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Im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen unter dem Motto "Zwischen Ehrenamt und Profession" standen die Perspektiven für die soziale Infrastruktur des Freistaates. Ehrenamtliches sowie freiwilliges Engagement gewinne zunehmend an Bedeutung, hieß es auf dem Sozialgipfel. "Dabei kann und darf ehrenamtliches und freiwilliges Engagement weder Ausfallbürge für fehlende Fachkräfte sein, noch kann dieses eine ungenügende soziale Infrastruktur ersetzen", betonte Dr. Frank-Michael Pietzsch (Foto rechts), Landesvorsitzender der Volkssolidarität und Mitinitiator des Sozialgipfels. "Allerdings werden wir nicht ohne die Ergänzung freiwilliger und ehrenamtlicher Tätigkeit auskommen." Eine Gesellschaft ohne Ehrenamt sei wie ein Irish Coffee ohne Sahne und Whisky, aber auch ohne Kaffee, "nur warmes Wasser". So beschrieb der Landesvorsitzende, warum die vielen ehrenamtlich aktiven Bürger gebraucht werden. "Die Tätigkeit für den Nächsten ist eine zutiefst menschliche Regung, die gefördert werden muss, weil sie wichtig ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt." Das Ehrenamt werde in Zukunft immer wichtiger, weshalb mehr Menschen dafür gewonnen werden müssten. Der Landesvorsitzende warb in dem Zusammenhang für das "Handbuch Ehrenamt" der Volkssolidarität.
Verbandsvertreter, Fachleute und Politiker machten auf dem Sozialgipfel auf die demografiebedingten und finanziellen Herausforderungen für die soziale Infrastruktur des Freistaates aufmerksam. So könnten zum Beispiel perspektivisch nicht alle Hilfestrukturen allein durch professionelle Fachkräfte abgesichert werden. Dies mache unter anderem strategische Sozialplanung und ein neues, zeitgemäßes Bürgerschaftliches Engagement notwendig. "Wir müssen uns Gedanken um intelligente Lösungen machen, wie gerade in ländlich geprägten Bundesländern wie Thüringen neue Formen der Beratung, Betreuung und Versorgung aussehen können", forderte Pietzsch ein. Aus Sicht der Verbändewird es zukünftig in Thüringens Dörfern eine Symbiose zwischen Familien ersetzendem Engagement und der Arbeit von Pflegediensten geben, "Alles andere ist Illusion", sagte Pietzsch.
Die Initiatoren des Thüringer Sozialgipfels nahmen das laufende Europäische Jahres der Freiwilligentätigkeit zum Anlass, in einer Gemeinsamen Erklärung ( Dokument als pdf.Datei zum Herunterladen, 733 kB) notwendige Rahmenbedingungen zur Ausgestaltung und Weiterentwicklung einer zukunftsfähigen sozialen Infrastruktur sowohl für das Hauptamt als auch für das ehrenamtliche Engagement einzufordern. Neben einer stabilen Partnerschaft mit Politik und der damit verbundenen Planungssicherheit und Beteiligung an politischen Entscheidungen geht es den Verbänden auch um eine stärkere Verbindung zwischen hauptamtlichen Fachkräften und jenen, die sich freiwillig engagieren. Dazu gehöre eine tragfähige und finanziell untersetzte Infrastruktur zum Ausbau von Anlauf- und Einsatzstellen für Menschen, die sich engagieren wollen. Weiter forderten die Akteure die bisherigen Haushaltsmittel zur Förderung von freiwilligem Engagement und Selbsthilfe den zukünftigen Anforderungen anzupassen und durch gesetzliche Regelungen zu untersetzten. Um mehr Gestaltungsspielräume und Möglichkeiten projektorientierter Arbeit zu eröffnen, wird die Erhöhung der jährlichen Zuweisungen an die Thüringer Ehrenamtsstiftung von zwei Millionen auf vier Millionen Euro gefordert.
Aus Anlass des Sozialgipfels wurde die Ausstellung "freiwillig" im Foyer des Landtages eröffnet. Auf Rollbannern werden dabei zehn Thüringer Bürger vorgestellt, die sich freiwillig und ehrenamtlich engagieren - vom Zivildienstleistenden, der in einer Verbandsortsgruppe Lieder singt, bis zum Professor, der Vorträge hält und für Netzwerke wirbt. Die Ausstellung wurde gemeinsam von den Landesverbänden der Volkssolidarität, des VdK, des BRH und der Landesseniorenvertretung organisiert. Die Fotos dazu stammen von Kirsten Seyfarth.
(tg/pm)
Bildergalerie mit Fotos zum 4. Thüringer Sozialgipfel am 23. Juni 2011 (Fotos: Kirsten Seyfarth)
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