Volkssolidarität


KV Gotha

Ausstellung „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg“

96 Zeitdokumente – gesammelt von Carl Greiner

Der 8. Mai 1945 – das ist nun genau 70 Jahre her – ließ die Überlebenden des bisher größten aller Kriege aufatmen. Der Krieg war offiziell zu Ende. 

Die Älteren verbinden diesen Tag meist mit dem Symbolbild – dem Hissen der sowjetischen Fahne auf dem brennenden Berliner Reichstag –  das der russische Leutnant und Fotograf Jewgeni Chaldei fotografierte. Viele verbinden diesen Tag auch mit den Erinnerungen an das Wegbleiben der bedrohlichen Flugzeuge und der für die Kinder noch schlimmeren Fliegeralarme.

Anlässlich dieses besonderen Tages eröffnete am 8. Mai die Ausstellung „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg“. Die Beiratsvorsitzende der Volkssolidarität Gotha, Dr. Heide Wildauer, begrüßte die Gäste mit einer ergreifenden Rede.

Zusammengetragen hat die hier gezeigten Dokumente Carl Greiner in über 50 Jahren aktiver und aufwändiger Sammlertätigkeit. Es handelt sich bei den ausgestellten Dokumenten um postalische Belege, „die den Betrachter mahnen sollen, seine ganze Kraft für den Frieden einzusetzen“ hinterließ uns Carl Greiner.

Carl Greiner wurde am 21. Februar 1927 in Waltershausen geboren. Er musste 1942 mit 15 Jahren in den Krieg, er überlebte und  wurde 1944  gefangen genommen. Nach fünf Jahren russischer Gefangenschaft kam er wieder nach Hause. Carl Greiner hat sieben Jahre seiner besten Jugendzeit nur Krieg und dessen Auswirkungen in  der Gefangenschaft erlebt.

Nach der Heimkehr erlernte er den Malerberuf und gründete mit seiner Kindheitsgespielin eine Familie.

Er wurde 1961 Mitglied im Kulturbund und Briefmarkensammlerverein und sammelte von Anfang an nur thematisch Belege aus faschistischen Konzentrationslagern, jüdischen Ghettos, Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeiter- und Internierungslagern. Er sammelte Feldpost, Todesmeldungen und Post des Suchdienstes. Es muss eine enorme  Arbeit gewesen sein, Post aus diesen Bereichen 15 Jahre nach Existenz solcher Einrichtungen zusammen zu tragen.

Frau Greiner erzählt: „Wir sind zu allen Auktionen gefahren, die sich anboten. Das gesparte Geld war immer nur für diese Dokumente.“ Weil Carl Greiner den Krieg als das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, erlebte, wollte er selbst helfen, dass sich solch ein Unheil nicht wiederholt. Er versuchte, mit Dokumenten, die mahnen und wachrütteln zu zeigen, was Faschismus ist.  Ein System der Menschenverachtung, Verlogenheit – es ist in seinen Augen pervers.

Carl Greiner hat mehrfach Exponate ausgestellt. Aus den Unterlagen des Briefmarkensammlervereins ging hervor, dass er 1974 in einer nationalen Ausstellung der DDR in Karl-Marx-Stadt zum Thema „Sie mahnen uns“  Arbeiten zeigte und mit Bronze geehrt wurde.

In Zusammenarbeit des Briefmarkensammlervereins Gotha 1890 e. V., des Technikmuseums der FöBi  gGmbH und des Kreisverbandes der Volkssolidarität Gotha entstand diese großartige Ausstellung im Klub „Galletti“. Ein ganz besonderer Dank geht an Herrn Jürgen Plöger vom Technikmuseum der FöBi gGmbH. Er sorgte für die aufwändige Übernahme der Exponate über Fotos, Wiedergabe und Gestaltung sowie die Bereitstellung der Tafeln. Natürlich wäre diese Ausstellung ohne Frau Greiner und ihre Tochter nicht möglich geworden. Recht vielen Dank!

Zahlreiche Gäste waren am 8. Mai gekommen, um die Ausstellung zu besuchen. Einige standen wie geschockt vor den Dokumenten, mit Tränen in den Augen. „Es ist heftig, man sollte Lehren ziehen aus allem, was damals geschehen ist“ sagte ein Besucher bestürzt.