Spargelvarianten der Volkssolidarität 22.05.2011
Als ich an diesem sonnigen Sonntag, den 6. Juni 2010 im serbischen Kulturzentrum in Ratingen ankam, saßen alle bereits zusammen und schälten Spargel. Ich gesellte mich hinzu und schälte eifrig mit.


Spargeln_RatingenVon zu Hause her kennt man oft folgende Variante: Spargel gekocht mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise, evtl. ne Scheibe gekochten Schinken. Heute sollte es um einiges feudaler werden, dachte ich bei mir, während ich mich umblickte. Die einen hatten fürs Geschirr, Schüsseln, Töpfe und sämtlichen Kleinkram gesorgt, während die anderen Elektropfannen, ein Fässchen Bier, diverse Weinsorten und noch  viele andere Leckereien und Utensilien organisiert hatten. Allerdings fehlten die Servietten, die Manni, Petra und ich noch von ihm zu Hause holten. Dort angekommen, entdeckten Petra und ich einen Papageien, woraufhin wir sofort euphorisch "Lora, Lora" riefen. Die Stimme hinter uns lehrte uns eines Besseren: "Er heißt Tobi", dröhnte Manni. Wir verabschiedeten uns mit einem kurzen "Tschööö" von Toby, der uns prompt antwortete und fuhren mit den Servietten zurück zur Wirkungsstätte, in der weiter fleissig gekocht wurde. Von Romana und ihrer Mutter konnte man lernen, wie ein lockerer, herzhafter Pfannkuchenteig hergestellt wird - nämlich mit nem Schuss Mineralwasser. Ihre Mutter bereitete wundervolle Streusel für den Nachtisch. Nicht etwa mit dem Mixer, nein mit den Händen, denn erst dann werden es richtig gute Streusel.

Helmut hackte und zupfte liebevoll Dill und Petersilie klein, die über die herzhaften Pfannkuchen gestreut wurden. Zur Vorspeise wurde von Karl eine Thunfischcreme gerührt, die auf Salzgebäckquadraten ihren Platz fanden, worauf noch kleine Sardellen und Kapern gelegt wurden. Zwischendurch wurde vor der Tür immer mal wieder Sommerluft geschnuppert.

Ein großer Teil Spargel wurde gekocht und der Rest wurde in den großen Elektropfannen von Karl gebraten. Er selbst kennt den gebratenen Spargel seit 2 Wochen, wie sich in einen Gespräch später herausstellen sollte. Romana begab sich mit ihrer Mutter nun auch dran, die Pfannkuchen zu braten, auf diese sie sorgfältig die Kräuter verteilte. Ich faltete die Servietten zu Einstecktaschen fürs Besteck - Vorlagen zum Mitnehmen für einige Anwesenden inklusive. Die Streusel wurden auf den vorbereiteten Rhabarber-Erdbeer-Nachtisch gestreut und wurde in den Ofen geschoben. Nachdem der Tisch nun gedeckt war, konnten wir gemeinsam ein traumhaftes 3-Gänge-Menü zu uns nehmen. Zu dem Spargel wurden noch Schleifchen-Nudeln, Leberkäse, gekochte Schinkenröllchen und Serranoschinken gereicht. Der gebratene Spargel kam super bei allen an und entpuppte sich zu einer wahren Gaumenoffenbarung. Man konnte sich im wahrsten Sinne des Wortes richtig knubbelig essen. Nachdem Vieles -bei weitem nicht alles- verputzt wurde, wurde noch gemeinsam aufgeräumt und weggespült. Dies geschah schon fast im Schlafmodus, denn das Essen drückte sehr auf die Augen.

Alles in Allem war das ein gelungener Kochmittag und man freut sich immer wieder auf das gemeinsame Zusammentreffen, bei dem man sich immer ein Stückchen mehr kennenlernt.

(Melanie Renner)


Der Gasometer in Oberhausen

IMG_1462Dadurch, dass wir eine relativ grosse Gruppe sind - 18 Personen - bekommen wir unser Ticket schon für den für Gruppen ermässigten Preis von je 5 Euro/Person. Das ist ja in Ordnung. Die Ausstellung im Gasometer, die ich schon kenne durch einen Besuch im Winter, gucke ich mir eher beiläufig an. Und strebe direkt dem Aufzug im Inneren des Gasometers zu. Vorbei an dem nachwievor monströs und unheimlich wirkenden, nur zum Teil beleuchteten Mond im sonst völlig dunklen, dafür von sphärischen Klängen erfüllten Gewölbe zu. Wo ich mit Tim und Marion hier war, hatte besonders Tim, Angst sich hier weiterumzugucken - er befürchtete, dass ihm der Mond- immerhin 25 Meter im Durchmesser, auf den Kopf fällt.

Mit Nir, dem Nepalesen, der sich mit mir an diese Aufzugsfahrt "am Mond vorbei", wagt, fahre ich hoch bis zur Aussichtsplattform in luftiger Höhe- d.h. einige Stufen muss man da noch zu Fuss zurücklegen. Hier wird man dann bei heute sommerlich-warmem Wetter, allerdings nicht ganz ungetrübt blauem Himmel mit einem atemberaubenden Panoramablick für seinen Mut belohnt. Einem Blick nicht nur über Oberhausens Neue Mitte, den CentrO Park mit seinen vielen Fahrgeschäften u.a. dem markanten bunten Riesenrad;  über das neue Einkaufszentrum CentrO, den Rhein-Herne-Kanal, das parallel dazu schnurgerade fliessende dünne Rinnsal der Emscher..., nein man kann auch weit in andere Gebiete und Städte des Ruhrgebiets gucken. Z.B. erkenne ich die Kohlenhalde in Bottrop, wo das Tetreder draufsteht, wo wir auch schon drauf waren.  Bei dieser Halde ist ein gelber Ballon mit einem dünnen gelben Strich dran zu erkennen - hier ist eine der letzten 4 noch im Ruhrgebiet aktiven Kohlezechen- die Zeche Prosper-Haniel. Viele weitere Halden sind unschwer am Horizont auszumachen. Und das Besondere heute sind ja die vielen gelben Ballons - das sind die Schachtzeichen, die gerade gestern an ehemaligen Kohlezechen überall im Ruhrgebiet hochgelassen wurden - 311 Stück an der Zahl. Alleine in der Stadt Oberhausen sind es 14 knallgelbe Ballons mit einem langen gelben Faden dran- die hochgelassen wurden an den ehemaligen Zechen Hugo, Concordia oder Jacobi... Schon beim Aussteigen aus dem Regionalzug am Oberhausen HBF haben wir die ersten dieser Ballons entdeckt. Hier auf einer Höhe von immerhin 110 Metern wirken diese Ballons aber nur noch stecknadelkopfgross. Spektakulär wird das aber sicher in der Nacht aussehen, wenn alle diese Schachtzeichen über dem Ruhrgebiet beleuchtet werden.

IMG_1463Nir, Ramadani und ich trinken im Inneren des Gasometers noch einen Kaffee im Erdgeschoss, wo um das zentral aufgehängte von innen beleuchtete Modell der Sonne Modelle der Planeten und viele Fotos z.B. von der Oberfläche der einzelnen Sterne, von Galaxien... ausgestellt sind. Aussen am imponierend gigantisch wirkenden Gasometer treffen wir uns dann mit den anderen - an einer Stelle, wo ein Erlebnisklettergarten in einem Waldgebiet anschliessend zum Gasometer zu beobachten ist. Erstaunlich, dass hier so viele Frauen und Mädchen - eins ist sicher noch keine 10 Jahre alt - den Mut zu solchen immerhin sicher körperlich anstrengenden Strapazen finden.

