umfeld der Betroffenen. Die Kosten für die Therapien übernehmen in der Regel die örtlichen Sozialhilfe- und Jugendhilfeträger.

Ein Elternkreis steht für alle Eltern eines autistischen Kindes oder auch Erwachsenen aus Schwerin und Umgebung zur Verfügung. Die Runde trifft sich jeden dritten Donnerstag, von 18 bis 20 Uhr in der Ambulanz.

Kontakt:

Autismusambulanz Region Schwerin

Leiterin Diplompsychologin Sylva Schlenker

Schelfstraße 35

19055 Schwerin

Telefon: 03 85 – 34 33 86 87

E-Mail: autismus-sn@volkssolidaritaet.de