Am 6. Mai 2010 lud das Kompetenzzentrum Pflege der Volkssolidarität zur 4. Fachtagung ins Kongresshotel Potsdam ein. Über 100 Teilnehmer reisten dieses Mal aus allen Bundesländern nach Potsdam. Mit der Frage „Wie viel Controlling verträgt - braucht die Pflege?“ griff die Fachtagung ein Thema auf, dass in der Pflege an Bedeutung gewinnt.
Carola Ahlert, Vizepräsidentin der Volkssolidarität, begrüßte die Gäste zur 4. Fachtagung des Kompetenzzentrums Pflege in der Brandenburger Landeshauptstadt und übergab anschließend das Wort an Bundesgeschäftsführer Dr. Bernd Niederland. In seinem Einführungsreferat problematisierte Niederland die Stellung der Pflege in der Gesellschaft. Er stellte fest:"Es kann nicht richtig sein, das eine Auto-Handwerkerstunde mehr wert ist, als eine Stunde fachlich hochwertiger Pflegetätigkeit." und forderte daher, den Stellenwert der Pflege in der Gesellschaft und aus der Sicht der Politik neu zu überdenken. Der Vortrag fand bei den Teilnehmern große Zustimmung.

Dr. Bernd Niederland
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Im ersten Hauptbeitrag untersuchte Andreas Heiber anschließend den Nutzwert von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen in der ambulanten Pflege. Der Unternehmensberater schloss dafür an die Ausführungen des Vorredners an und verdeutlichte den Teilnehmern das Dilemma einer Pflegedienstleitung. Wirtschaftlicher Erfolg sei heute nur noch schwer umsetzbar, da die Vergütungen der Pflegekassen nicht im gleichen Verhältnis gestiegen sind, wie die Kosten der Pflegedienste. "In der ambulanten Pflege garantiert jedoch der § 89 SGB XI eine leistungsgerechte Vergütung.", so Heiber. Um heute eine Kostendeckung erreichen zu können, sei die Reduzierung der Personalkosten der falsche Weg. Vielmehr sei " ... eine Unterdeckung der Kosten nur durch Vergütungsverhandlungen lösbar." Davon unabhängig gebe es jedoch Potenziale, die man mit Hilfe einer regelmäßigen Beobachtung von Kennzahlen rechtzeitig erkennen und nutzen könne. Heiber gab den Gästen dazu praktische Hinweise mit auf den Weg.

Andreas Heiber
Wie unterschiedlich der Stellenwert einzelner Kennzahlen sein kann, stellte im zweiten Hauptvortrag Andrea Roskosch-Schenker dar. "In der stationären Pflege steht und fällt die Wirtschaftlichkeit mit der Auslastung.", stellt Roskosch fest. In Ihrem Vortrag konzentrierte sie sich auf das operative Controlling. Hierbei handele es sich um Zahlen, mit deren Hilfe die Heimleitung und die Pflegedienstleitung einerseits eine gute Pflegequalität und andererseits eine wirtschaftliche Steuerung eines Pflegeheims gewährleisten können. Wichtig seien dafür vor allen Dingen " ... wichtige und richtige Kennzahlen sowie Kennzahlen mit hoher Aussagekraft.", gibt Roskosch zu bedenken. Nur so sei es möglich, die daraus gewonnenen Erkenntnisse in verständliche Zielvorgaben umzuwandeln. Schließlich stellte sie den Teilnehmern der Fachtagung neben den "harten Zahlen" auch mögliche Kenngrößen in Form von "weichen Faktoren" vor. Mit ihrer Hilfe könne man die eigene Position im Vergleich zu anderen Anbietern einschätzen und gegebenenfalls zusätzliche Verbesserungsmöglichkeiten daraus ableiten.

Andrea Roskosch-Schenker
Den Abschluss der Fachtagung bildeten drei Kurzvorträge aus den Landesverbänden Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.
Als erste Rednerin schilderte Elke Keiner ihre Erfahrungen mit der Durchführung eines Betriebsvergleichs der ambulanten Pflegedienste im Landesverband Sachsen. Anhand eines festen Kennzahlensystems verglichen sich dort im Jahr 2009 insgesamt 17 Pflegedienste miteinander. "Wir wissen jetzt wo wir stehen.", stellte Keiner fest. Damit unterstrich sie auch, dass sich die aus dem Benchmark ermittelten Kennzahlen in der Praxis bewährt haben. "Für die langfristige Nutzung eines Benchmarks ist es aber notwendig, dieses regelmäßig durchzuführen.", gab Keiner den Teilnehmern noch einmal mit auf den Weg.
Im zweiten Kurzvortrag gab Andreas Heil einen Einblick in die Vorgehensweise des Landesverbandes Brandenburg. "Wichtig ist, dass Sie nicht zu viele Kennzahlen verwenden, sonst setzen Sie sie nämlich nicht ein.", so Heil. Deshalb stellte er ein Instrumenten-Set vor, das von der Pflegedienstleitung genutzt werden kann, um einen ambulanten Pflegedienst zu steuern und gleichzeitig in kurzer Zeit auszufüllen ist.
Eva Buder rundete im dritten Vortrag den Tag mit praktischen Erfahrungen aus der stationären Pflege des Landesverbandes Sachsen-Anhalt ab. Mit Hilfe eines überschaubaren und gleichwohl sehr effektiven Controlling-Systems steuert Buder ihre Einrichtungen mit großem Erfolg. "Verlassen Sie sich nicht nur auf die Zahlen, sondern pflegen Sie auch ihre Stakeholder.", legte sie den Teilnehmern ans Herz. Gemeint sind damit alle Partner einer Pflegeeinrichtung, die letztlich zum Erfolg des Unternehmens beitragen. "Nehmen Sie sich deshalb die Zeit dazu, eine Stakeholder-Analyse zu machen. Es loht sich.", beendete Buder ihren Vortrag.
Am Ende der Veranstaltung verabschiedeten Sylvia Svoboda (Moderation) und Carola Ahlert noch die ausscheidenden Mitglieder des Kompetenzzentrums Pflege, Frau Eva Buder und Herr Arnfried Gothe und dankten beiden recht herzlich für die geleistete Arbeit in den letzten Jahren.
Folgende Tagungsmaterialien können hier als PDF-Dateien heruntergeladen werden:
>>> Ausschreibung <<<
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>>> Zeit- und Ablaufplan <<<
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>>> Vortrag: Dr. Bernd Niederland <<<
(PDF / 0,1 MB)
>>> Vortrag: Andreas Heiber <<<
(PDF / 0,2 MB)
>>> Vortrag: Andreas Heiber - Anlage 1 <<<
(PDF / 0,1 MB)
>>> Vortrag: Andreas Heiber - Anlage 2 <<<
(PDF / 0,1 MB)
>>> Vortrag: Andreas Heiber - Anlage 3 <<<
(PDF / 0,1 MB)
>>> Vortrag: Andreas Heiber - Anlage 4 <<<
(PDF / 0,1 MB)
>>> Vortrag: Andrea Roskosch-Schenker <<<
(PDF / 0,5 MB)
>>> Vortrag: Elke Keiner <<<
(PDF / 0,3 MB)
>>> Vortrag: Andreas Heil <<<
(PDF / 0,2 MB)
>>> Vortrag: Eva Buder <<<
(PDF / 0,9 MB)
Text: Andreas Heil | Fotos: Andreas Heil, Adelheid Wendrich
