Günther Kreps, Mitglied des Bundesvorstandes der Volkssolidarität und Leiter der Arbeitsgruppe "Mitgliederverband/Ehrenamt/Sozialkultur", ruft in einem Appell dazu auf, den Mitgliederverband zu stärken und zukunftssicher zu gestalten
Seit 66 Jahren engagieren sich Menschen für Menschen in der Volkssolidarität und unterstützen das Anliegen des Verbandes durch ihre Mitgliedschaft. Mehr als 260.000 Mitglieder stärken derzeit unseren Verband. Das ist eine beeindruckende Zahl. Damit ist die Volkssolidarität der mitgliederstärkste Sozial- und Wohlfahrtsverband in Ostdeutschland und nach dem DRK der zweitgrößte Verband im sozialen Bereich.
Jetzt im Oktober danken wir zum Gründungstag der Volkssolidarität überall im Verband Mitgliedern und Ehrenamtlichen für ihr Engagement. Der Blick ist dabei aber nicht nur auf Geleistetes gerichtet, sondern immer auch in die Zukunft. Das geschieht nicht immer frei von Sorgen, geht es doch an einem Jubiläumstag auch darum, wie wir Geschaffenes erhalten können.
Das Engagement der Mitglieder der Volkssolidarität hat den Verband durch die Wirren der Wende gerettet. Sie engagierten sich, weil sie sich ihrem Verband verbunden fühlten und dankbar für das waren, was er für sie leistete. Doch wie sieht es heute mehr als zwanzig Jahre später mit der Identifikation der Mitglieder mit Ihrer Volkssolidarität aus? Wie zufrieden sind Sie als geehrtes Mitglied mit Ihrem Verband?
Die Zahl der neuen Mitglieder ist nur ein Gradmesser dafür, wie lebendig unser Verband ist. Entscheidend ist die Zahl derer, die bleiben. Bei diesen überwiegt (noch) die Zufriedenheit. Diese entsteht vor allem dann, wenn Erwartungen erfüllt werden. Ein Mitglied gibt nicht nur, sondern erwartet immer auch etwas von seinem Verband. Das gilt auch umgekehrt. Eine Mitgliedschaft bedeutet neben Rechten auch immer Pflichten. Um Erwartungen erfüllen zu können, müssen diese jedoch bekannt sein. Nicht zuletzt deshalb sollte die Diskussion um die Zukunft der Volkssolidarität genutzt werden, um darüber zu reden, was Menschen von der Volkssolidarität erwarten und was von ihnen erwartet wird.
Nur so lässt sich nachhaltig beantworten, was es eigentlich bedeutet, Mitglied in der Volkssolidarität zu sein. So lässt sich zeigen, warum es sich für 36 Euro im Jahr lohnt, sich bewusst zu einer Sache zu bekennen, die Sie gut und richtig finden. Sie als Mitglieder bringen mehr als nur drei Euro Monatsbeitrag mit. Sie bringen Ihre Werte, Ideen, Geschichten, Probleme, Ihre Aktivität und Ihr Engagement mit. Sie bringen sich mit Herz und Verstand ein. Sie bilden die Solidargemeinschaft Volkssolidarität und sind Nutzer, Gestalter und Gebende gleichermaßen.
Bei allen persönlichen Erwartungen bleibt ein grundsätzlicher Anspruch an alle Mitglieder, ehrenamtlich und hauptamtlich Aktiven unseres Verbandes: Solidarität zu leben. Das bedeutet über die persönlichen Motive und Nutzen hinaus nachhaltig andere Menschen zu unterstützen, die Hilfe benötigen. Dieses Leitmotiv hat unseren Verband in 66 Jahren unter sich ändernden sozialen und politischen Entwicklungen bis in die Gegenwart geprägt. Die soziale Situation heute ist nicht mit der zur Gründungszeit der Volkssolidarität oder der in der DDR zu vergleichen. Aber sie wird schwieriger. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Geborgenheit wächst. Zugleich werden immer mehr Menschen von sozialer Isolation bedroht. Gerade jetzt brauchen wir den Mitgliederverband als aktive, offene und vorausschauende Gemeinschaft.
Dafür brauchen wir Sie alle, brauchen wir den Einsatz jedes Mitgliedes. Jeder von Ihnen kann auf seine Art dazu beitragen, dass die Volkssolidarität weiter Menschen helfen kann, die diese Hilfe brauchen. Ob Sie nun freiwillig Ihren Beitrag erhöhen, in diesem Jahr noch ein Mitglied gewinnen, Ihrem Nachbarn über das Wirken unseres Verbandes berichten oder Ihre Ideen in die Arbeit des Verbandes einbringen. Wichtig ist, dass das einzelne Mitglied und die Gemeinschaft aller Mitglieder im Dialog bleiben und Sie sich aktiv einbringen und äußern. Der Mitgliederverband wird so lange weiter leben, wie seine Mitglieder aktiv bleiben.
Günther Kreps
Günther Kreps, Jahrgang 1950, ist gelernter Schiffsbauer und Diplom-Staatswissenschaftler. Seit Oktober 2010 gehört er dem Bundesvorstand der Volkssolidarität an und ist Leiter der Arbeitsgruppe "Mitgliederverband/Ehrenamt/Sozialkultur" des Bundesvorstandes