Zu Fuss gehen wir am heute beschaulich wirkenden Rhein-Herne-Kanal entlang. Bis zum Hafen, ein Yachthafen mit einigen erstaunlich mondänen Yachten. Der kleine Hafen wird aber doch etwas zu grosspurig "Oberhausen Marina" genannt. Und nun haben wir noch eine Stunde Zeit, um uns das eigentlich doch recht kleine Areal von Oberhausens "Neue Mitte" noch zu Gemüte zu führen. Was ich aber schon kenne- und in einem das nun vertiefenden Spaziergang eigentlich nur feststelle, dass das hier doch alles recht amerikanisch aussieht. Ok, die Architektur ist in Ordnung- gefällt mir besser, wenn so gebaut wird; dass sich Formen nicht ständig wiederholen- als wenn alles gerade und steril wirkt- Plattenbauten sind das hier sicher nicht. Aber von amerikanischen Hamburgerrestaurants, Coffeeshops... ist jeweils mindestens eine Filiale vertreten- ein Schwimmbad heisst nicht einfach Schwimmbad, sondern "Aqua Park", auf riesigen Leinwänden wie am Potsdamer Platz in Berlin werden Reklamefilme gezeigt- und das CentrO-Einkaufszentrum ist im wahrsten Sinne des Wortes ein "Konsumtempel". Ein Sea Life gibt es, ein Märklin Museum, ein Multiplex Kino, ein Theater - zum Geldausgeben gibt es mehr als reichlich Gelegenheit.

Aber dann donnert wie ein Anachronismus mal wieder ein aus mindestens 30 Güterwaggons bestehender Zug über die etwas erhöht über dieser Kulisse entlangführende Eisenbahnstrecke vorbei. Und erinnert zusammen mit dem alles hier überragenden Gasometer an die Vergangenheit dieser Stadt, wo genau hier die Produktionsstätten der Thyssenfirma Gutehoffnungshütte waren.

Und auch am Oberhausen HBF wird man - am Museumsbahnsteig vom Rheinischen Landesmuseum, dem Gleis 5 an Oberhausens HBF- durch einen unglaublich verrostet und schon merkwürdig deformiert wirkenden ehemaligen Güterwaggon, in dem einst flüssiger Stahl transportiert wurde, an diese Vergangenheit erinnert.

(Ernst Kaebisch)

Mehr Fotos finden Sie hier

http://www.schachtzeichen.de

http://www.gasometer.de


Neue Broschüre zur Demenz

Die Volkssolidarität Ratingen teilt mit, dass die Deutsche Alzheimergesellschaft eine neue Broschüre "Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz am Lebensende" herausgegeben hat. Die Broschüre enthält kurz gefasste, praxisnahe Empfehlungen zur Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in der letzten Lebensphase sowie zur Unterstützung ihrer Angehörigen. Die Broschüre zum Preis von 10,00 Euro kann in Berlin bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft oder über die Volkssolidarität Ratingen, Tel.: 46966 oder 843320 bestellt werden.


Arabisch Kochen und Essen mit der Volkssolidarität Ratingen

Die Volkssolidarität Ratingen hat wieder einmal ein gemeinsames Kochen und Essen veranstaltet. Diesmal stand "arabisch" auf dem Plan. Entstanden ist die Idee dazu auf einer Fahrt in die Eifel. Die mitfahrenden Frauen aus dem Iran, Irak und Marokko wurden gefragt, ob sie nicht Lust hätten, einmal für bzw. mit uns arabisch zu kochen. Die Bereitschaft war vorhanden und  im Dezember war es dann soweit.

Im Jugoslawischen Zentrum in Ratingen traf man sich. Nachdem so nach und nach alles notwendige "Werkzeug" beschafft worden war, ging es an die Arbeit. Alle Zutaten sind noch in der guten alten Handarbeit zubereitet worden. Vielleicht war das ein Grund, warum die männlichen Teilnehmer sich in vornehmer Zurückhaltung geübt haben. Nach ca. 2 ½ Stunden war dann das Ergebnis der Arbeit zu sehen.

Wie immer bestand das Essen aus Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch. Obwohl es am Anfang aufgrund der Zutaten die eine oder andere skeptische Bemerkung gegeben hat, waren am Ende alle von dem Essen begeistert. Ein ganz großer Dank galt den Haupt-Köchinnen.

Gabi Evers


Sommerfest 2009

Eine unverhoffte abendliche Geschichtsstunde

Das diesjährige Sommerfest der Ortsgruppe der Volkssolidarität bietet diesmal eine Überraschung- eine unverhoffte abendliche Geschichtsstunde der besonderen Art.

Mit Tim war ich schon etwas im Wald entlang der Kettwiger Strasse langgegangen- aber ich kenne mich hier nicht gut aus- weiss nicht genau, wo der Weg hinführt. Als wir von unserem kleinen Ausflug zum Sommerfest, zurückkommen, ist da kurze Zeit später eine größere Gruppe, die sich auf den Weg macht- wohin eigentlich? Marianne sagt- zum jüdischen Friedhof- ob wir denn nicht mitgehen wollen? Elektrisiert lasse ich alles stehen und liegen- da muss ich aber mit- da hatte ich vorhin auf unserem kleinen Spaziergang schon vage gehofft, den hier vielleicht (wieder) zu finden. Das ist aber dann in einer ganz anderen Richtung als ich vorhin mit Tim ging. Wir gehen über schon abgeerntete Felder- fast alles Raps, das sieht man an einigen der noch stehengebliebenenen charakteristisch gelb blühenden Pflanzen- an Bauernhöfen vorbei. Dann ist da eine Schafweide mit etlichen weissen und schwarzen Schafen. Es ist hier wunderbar- eine intakte und fast unberührt wirkende Naturlandschaft- Ratingen hat viele schöne Stellen- hier aber ist es besonders schön.

Hinter der Schafweide und dem dazugehörigen Bauernhof beginnt wieder der Wald- plötzlich ist da dieses eingezäunte Gelände mit grosser Wiese- und den Grabsteinen. Der jüdische Friedhof. Eine Erinnerung aus längst vergangener Zeit steigt in mir wieder hoch- es ist über 30 Jahre her- da bin ich mal zu Fuss mit einer kleinen Gruppe auf dem Weg nach Essen-Kettwig hier gewesen. Zufällig haben wir da diesen Friedhof entdeckt. Ich erinnere mich gut; meine aber, dass das damals hier noch etwas anders ausgesehen hat. Nicht ganz so gepflegt- nicht mit dieser grossen und gemähten Wiese davor. Die Grabsteine - 43 Stück an der Zahl, wie wir erfahren, waren noch nicht alle gradestehend- nicht alle so intakt- weitere Erinnerungen habe ich aber nicht. Dafür erfahre(n) ich/wir heute eine Menge über diesen Friedhof- wir haben ja die bekannte Heimatforscherin Hanna Eggerath und ihren Freund Helmut Neunzig dabei, die sich seit langem intensiv mit diesem interessanten Friedhof beschäftigen. Der der Friedhof von der jüdischen Gemeinde in Kettwig vor der Brücke (jetzt Essen-Kettwig) war, aber auf Höseler (Ratingen-Höseler) Gebiet liegt. Die Grenze von Ratingen bzw. dem Kreis Mettmann und Essen verläuft vielleicht 1 Kilometer von hier- an der Ruhr, wo in Kettwig die August-Thyssen-Strasse entlangführt. Es sind Grabstellen aus dem 19. Jahrhundert- in die Grabsteine sind fast ausschliesslich hebräische Texte - teils recht lange -eingemeißelt, die wir natürlich nicht entziffern können. Deswegen ist es so interessant, dass wir vielleicht 15 Anwesenden - allesamt ganz fasziniert von dieser abendlichen Geschichtsstunde- von 2 Fachleuten einige Informationen über die Grabstellen, den Friedhof, über jüdische Kultur allgemein erhalten.

