Zehn Jahre ambulanter Hospizdienst im Unstrut-Hainich-Kreis 24.01.2012
10 Jahre Hospizarbeit: Den Tagen mehr Leben geben Ich hab da Redebedarf, brauche jemanden, mit dem ich über meine schwerkranke Mutter reden kann. Ein Anruf, den Gabriele Kopf, Geschäftsstellenleiterin der Volkssolidarität, erreicht und womit der erste Kontakt zum ambulanten Hospizdienst im Unstrut- Hainich-Kreis hergestellt ist.

 

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Mühlhausen. Eine oder einer der heute 27 ehrenamtlichen Mitarbeiter macht sich dann auf den Weg. Beistand im Leben auf dessen letzten Abschnitt das gilt etwa für Isgard Weigelt, Dieter Schmidt, Annemarie Schädlich, Sabine Mock und Renate Wolf genauso wie für andere der Gruppe der Volkssolidarität, die Träger der Hospizbewegung ist. Vor zehn Jahren wurde sie im Landkreis gegründet und hat seither viele Sterbende vor wiegend ältere auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet: zuneigend, zuhörend, Zeit habend, wie Frau Kopf den Anspruch formulierte,. Immer das Einverständnis des Betroffenen vorausgesetzt, der vorher mit sich über die Endlichkeit des Lebens im Klaren sein muss. Bei dieser Vorbereitung auf den Abschied würden zwei Wörter vonseiten der Begleiter nicht fallen: Sterben und Tod.

Allerdings steht der Hospizbewegung ein Problem gegenüber: Zwei Drittel der Menschen sterben im Kranken- haus. Darauf verwies Elke Holzapfel, Mitglied des Volkssolidarität- Beirates, auf einer festlichen Veranstaltung Mittwochabend   (23. November) in der Stadtbibliothek. Ursache sei die mobile Gesellschaft, die Angehörige trennt, und der medizinische Fortschritt, der den Kranken an die moderne Technik im Krankenhaus bindet. Daher will der Hospizdienst das Ansinnen von Betroffenen, zu Hause sterben zu wollen, noch mehr in den Mittelpunkt seines Wirkens rücken. Dabei soll ihnen im häuslichen Umfeld das Gefühl gegeben werden, den letzten Weg nicht allein gehen zu müssen.

Eine unheilbare krebskranke Frau zum Beispiel hat in Selbstbestimmung das Mühlhäuser Krankenhaus verlassen, um zu Hause im vertrauten Familienkreis zu sterben, schildert Gabi Kopf an einem Beispiel. Ein Netz von Begleitpersonen stand ihr zur Seite vom Hausarzt über Pflegedienst, Seelsorger, Hospizmitarbeiter bis hin zu Palliativmediziner (schmerzlindernd). Sozusagen den Tagen mehr Leben geben, als dem Leben mehr Tage. Dazu kann durchaus gehören, dem Sterbenden in ein Zimmer zu verlegen, wo er einst seinem Hobby nachging.

Das war etwa bei einem Mann der Fall, der an seiner Eisenbahnanlage Abschied nahm. Das geschulte ehrenamtliche Personal wird übrigens nicht nur von Ruheständler gebildet, wie Pfarrer oder Ärztin, sondern auch von Krankenschwestern mit und ohne Palliativausbildung, Pflegedienstmitarbeitern, Büroangestellten, Lehrer, wie Holzapfel sagte. Die Landtagsabgeordnete würdigte besonders den Zusammenhalt der Gruppe und die Fortsetzung ihrer ehrenamtlichen Arbeit, als die Volkssolidarität in der Region finanziell in schwieriges Fahrwasser geriet und auch ein Trägerwechsel im Spiel war.

"Wir müssen das Sterben und den Tod genauso ernst nehmen, wie die Geburt und das Reifen", sagte auf der Jubiläumsfeier Isgard Weigel. Und Sabine Mock, seit zwei Jahren ehrenamtlich dabei und schon drei Begleitungen, sagte: "Bei Personen, die im Sterben liegen und mit sich im Reinen sind, gibt es oft ein neues Problem in der Sterbebegleitung: die Angehörigen." Sozialdezernent Johannes Bruns (SPD) schließlich brachte die Anerkennung für die Arbeit auf den Punkt: "Ich verneige mich vor Ihnen und Ihre Arbeit." Höhepunkt des Abends war ein Theaterstück des "duo mirabelle" aus Tübingen: Ein Toter, eine Witwe und ein Autist fanden zu komischer Verbundenheit.

 

Im Übrigen: Seit zwei Jahren lädt der offene Trauertreff in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität, Steinweg 43, ein. Pfarrer i.R. Dieter Schmidt leitet ihn.

 

(Quelle: Jürgen Wand 25. November, TA)