Willkommen bei der Volkssolidarität in der Dumeklemmer*)-Stadt Ratingen 17.02.2012
Zu berichten ist von der Gründung der Ortsgruppe Ratingen als erster der VS in den westlichen Ländern unserer Republik. Wie kam es dazu, wo doch eigentlich hier der Bedarf an sozialen und geselligen Vereinigungen gut gesättigt ist und alles, was "aus dem Osten kommt", in aller Regel mit Skepsis, Unwillen und teilweise auch offener Verachtung behandelt wird?


Die VS vor Ort bekannt zu machen, erwies sich in der Folge als mühsam. Häufig wurde man mit den Vertretern der Volksfürsorge, einer ehedem von den westdeutschen Gewerkschaften gegründeten und heute privatwirtschaftlich betriebenen Versicherungsgesellschaft, in einen Topf geworfen. Andere wiederum nahmen das schöne Wort Solidarität, welches in der Vergangenheit der BRD und auch noch heute in gewissen Kreisen von Politik und Wirtschaft ein "Geschmäckle" besitzt, zum Anlass, die Schotten herunterzulassen, bzw. Ärgeres verlauten zu lassen. Auch bedingt durch die dann anstehende Kommunalwahl, an der alle drei Mitglieder als Kandidaten teilnahmen und die Manfred Evers in den Stadtrat brachte, blieb wenig Zeit für Werbearbeit. Im Sommer 2005 war dann Bundesgeschäftsführer Dr. Niederland mit einem Vortrag zu Rententhemen Gast in Ratingen. Neue Mitglieder kamen hinzu, so dass dann in diesem Sommer die Gründung der Ortsgruppe Ratingen der logische nächste Schritt war.

Damit wird aber die eigentliche Arbeit erst beginnen: Die Ortsgruppe wird nur dann Bestand haben, wenn sie mit konkreten Projekten ihre Berechtigung nachweist und gleichzeitig den Mitstreitern das Gefühl einer Gemeinschaft vermittelt. Dazu wird sicherlich auch die solidarische Unterstützung der starken Gruppen der VS notwendig sein, auf die wir hoffen.

Kurz sei hier der Ort des Geschehens vorgestellt: In Nordrhein-Westfalen, im Zwickel zwischen Ruhr(gebiet) und Rhein(schiene), wird die Stadt Ratingen von den anliegenden Großstädten Essen, Duisburg und Düsseldorf wie in den Scheren eines Hummers "eingequetscht"; bietet damit aber auch vielen ihrer ca. 90.000 Einwohner dort die Möglichkeit des Geldverdienens und -ausgebens. Ratingen zeigt dabei viele Facetten einer Wohn- und Schlafstadt im Vorfeld der Großstädte: verdichtete Mietwohnbebauung der sechziger Jahre ("Platten" der ehemaligen Gewerkschaftsbaugesellschaft Neue Heimat), genossenschaftliche Mehrfamilienhäuser aus der ersten Nachkriegszeit, Einfamilienhaussiedlungen am Stadtrand und in den umliegenden, ehedem dörflich geprägten Stadtteilen, sowie Villenviertel im umliegenden Grüngürtel. Die vordem seit dem 19. Jahrhundert reichlich vorhandene Industrie (zuerst Textil, dann Metall-, Automobilbau- und Elektro-) erfuhr in den Jahren nach dem II. Weltkrieg langsam aber sicher einen starken Rückgang und ist heute aus dem Wirtschaftsleben weitgehend verschwunden. An deren Stelle siedeln sich vermehrt Dienstleister und Verwaltungen größerer Firmen an, die die zentrale Lage schätzen, bzw. aufgrund hoher Immobilienpreise aus den umliegenden Großstädten "vertrieben" wurden. So ist heute dann auch schon wieder ein Einpendeln von Beschäftigten aus eben diesen Städten zu beobachten.

Vieles muss in dieser ersten Vorstellung ungesagt bleiben. Gerne stehen aber der Verfasser und die anderen Mitglieder der Gruppe Interessierten zu Fragen, Anregungen und Diskussionen bereit.

*): Die mundartliche Bezeichnung "Dumeklemmer" ("Daumenklemmer") für alle Ratinger beruht auf einer alten Legende: Der Ort Ratingen soll bereits zu mittelalterlichen Zeiten mit einem wehrhaften Schutz aus Mauern und Toren versehen gewesen sein. Zu dieser Zeit waren die Einwohner noch heidnische Germanen, was den Ort zu einem begehrten Objekt für den irischen Kleriker Suitbertus machte, der hier ein lohnendes Feld für seine Missionierungsgeschäfte sah. Als er zu diesem Behufe an das Stadttor klopfte und Einlass begehrte, witterten die Einwohner diesen faulen Braten, schlugen dem Kirchenvertreter das Stadttor vor der Nase zu und quetschten ihm dabei den Daumen im Torspalt ein. Das Schlagwort vom "Dumeklemmer" war geboren. Als Ehrenzeichen für die emanzipatorische und solidarische Tat werden die Ratinger fortan mit einem breiten Daumen geboren.