Vereinzelt stehen auch in deutscher Sprache Texte auf den Grabsteinen, einige Details kann man ja durchaus selber deuten. Dass auf fast allen Grabstellen kleine Steine liegen- die Bedeutung weiss ich- es ist bei Juden üblich, der Toten so zu gedenken, indem man einen Stein auf ihre Ruhestätte legt- anstatt Blumen. Aber natürlich kann ich kein Hebräisch- so wie Helmut, der sich seit Jahrzehnten mit Judaistik beschäftigt- der einiges zu den Texten auf den Grabsteinen... erzählt. Er erzählt z.B. auch, dass er mal auf einer jüdischen Beerdigung in Belgien war- es werden ja keine Blumen auf den Sarg geworfen, sondern Steine- das wirkte wohl etwas unheimlich. Er wird von Hanna, die auch eine wahre Forscherseele zu sein scheint, bei diesem Projekt tatkräftig unterstützt. Schon ihr Vortrag über das Neandertal- über ihr Buch "Im Gesteins" vor ein paar Monaten im Ratinger Medienzentrum hatte mich sehr fasziniert.

Die beiden erzählen, dass sie schon seit Monaten an dem Projekt mit diesem Friedhof arbeiten. Die Gräber alle fotografiert haben- die Inschriften abgeschrieben und angefangen haben zu übersetzen- in Archiven nach Informationen gesucht haben... Klar, das Interesse daran verstehe ich nur zu gut- das ist ja ein "archäologisches" Fundstück erster Güte. Und es gibt bisher offenbar noch garnicht viele, die die Bedeutung dieses Friedhofs erkannt haben. Eigentlich ist es ja ein Wunder, dass er, noch dazu in so guterhaltenem Zustand, nach all den Jahrhunderten überhaupt noch existiert. Nach der wechselvollen und in Deutschland schlimmen Zeit, was die Judenverfolgung, den Holocaust... angeht.

Das Fest vor dem schönen alten Fachwerk/Backsteinbauernhaus von Romana und Karl ist in vollem Gange, wo wir nach vielleicht 20 Minuten Fussweg zurück kommen- jetzt gibt es zu Essen- reichlich. Die Tische biegen sich mal wieder förmlich unter all den mitgebrachten Köstlichkeiten- der Grill ist angeworfen- zu trinken ist auch reichlich da. Für Tim ist es aber spät geworden- es wird ja schon dunkel. Er ist aufgekratzt/müde- ihm als einzigem Kind hier ist langweilig. Da trifft es sich gut, dass ein motorisiertes Mitglied der Volkssolidarität sich anbietet, in die Stadt mit Auto zurück zu fahren. Auch ein weiterer Besucher des Festes- ein schon etwas betagterer Mann, der in Rtg.-Süd wohnt, muss nach Hause, da können wir auch mitfahren- super. Ein prima Abschluss von einem prima Fest - mit einem unverhofften kulturellen Highlight.

Ernst Kaebisch

 

Fahrt nach Hellenthal und in den Nationalpark Eifel

Teil I: Im Wildgehege

Natürlich entscheiden wir uns für die Variante,  in Hellenthal / Eifel, dem südlichstenOrt von NRW beim Wildgehege aus dem Bus auszusteigen. Und nicht wie die anderen acht Mitreisenden bei der Frühlings/Frühsommerfahrt der Volkssolidarität / Ortsgruppe Ratingen, die noch ein Stück weiter fuhren um zu wandern.Für Tim / für Leute mit kleinen Kindern ist es hier genau das Richtige - und wir kommen auch gerade rechtzeitig an zur ersten Greifvogelshow heute.  www.greifvogelstation-hellenthal.de Faszinierend ist es- nicht nur für die Kleinen- den Eulen, Mäusebussarden, Falken, Adlern beim Fliegen zuzusehen. Erstmal über kleinere Strecken - von Falkner zu Falkner auf deren stabile Lederhandschuhe- geködert von Küken?- hab ich das tatsächlich richtig verstanden?  Aber es sind ja schliesslich auch Raubtiere- mit teils beachtlichen Flügelspannweiten. Und sie fliegen dann auch grosse Strecken in freiem Gelände, was hier stellenweise aussieht wie man sich Kanada vorstellt- dichte Wälder , sanfte Hügel, langgestreckte Seen- hier im Wildgehege hat man einen prächtigen Blick auf die Oleftalsperre.  Auch den spektakulären zielgenauen Sturzflug eines Falken aus luftiger Höhe   können wir mitverfolgen. Sogar Geier gibt es hier z.B. einen prächtigen  Mönchsgeier- sehr zur Freude von Tim -  die allerdings führen keine Flüge vor- sie sind ja auch keine Jäger, sondern Aasfresser, wie man weiss.

Braunbären gibt es in diesem grossen Wildpark- an derem Gehege machen wir   eine Essenspause, was die Bären offenbar noch nicht hatten. Sie scheinen hungrig zu sein- auf uns? - der eine stellt sich brummend tatsächlich auf die Hinterbeine und sähe in seiner imponierenden Grösse sehr furchterregend aus- wenn er denn nicht hinter Gitter wäre.

Wildschweine, Wildkatzen, Luchse, Rotwild, Damwild leben hier, sind meist ganz handzahm- bei den Hirschen sehe ich, dass die prächtigen Geweihe ja mit Fell überzogen sind- was sich aber an vielen Stellen löst- zur Zeit bekommen sie ihr Sommerfell. So wird es erklärt auf der Zugfahrt- eine kleine Besucherbahn fährt (kostenlos- ist im Eintrittspreis inbegriffen) über das gesamte Gelände, was wir vorher schon mal zu Fuss durchquert hatten- inclusive einer weiteren Pause in der gemütlichen Waldschänke- direkt nebenan ist ein grosser Kinderspielplatz. Ich trinke ein Eifeler Landbier- lecker- für 2 Euro 50- ein Kaffee- grosse Tasse- kostet gar nur 1 Euro.

Bisher kann man nicht davon reden, dass irgendwas auf dieser Fahrt einen internationalen Bezug hatte- auch wenn einige der Mitreisenden im Bus offenbar Migranten sind. Ganz der Bevölkerungsstruktur in Deutschland entsprechend- so müsste das selbstverständlich sein.  Bei den Greifvögeln wurde uns erzählt, dass diese manchmal ganz wegbleiben auf ihren Flügen während der Shows- und dann im nahen Belgien- nur ein paar hundert Meter von hier entfernt fängt Belgien an- oder im ebenfalls nahen Holland, oder in Luxemburg wieder auftauchen. Einmal flog so ein Raubvogel sogar bis 30 km vor Paris und wurde dort von jemandem aufgegriffen.

Eigentlich aber kommt dieser internationale Bezug erst jetzt dazu- nachdem wir Hellenthal im Bus wieder verlassen und vielleicht 5 km weiter fahren - in den Nationalpark Eifel http://www.nationalpark-eifel.de und uns mit dem Rest der Reisegesellschaft, die sehr geschafft aber auch zufrieden von einer mehrstündigen Wanderung wirken, treffen- in Vogelsang- in dem Eifelstädtchen Schleiden.

Wir fahren da zu eigenartig gleichförmigen, hässlichen Häusern- an einer Stelle ist ein riesiges Bild des Löwen- des belgischen Wappentiers- auf einmal ist hier alles mehrsprachig- meist aber französisch / niederländisch- ich sehe ein Metallreklameschild für das belgische Bier JUPILER. Habe ich etwas verpasst?- und wir haben wider Erwarten und entgegen dem, was auf der Landkarte draufsteht, irgendwo die (hier überall nahe) Grenze zu Belgien überquert? Meine Irritation löst sich dann aber bald. Vogelsang www.vogelsang-ip.de war in der Nazizeit die NS- "Ordensburg", wo die Nationalsozialisten Führungsleute ausbildeten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Vogelsang zu einer britischen Kaserne, um 1950 zum Truppenübungsplatz und zur belgischen Kaserne "Van Dooren" zu werden- bis 2005. Was ich jetzt gut nachvollziehen kann. Nur an wenigen Stellen ist dieses weitläufige Gelände mit seinen vielen Gebäuden - Wellblechhäuser wohl für den ehemaligen militärischen Fuhrpark und Steinhäuser, so hässlich, wie sonst Kasernengelände aussehen. Die Steinhäuser sind zum grossen Teil aus Splittersteinen gemauert und ähneln so den schönen traditionellen belgischen Wohnhäusern- und die Landschaft ist hier stellenweise spektakulär. Besonders um den 48 m hohen Aussichtsturm herum mit grandiosem Blick über den Urftsee, der

ein Stück weiter in den Rursee übergeht. Die Ufer der Seen sind dicht bewaldet- eine scheinbar unberührte grandiose Naturlandschaft- schön ist es hier. Bei heute wunderbarem Wetter- warm, blauer Himmel mit nur wenigen Wolken. Aber  gelegentlich kommt ein hässlicher Bruch in dieses Wohlbehagen- an einigen Stellen bei den Steinhäusern stehen grosse Fragmente von Steinadlernaus der NS-Zeit herum- wo man noch ahnen kann, dass diese Raubvögel sich einstmals an Hakenkreuzen festkrallten.

"Nach 60 Jahren der militärischen Nutzung ist Vogelsang seit dem 1.Januar 2006 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich als vogelsang ip / Internationaler Platz im Nationalpark Eifel. In den ersten zweieinhalb Jahren haben bereits knapp 500.000 Besucher das denkmalgeschützte Ensemble mitten im Nationalpark Eifel erkundet. Vogelsang nimmt seine NS-Vergangenheit zum Anlass, um hier einen Ort des Friedens, der Toleranz und internationalen Begegnung von Menschen entstehen zu lassen........"
So steht es in einem Freizeitführer über den Nationalpark Eifel.

13.06.2009 Ernst Käbisch

 

II. Teil:  Die Waldläufer

Diejenigen, die es mit Vögeln und anderem Geziefer nicht so sehr hatten, verließen den Bus erst in Vogelsang, um von dort in die Botanik der Nordeifel einzutauchen. Am Aussichtspunkt der Burg Vogelsang wurde angesichts des grandiosen Panoramas schnell klar, dass die wenigen Stunden des Tages wohl kaum ausreichen würden, auch nur einen kleinen Teil des Nationalparks mit seiner vielfältigen und urtümlichen Vegetation (Mischhochwald an den Hängen der Flusstäler, Buschwerk in den höheren Regionen und Heide bzw. aufgelassenes Wiesen- und Ackerland auf den Höhen) zu durchstreifen. Um keine wertvolle Zeit zu verschwenden, wurde schnell eine Route festgelegt und zum Start ins Horn geblasen. Die schikanösen  Wegplaner des Nationalparks lassen keine Möglichkeit aus, die Wanderer zum Schwitzen zu bringen und ihnen gleich zu Beginn die Flausen von einer gemütlichen Landpartie aus dem Kopf zu schlagen: Der Weg führt erst abwärts in Richtung Flusstal, um dann nach einer Viertelstunde in Richtung auf den höchsten Punkt der anliegenden Dreiborner Hochfläche zu wenden. Die Vegetation links und rechts des Weges wird en passant für eine kleine Botaniklehrstunde genutzt, um unsere heimischen Gehölze (Weide, Esche, Holunder, Weißdorn, Linde, Hainbuche, Eberesche etc.) auch den "Stadtkindern" näher zu bringen.   

So wird dann nach knapp einer Stunde auf der Höhe die "Wüstung" Wollseifen erreicht, ein ehemals lebendiger Bauernweiler, der in den letzten sechzig Jahren zu einer düsteren Manöverkulisse verkommen ist: Nach dem letzten Weltkrieg vom britischen Militär zusammen mit dem umliegenden Gelände als Truppenübungsplatz requiriert, musste der Ort 1946 von seinen Bewohnern innerhalb kurzer Zeit verlassen werden. Während der folgenden Schießübungen wurde der Ort dann in Schutt und Asche gelegt, so dass nach Übergabe des Platzes an das belgische Militär in 1950 nur wenige erkennbare Ruinen (Kirche und ein Trafohäuschen (!)) stehengeblieben waren. Die belgischen Nachfolger waren dann auch nicht faul und bauten zum Üben des Häuserkampfes zwischen die Ruinen ein "Kulissendorf" auf, bestehend aus unverputzten, fenster-/ türlosen Rohbauten mit Wellblechbedachung. Auch nach der Rückgabe des Platzes durch die Belgier in 2006 blieb diese "anheimelnde" Siedlung/Wüstung mit dem Charme brasilianischer Favelas oder dem unfertigen Produkt einer pleitegegangenen Baugesellschaft als unfreiwilliges Mahnmal für die verrückten Kriegsspiele des Kalten Krieges erhalten.

Nach einer kurzen Atempause tauchen wir wieder in die besänftigende Hülle der Natur ein, nun endgültig abwärts zur Staumauer der Urfttalsperre. Die Jüngeren galoppieren wie Fohlen im Frühjahr den steinigen Weg hinab, während die Älteren im Bewusstsein ihrer nicht mehr taufrischen Gelenke eher verhalten dem Talgrund entgegenstreben. In Gedanken wird dabei der alte Wehner-Spruch "Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen!" reflektiert und auf die aktuelle Situation abgewandelt: Wer runter läuft, muss auch wieder hochkommen! Juni ist die Zeit des blühenden Ginsters in der Eifel, und so sind die offenen Flächen mit vielen leuchtend gelben Flecken besetzt, was bei dem Spiel von Sonne und Wolken ein eindrucksvolles Szenario ergibt.

So wird dann der Talgrund mit der Staumauer erreicht, auf der eine Raststätte thront, die vielen Bedürfnissen gerecht wird: Toilette, kalte Getränke, Sitzplätze im Schatten und in der Sonne, Stärkung aus Eigenproviant oder Angebotenem. Nach einer geziemenden Pause geht's weiter: Die jugendliche Avantgarde wählt den deutlich längeren Weg entlang des Flusses nach Einruhr, während die "Gesetzteren" auf der Trasse des Hinweges auch weitgehend den Rückweg antreten. Die Befürchtungen aus den Reflektionen über die Wehner-Weisheit (s.o.) bewahrheiten sich in ganzer Stärke: Der Anstieg treibt den Schweiß in Massen aus den Poren, und die Massen des eigenen Körpers zeigen die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft sowie die Notwendigkeit des Abspeckens unangenehm auf.

Doch irgendwann hat jedes Leid sein Ende. Und so erreichen wir ein wenig erschöpft - aber glücklich und zufrieden ob des Erreichten - zum errechneten Zeitpunkt wieder das Ziel (= Ausgangspunkt), die Burg Vogelsang. Auch die jungen Wilden auf dem längeren Weg erreichen zwar später aber durchaus rechtzeitig das Ziel.

Résumé: Verschwitzte Kleidung, rauchende Schuhsohlen, müde Muskeln und Gelenke und einige leicht "blasige" Fußsohlen - aber viele ob des Gesehenen und Erlebten glückliche und zufriedene Waldläufer.

Dr. Karl Mühlsiepen    

 

Fahrt zur Landesgartenschau nach Rietberg

Die 2-stündige Busfahrt im gut gefüllten Bus - kaum ein Platz blieb unbesetzt - ist zu lang für Tim. Er wird quengelig. Wir vertreiben uns die Zeit mit einem Spiel, dass mir aus meiner Kindheit einfällt: Wer am meisten Tiere auf seiner Fensterseite sieht, hat gewonnen. Das ist ganz passend in dieser ländlichen Gegend im Westfälischen. Kühe, Pferde, Schafe, Gänse gibt es hier viele, an einer Stelle sehen wir sogar 2 Störche auf einer Wiese.

Der Bus ist gut klimatisiert. Kaum ist man ausgestiegen, erschlägt einen erst mal eine fast tropische Hitze. Es ist gut, so eine Landesgartenschau auf dem Land stattfinden zu lassen. Trotz der Hitze durchqueren wir interessiert fast das ganze Gelände. Vom Nordeingang zum Eingang Mitte- überall sind interessante Angebote: Blumen- und andere Beete, Ausstellungsstände, Pavillons... Mir gefällt am besten ein kleiner Kräutergarten. Der sieht gepflegter und wohlsortierter aus, wie der bei uns im Garten. Klar! Und es gibt eine Unzahl interessanter Kräutersorten, die ich zum Teil gar nicht kenne, z.B. ein Kraut, das nach Curry riecht, viele Majoran- und Salbeiarten, roter, gerade blühender Basilikum mit dem gleichen Aroma wie der grüne Basilikum, den man ja kennt. Unterschiedliche Arten Thymian, Minze, Rosmarin...

Mit Tim bauen wir ein Legohaus aus riesengrossen Legosteinen. Hier ist es auf dem gepflegten Rasen, wo absolut kein Moos drin ist, der nur von etwas Klee durchsetzt ist, unter einem grossen Baum schattig und angenehm auszuhalten für eine Weile. Eigentlich war ich ja eh nur davon ausgegangen, bei diesem Ausflug nach Rietberg nur mal ein paar andere Kinderspielplätze für ihn zu sehen.

Aber darüber hinaus ist es wirklich schön hier. An einer Stelle ist das Ausstellungsgelände auch Naturschutzgebiet. Hier geht man auf Bretterwegen über sumpfiges Gelände. Das sieht hier sehr ähnlich aus wie im Hohen Venn in den belgischen Ardennen, wohin wir ja kürzlich den letzten Tagesausflug mit der Volkssolidarität Ratingen gemacht hatten. Dann sind da zwei künstliche kleine Seen, nett gestaltet mit Sandstrand und Strandkörben. Tim fühlt sich in die Zeit der Mutter-Kind-Kur, die er mit Marion letztes Jahr auf der mecklenburgischen Insel Poel verbracht hat, versetzt. Er baut eine Strandburg und hält, allerdings natürlich vergeblich, Ausschau nach Muscheln, Quallen...

Die historische Altstadt von Rietberg ist idyllisch. Alleine in der Strasse am Rathaus, wo wir uns bei einer Eisdiele zu Kaffee und Eis an einen Tisch gesetzt haben, gibt es mehr und schönere Fachwerkhäuser als in ganz Ratingen. An einem Haus sehe ich das Datum der Erbauung - 1640. Man sieht auch Skelette dieser Häuser, nur mit dem Fachwerk und ohne Mauern, die gerade sorgfältig restauriert werden. Es gibt hier kaum Autoverkehr, was ich sehr angenehm finde. Eine scheinbar recht wohlhabende - und auch wohl sehr katholische- Stadt. Ein paar mal gehen traditionell gekleidete Ordensschwestern an uns vorbei. An einer Stelle überqueren wir die Ems. Kann das sein, dass das die gleiche Ems ist, die ich vom Emsland bei Papenburg kenne, wo Verwandte von mir früher einen Bauernhof bewirtschafteten? Aber irgendwo hat so ein Fluss ja seine Quelle. Auf einer Karte sehe ich, dass diese Quelle unweit von Rietberg ist. Tatsächlich ist es die Ems, die auch durch Papenburg fliesst und bei Emden in die Nordsee mündet.

Wir suchen noch nach dem kleinen Emshafen, wo man eine Bootstour wie im Spreewald über grosse Fischteiche mitmachen kann. Vergeblich! Gabi und Manni erzählen nachher, dass das eine schöne Fahrt mit so einer Art Gondel war. Wir sind am Eingang Mitte des grossflächigen Ausstellungsgeländes zwar ganz in der Nähe des Hafens; aber in der Hitze, die nach wie vor drückend ist, wollen wir nicht mehr lange suchen und fahren mit dem "Shuttle-Bus" zum Nordeingang zurück. Dort hat Tim noch seinen Spass an dem Wasserspielplatz. Auch für die vielen Kinder hier hat man ein sehr vielfältiges Angebot auf die Beine gestellt.

Es ist dicht bewölkt inzwischen. Kaum ist der Bus losgefahren, fängt es- wie auf der Hinfahrt- an zu regnen. Mit dem Wetter haben wir ja, auch wenn es etwas zu warm war, Glück gehabt. In Ratingen/ Düsseldorf regnete es den ganzen Tag- es war ein regelrechtes Unwetter, erzählt Marions Mutter.

Ernst Käbisch

www.lgs-rietberg.de


Sommerfest der Volkssolidarität Ratingen

"Wie schön ist es hier!", ruft Marianne aus. Tim und ich sind mit ihr und ihrem Freund Norbert zu diesem idyllischen Fleck am Stadtrand von Ratingen im Auto mitgefahren. Wie langweilig, sagt Tim laut und deutlich - typisch Tim- würde ihm gern den Mund zuhalten oder so tun, als kenne ich ihn nicht- denn auch ich bin sofort angetan von diesem abgelegenen Fleckchen Erde, zu dem man von einer Seitenstrasse der Bahnhofstrasse in Hösel durch dichten Wald und dann über einen Feldweg an Kornfeldern vorbei, kommt. Wie ruhig es hier doch ist. Auch da, wo wir wohnen ist zwar eine ruhige Wohngegend, aber manche Geräusche, den Strassenlärm von der Süd-Dakota-Brücke z.B., nimmt man im Lauf der Zeit ja gar nicht mehr so wahr. Hier aber ist es wirklich total ruhig- man wohnt weit weg von seinen Nachbarn.. Von ein paar wenigen kleineren Flugzeugen abgesehen, deren Flugroute etwa über dem schönen alten Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert ? oder noch älter?, in dem Karl und Romana wohnen- seit vielen Generationen ist es im Familienbesitz- entlangführt.

Und bis auf Tim. "Wo ist denn das Fest?- Gibt's hier was für Kinder?- Das ist so langweilig". Ich gehe mit ihm erstmal die Umgebung etwas angucken. Es ist wirklich beeindruckend hier. Dass es in dieser Fast-Grossstadt Ratingen noch so eine schöne ländliche Gegend, soviel intakte Natur gibt, hätte ich nicht gedacht. Kornfelder, soweit das Auge reicht. Rur Rechten ist es Hafer, der angebaut wird, zur Linken Weizen oder Gerste? Als Stadtmensch kennt man sich da nicht mehr so mit aus, Brot kauft man ja beim Bäcker. Und es ist nicht weit bis zum Wald. Unweit von hier ist Schloss Landsberg. Vor vielen Jahren habe ich mal eine Wanderung von Ratingen-Ost aus durch den Wald bis dorthin und weiter bis Kettwig mitgemacht. Vom Schlosspark bietet sich ein schöner Ausblick über das grüne Ruhrtal mit links der wie auf Storchenbeinen im Flusstal stehenden Ruhrtalbrücke und dem Mülheimer Vorort Mintard und rechts dem beschaulichen Ort Kettwig, der zu Essen gehört.

Blaue Kornblumen und rote Mohnblumen wachsen am Wegrand und zwischen dem Getreide. Das erinnert mich an meine Kindheit, wo es in Ratingen-Ost, wo ich aufgewachsen war, auch noch viele Bauernhöfe gab. Inzwischen ist in Ost ja jeder freie Platz zugebaut, die Bauernhöfe, die der dort immer dichteren Wohnbebauung im Weg standen, sind allesamt verschwunden. Aber hier, wo man es eigentlich nicht vermutet, ja schon am Rande des Ruhrgebiets, gibt es noch viele alte Bauernhöfe, weite Felder und Wiesen; da kann man noch in kurzer Zeit einen wunderschönen Feldblumenstrauss pflücken.

Zurück von unserem kleinen Ausflug hat sich Tim beruhigt. Das Sommerfest ist schon im vollen Gang. Der Holztisch vor dem Fachwerkhaus biegt sich förmlich unter den hier zubereiteten oder mitgebrachten Speisen. Kartoffelsalate, Nudelsalat, Quarkspeise, Brot.... Nir hat eine Platte mit selbstgemachten Sushi, Fisch in Algenblättern mit Reis und Gemüse, mitgebracht. Das schmeckt köstlich mit etwas Meerettichsauce. Das ist das erste Mal, dass ich Sushi esse. Jetzt verstehe ich, warum da viele von begeistert sind. Der Grill wird gerade "angeworfen" und mit Steaks, Schnitzeln und Würstchen bestückt. Es gibt Bier, Cola, Apfelsaft zu trinken. Mit Tim und mir sind 13 Leute anwesend. Auch Tim hat immer mehr seinen Spass. Es finden sich einige, die mit ihm auf der grossen Wiese vor dem Haus Fussball spielen, besonders Manni, der Stadtrat, verausgabt sich völlig beim Fussballspiel mit ihm. Ausserdem entdeckt er den kleinen Teich auf der Wiese und spielt mit den Enten und dem Fisch, die da zur Dekoration drin schwimmen. Ihm ist es jetzt gar nicht mehr langweilig.

Und zu essen gibt es ja auch reichlich. Als Nachtisch dann noch Schokoladenpudding und eine leckere Zitronenmoussee. Und als abends noch seine Mama nach getaner Arbeit und sein Patenonkel Marcus den Weg mit dem Auto hierhin gefunden haben, ist auch Tim völlig zufrieden. Das Wetter hat gut mitgespielt und uns den ganzen Nachmittag mit reichlich Sonne verwöhnt, nachdem es am frühen Nachmittag mal einen heftigen Regenschauer gab, bei dem in kurzer Zeit die Strassen in der Stadt, an die man hier gar nicht denkt, die weit weg zu sein scheint, überflutet waren. Zum Glück hatten wir auf dem Weg zur Gerhardstrasse zum jugoslawischen Zentrum, wo wir "Ortsgruppe der Volkssolidarität" uns vor dem Sommerfest trafen, und am Busbahnhof eine Unterstellmöglichkeit gefunden.

Bis zur Dämmerung geniessen wir noch diese ruhige ländliche Idylle vor dem Fachwerkhaus mit Blick auf Wiese und Felder - dann verlassen wir das harmonische Sommerfest und fahren gut gesättigt und mit dem Gefühl, soeben einen Kurzurlaub verbracht zu haben, mit Marcus nachhause.

Ernst Käbisch


Spargelessen mit der Volkssolidarität

Spargelessen Ende Juni kommt mir ja fast etwas spät vor für die Jahreszeit- immerhin haben wir dieses Jahr ja schon zuhause ein paarmal Spargel gegessen. Allerdings war es importierter Spargel aus Spanien oder Griechenland- der einheimische Spargel in den Auslagen der Geschäfte war mir doch immer etwas zu teuer.

Aber da ich vom kürzlich auch hier stattgefundenden "Essen wie Gott in Frankreich" sehr angetan war, nehme ich wieder gerne mit Tim an dieser Veranstaltung teil- wie zuletzt sind 14 Leute anwesend- ein guter Generationenmix ist im jugoslawischen Club Budocnost, der uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde, anwesend. Schön, dass diesmal auch Ramadani und Nir, die ich schon kenne, da sind. Sie wohnen in einem Asylbewerberheim der Stadt. Letzterer sorgt durch seine asiatischen Kochkünste, die er an diesem Tag einbringt, sehr mit dafür, dass heute ein opulentes, vielfältiges Essen - für wenig Geld- angeboten werden kann.

Ab 10.15 Uhr trifft man sich im "Budocnost", um gemeinsam wie beim letzten Mal ein 3-Gänge-Menue zu zaubern, was das schon beeindruckende gemeinsame Essen vom letzten Mal sogar noch übertrifft. Auch mit Tim kann ich mich diesmal am Essenzubereiten beteiligen- nachdem wir ein nicht so scharfes Messer (Messer, Gabel, Schere, Licht sind...) für ihn gefunden haben, mit denen er Paprika, Gurke, Tomaten, Eier für die Salate schneidet. Jeder der Anwesenden ist so- ganz nach seinen Möglichkeiten und Interessen an der Zubereitung der Speisen beteiligt. Einige Speisen haben Mitglieder der Ortsgruppe der Volkssolidarität bereits zuhause zubereitet und mitgebracht, z.B. den Vanillepudding mit der Rhabarber-Erdbeersauce, die es zum Dessert gibt. Den Spargel haben wir beim Landwirt Benninghoven in Ratingen-Homberg bekommen. Alle vorhandenen Arbeitsplätze in der Küche des Budocnost sind besetzt von emsigen Köchen.

Gegen 13 Uhr setzt man sich dann gemeinsam an den Tisch - als erste - (Vor-)-Vorspeise gibt es wie zuletzt diese leckeren Brotstücke von Baguettes, die mit Thunfischcreme belegt sind, und jeweils mit einer Sardelle, einer Kaper oder einem Stückchen roten Paprika garniert sind. Die Vorspeise ist asiatisch- von Nir, dem Nepalesen, frisch zubereitete Frühlingsrollen, panierte frittierte Hühnchenstücke, dazu rote süß-saure Sosse und Salat, den man sich je nach Geschmack selber mit Dressing versehen kann oder auch z.B. mit einer Sardelle als "Salat Nicoise" garnieren kann. Für mich ist das eigentlich schon der Höhepunkt des Menues. Aber der eigentliche Hauptgang ist ja der Spargel. Ich bin überrascht, wie butterweich er ist und wie fein er schmeckt. Man kann ihn mit rohem oder gekochtem Schinken essen- auch in zerlaufener Butter getunkt - je nach Cholesterinspiegel-. Dazu gibt es Pfannkuchen mit frischen Kräutern, trinken kann man wahlweise Cola (Club-Cola oder Vita-Cola aus den neuen Bundesländern), Saft, Limonade, Wein oder Bier dazu. Was für ein opulentes Mahl. Und als krönenden Abschluss gibt es, worauf Tim schon die ganze Zeit gewartet hat, den Vanillepudding mit der Rhabarber-Erdbeersauce.

So reichhaltig und vielfältig genährt- und schon durchs gemeinsame Speisenzubereiten miteinander gut vertraut -sitzt man anschliessend an das gemeinsame Essen noch bis spät in den Nachmittag hinein zusammen und unterhält sich angeregt- eigentlich weniger über die an diesen Tagen ja fast alle anderen Interessen überwiegende Fussball-Europameisterschaft- wobei sich dieses Thema ja natürlich nicht ganz ausklammern lässt.

Anschliessend gibt jeder der Anwesenden, wie er kann und es für richtig hält, einen kleinen Betrag für die angefallenen Unkosten. Es sind Vollzeitbeschäftigte anwesend, aber auch Arbeitslose, Teilzeitbeschäftigte, Rentner, Asylbewerber mit unterschiedlich gefüllten Geldbeuteln. Auch in dieser Beziehung ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Eine gelungene Veranstaltung, wo sich so manche ein Beispiel dran nehmen können! Hier wird verbunden auf zwanglose und angenehme Weise, wo andernorts ausgegrenzt wird.

Ernst Käbisch


Plündern die Alten die Jungen aus? - Eine Diskussion bei der Volkssolidarität

Unter diesem provokanten Titel startete die Ortsgruppe Ratingen des Sozialverbandes VOLKSSOLIDARITÄT (VS) am 28. Mai mit einer Podiumsdiskussion zum Zustand und den Zukunftsaussichten unseres Rentensystems eine Reihe von öffentlichen Veranstaltungen zu sozial- und gesellschaftspolitischen Themen. Die Diskutanten, Regina Schmidt-Zadel (SPD) und Rolf Steuwe (CDU), sowie Sascha Warnecke als Vertreter der betroffenen Jugendlichen, waren sich dabei schnell einig, dass der Titelsatz - genau wie der zur gleichen Zeit publizierte Vorschlag des RCDS-Vorsitzenden zur Aufwertung der "Leistungsträger" unserer Gesellschaft durch die Wiedereinführung des Zweiklassenwahlrechtes oder die Warnung Roman Herzogs vor einer "Rentnerdemokratie" - zwar die Gemüter erregt aber an den eigentlichen Problemen unseres Rentensystems vorbeiführt.

Dabei wurde von allen Beteiligten klar herausgestellt, dass die heutige Rentnergeneration durch ihre vorherige Arbeitsleistung erst die Infrastruktur für unsere Gesellschaft geschaffen hat. Ebenso klar aber ist auch, dass die Politiker aller Regierungen in den letzten Jahrzehnten die Rentenkassen stillheimlichleise und mit beschwichtigenden Worten ("Die Rente ist sicher!") als Steinbruch zum Stopfen von Finanzlöchern benutzten und damit die heutige Situation herbeiführten: Beispielhaft seien hier nur das Abwälzen der Vereinigungslast der DDR-Renten allein auf die Sozialversicherung oder die Einführung der Rente mit 67 als versteckte Rentenkürzung genannt. Dieser Raubbau wird besonders zukünftig diejenigen Jungen treffen, die heute länger arbeitslos sind (Hartz IV) oder die in prekären Arbeitsverhältnissen schaffen: Infolge Inflation und Energiekostensteigerung verbleibt ihnen noch nicht einmal der Hauch einer Chance, aktiv ihre drohende Armut im Alter abzuwenden.

Unterschiedlich waren dann allerdings die Vorschläge aus Podium und Zuhörerschaft für Wege aus dem Dilemma: Bürgerversicherung unter Einbeziehung von Beamten und Selbständigen, flächendeckende Mindestlöhne als Grundlage für ausreichende Rentenbeiträge, eine bessere Ausbildung Jugendlicher als Garant für ein gutes Einkommen und entsprechende Beiträge, staatliche Zuschüsse zu den Beiträgen (Riester, Kombilohn usw.. Je nach politischem Standort wurden von den Podiumsteilnehmern die Vorschläge mit Zustimmung oder Ablehnung bedacht.

Bei der folgenden, lebhaften Diskussion mit dem Publikum wurden besonders die beiden Vertreter von CDU und SPD - wohl stellvertretend für die Politik der großen Koalition im Bund - angegriffen, was allerdings aufgrund des offensichtlichen Fehlens von Mitgliedern oder Sympathisanten dieser Parteien bei der Veranstaltung nicht weiter verwundert.

KM


Plündern die Alten die Jungen aus?

Unter diesem Oberbegriff stand die Diskussionsveranstaltung der Volkssolidarität, Ortsgruppe Ratingen im Frankenheim am Ratinger Marktplatz, von der ich heute Zeuge wurde.

Zwar kann ich nicht behaupten, ganz neutral zu den meisten der angesprochenen Themen zu sein, sondern zu vielem angesprochenem eine konkrete Meinung zu haben- aber ich fand es doch als sehr angenehm, dass kontrovers diskutiert wurde- dass eigentlich alle politischen demokratischen Ausrichtungen in der Gesellschaft bei dieser Veranstaltung vertreten waren und ihre Repräsentanten ihre Argumente glaubwürdig und nachvollziehbar vermittelten.

Einig waren sich aber alle, dass der Oberbegriff "Plündern die Alten die Jungen aus" eine unsägliche Provokation darstellt, was für keinen der Anwesenden ein wirklich ernstzunehmendes Thema ist- schnell kristallisierte sich heraus, dass die eigentlichen Themen, über die es zu diskutieren galt über diese Provokation hinweg, ganz andere waren- Hartz 4 , Altersarmut, Rente mit 67, Kinderarmut, Massenarbeitslosigkeit, Bildungssituation von Jugendlichen, leere Staatskassen infolge der Wiedervereinigung Deutschlands, um nur die Hauptthemen zu nennen.

Zwei Fürsprecher der "Grossen Koalition" in Berlin mussten es ständig über sich ergehen lassen, sich von den stark bei dieser Veranstaltung anwesenden Repräsentanten der Opposition in die Zange nehmen zu lassen, meisterten dies aber sehr gut und mit Rückgrat, ohne allerdings voll überzeugen zu können- schliesslich mussten ja auch sie einräumen, dass derzeit in dieser bundesrepublikanischen Gesellschaft einiges im Argen liegt, dass es sogar verwundert, dass die derzeit vielen Benachteiligten in der Gesellschaft sich noch alles gefallen lassen, wie zu vernehmen war. Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Regina Schmidt-Zadel musste z.B. einräumen, dass das von ihrer Partei mitbeschlossene Gesetz, dass es Rente erst mit 67 gibt, komplett falsch ist und die Menschen unter unerträglichen Druck setzt- sie hätte da auch gegen gestimmt. Der Vertreter der CDU, Sozialdezernent Steuwe, musste z.B. einräumen, dass das auch von seiner Partei vorangetriebene Konzept, Jugendliche das Abitur schon nach 8 Jahren Gymnasium machen zu lassen, völlig undurchdacht ist und zu unerträglichem Stress für die Jugendlichen führt..

Einig waren sich alle Anwesenden, dass es gilt die Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen, dass die finanzielle Notlage für viele Rentner, für viele Familien mit Kindern... gemildert werden muss- nur die angebotenen Rezepte dafür gingen doch oft erheblich auseinander. Aber gut, dass man zumindest bei dieser Veranstaltung mal über alle Parteigrenzen hinweg, ohne jemanden auszuschliessen oder gar zu verteufeln, miteinander redete, versuchte Problemlösungen gemeinsam zu finden. Was ja schliesslich derzeit in Deutschland keine Selbstverständlichkeit ist.

Ernst Käbisch


Hohes Venn

Das ist eine geschichsträchtige Gegend, in die wir fahren- das weiss man ja aus Geschichtsbüchern und dem Geschichtsuntericht- meist wird sie in einem Atemzug mit dem ebenso 2 - sprachigen (deutsch-französisch) Gebiet Elsass-Lothringen genannt, was ebenso bis 1918 zum damaligen Kaiserreich Deutschland gehörte und dann zu Frankreich kam wie dieses Gebiet zu Belgien. Und so ist klar, dass man beim "Googeln" im Internet viele Tausend Seiten vorgeschlagen bekommt, wenn man Eupen, Malmedy, Hohes Venn oder Ardennen als Suchbegriff eingibt.

Aber wenn man dann dort angekommen ist, überwiegt die Faszination für eine schöne Landschaft mit ungewöhnlicher Vegetation all das geschichtliche Interesse. Das ist hier bei Barraque Michel, wo der Bus hält, ein Hochplateau, was von Moorlandschaft bedeckt ist- hier ist auch die höchste Erhebung ganz Belgiens mit rund 700 Metern. Die Reisegesellschaft teilt sich hier in eine etwas größere Gruppe von 11 Leuten und die 7-köpfige Gruppe, zu der ich gehöre. Während die größere Gruppe sich an eine Wanderung von 4 Stunden durch die schöne Landschaft wagt, macht unsere Gruppe nur eine kleine Runde von etwa 1einhalb Stunden durch die Hochmoorlandschaft- wir haben einen etwas Gehbehinderten dabei und einen schon betagteren Herren und Tim- ich habe keine Lust, ihn stundenlang durch den Sumpf, den man meist nur auf etwa 1m breiten Bretterwegen mit teils morschen, teils fehlenden Brettern begehen kann, auf den Schultern zu tragen. Das erweist sich dann auch als ganz richtig, denn schon die kleine Runde hat es in sich, zumal bei dieser Witterung heute die Nässe nicht nur von unten aus dem Moor kommt, sondern auch ständig von oben in Form von kleinen Schauern und Nieselregen. An einigen Stellen stecken einfache Holzkreuze im Sumpf- da wird wohl mal jemand versunken sein. Aber es lohnt sich allemal, diese kleineren Strapazen auf sich zu nehmen- eine grossartige Naturlandschaft- zu weiten Teilen auch Landschaftsschutzgebiet- entschädigt einen dafür. Es gibt hier eigenartige Verkehrsschilder z.B. sehe ich eins an der Landstrasse, wo Skifahrer drauf abgebildet sind mit dickem rotem Rand-- im Winter erschliessen sich offenbar viele diese Landschaft mit Langlaufskiern.

Zurück in Barraque Michel, das ist eigentlich nur ein Haus- eins dieser schönen alten typisch belgischen Steinhäuser, in dem ein Restaurant ist, wo man aber weiss, dass das Essen dort für Normalsterbliche unbezahlbar ist, haben wir Hunger und Durst. Zum Glück ist aber auch eine Frittenbude auf der anderen Seite der heute wenig befahrenen Landstrasse zwischen Eupen und Malmedy- und Frittenessen in Belgien ist immer etwas besonderes - in diesem Land, wo die Pommes Frites ja erfunden wurden. Zuerst haben wir aber das Problem, dass ich nicht Französisch sprechen kann. Hier in Ostbelgien, was ja die kleine deutschsprachige Provinz innerhalb Walloniens ist, ist zwar alles zweisprachig ausgeschildert, teilweise auch dreisprachig- auch noch in Niederländisch- aber in der Frittenbude können die Leute nur Französisch sprechen und verstehen. Aber mit viel Gestikulieren und mühsamem Suchen von Sprachbrocken bekommen wir unsere Fritten und Getränke- auch Tim ist begeistert von den Pommes frites- die schmecken wirklich lecker hier; sind vermutlich frisch aus Kartoffeln gemacht.

Auf der Rückfahrt machen wir noch Halt in Eupen, eine hübsche kleine Stadt mit mittelalterlicher Altstadt und 2 grossen alten Kirchen- eigentlich nichts besonders hier in der Region, wo es viele so beschauliche Städte gibt. Aber es fällt natürlich auf, dass hier in dieser Stadt in Belgien Deutsch (an einer Stelle steht geschrieben Eupen bei Aachen) die Umgangssprache ist. Es ist ein etwas altertümlich wirkendes Deutsch- nur gelegentlich ist die französische Entsprechung beigefügt. Ich will gerne mal hören, wie es sich hier anhört, wenn die Leute sprechen- in einem kleinen Geschäft kaufe ich Bonbons für Tim und für mich zwei belgische Abteibiere- Starkbier mit 6 % Alkohol- die Frau, die uns bedient, spricht perfekt hochdeutsch- sie sieht indisch aus. Nach einer Stunde Aufenthalt in Eupen fahren wir mit dem Bus, den die Volkssolidarität, Ortsgruppe Ratingen, für uns für diesen Tagesausflug gemietet hat, zurück nach Ratingen.

Ernst Käbisch


Die Volkssolidarität im Hohen Venn per pedes der Natur auf der Spur

Am letzten Samstag, eröffnete die Ratinger Ortsgruppe der Volkssolidarität mit einer ganztägigen Wanderfahrt ins Hohe Venn der belgischen Ardennen eine neue Aktivität. Mit einem gecharterten kleinen Bus gelangten die ca. 20 Personen - Mitglieder und Freunde der Gruppe- nach Barraque Michel bzw. Signal de Botrange auf der Hochfläche zwischen Eupen und Malmedy. Dort entschieden sich die Teilnehmer je nach Lust und Konstitution entweder für eine "kleine" (1 1/2 Stunden) oder eine "große" Tour (gut 4 Stunden) durch das Hochmoorgebiet des Großen Venns und des Wallonischen Venns.

Zwar öffnete der Wettergott immer wieder seine Schleusen zu kräftigem Schauer, was aber dank entsprechender Kleidung und Regenschirmen der guten Stimmung keinen Abbruch tat. Vielmehr ließ der bedeckte Himmel die Kargheit aber auch die Einmaligkeit der Hochfläche deutlicher hervortreten, und auch der Regen verstärkte nur das Gefühl, eins mit der rauen und urtümlichen Natur zu sein. Auf weichem, nachgebendem und mit Gras bewachsenem Moorboden, sowie auf Holzstegen über trügerischem Sumpf ging es entlang der hügeligen Moorflächen und einzelner Gehölznischen, aber auch durch das Bachtal des Hill (Helle), der mit seinen rauschenden und kräftig braun gefärbten Moorwässern, auf denen die weißen Schaumkronen des zerschlagenen Algeneiweißes tanzten, sicherlich einen der Höhepunkte der Wanderung bildete.

Nach den Touren konnten alle Teilnehmer bei der Einkehr im Naturzentrum Botrange - je nach Gusto - auf den gemütlichen Bänken vor dem Kaminfeuer im Foyer Entspannung finden, in der angeschlossenen Ausstellung ihre Kenntnisse zur durchwanderten Landschaft erweitern oder aber bei einfachen aber wohlschmeckenden Gerichten der ostbelgischen Küche Stärkung erfahren. Auf der Rückfahrt wurde dann noch ein Stopp in der Stadt Eupen, dem Verwaltungszentrum des deutschsprachigem Ostbelgiens, eingelegt, wo der alte, pittoreske Stadtkern besichtigt wurde oder aber ein paar nette Einkäufe getätigt wurden.

Durchgehend wurden Fahrt und Wanderung als gelungener Auftakt für hoffentlich weitere demnächst folgende Aktivitäten dieser Art gelobt. Dieser Erfolg ist sicher der präzisen und sorgfältigen Vorbereitung durch Helmut Neunzig geschuldet, dem an dieser Stelle für seine Arbeit besonders gedankt werden soll.

Dr. Karl Mühlsiepen


Kochen wie Gott in Frankreich

Leckeres bei der Volkssolidarität

Sechszehn gut gelaunte Menschen - jung und alt - trafen sich am Samstagmorgen, 12. Arpill, zum gemeinsamen Kochen der Volkssolidarität im jugoslawischen Kulturzentrum auf der Gerhardtstraße. Anders als bei den inzwischen zahllosen Koch"events" des Fernsehens war jedoch kein passives Konsumieren bunter Bilder und der oft nur peinlichen Darstellung selbstverliebter Akteure angesagt. Vielmehr erarbeiteten sich die Teilnehmer selbst das Menu bei der Vorbereitung der Speisen, beim Kochen und bei der Herrichtung der Tafel. Klar, dass das gemeinsame Mahl dann anschließend Allen gut mundete!

Die Idee war, mit nur geringen Mitteln von ca. 3 - 5 Euro pro Person ein mehrgängiges Menu zu zaubern, das nicht nur gut schmecken sondern auch eine nahrhafte und gesunde Abwechselung in den Alltag von nicht gerade mit Gütern gesegneten Mitbürgern bringen sollte. Dies ist mit dem Hauptgang "Pot au Feu", einem auch in der "Haute Cuisine" beliebten Rindfleisch-Gemüse-Eintopf aus dem ländlichen Nordfrankreich, sicher gut gelungen. Vorspeisen, Salat und Nachtisch nach französischen Rezepten, die zwar raffiniert und kostspielig erscheinen aber im Grunde mit einfachen Zutaten und ein wenig Geschick ohne großes Geld zu fabrizieren sind, rundeten die Tafel ab. Das an diesem Morgen auch Einiges über französische Küche, Kultur und Geschichte zur Sprache kam, ist selbstverständlich.

Somit wird auch der Wunsch vieler Teilnehmer verständlich, dieser Aktion weitere folgen zu lassen. Die Volkssolidarität in Ratingen wird sich dem sicher nicht verschließen.

Dr. Karl Mühlsiepen