Volkssolidarität


Berliner Volkssolidarität
Fotos:Mario Zeidler/Volkssolidarität Berlin

Volkssolidarität startet mit knapp 200 Gästen ins neue Jahr - und vielleicht eine neue Tradition

Gelungener Neujahrsempfang im Roten Rathaus

Knapp 200 Menschen sind am 24. Januar ins Roten Rathaus gekommen, um mit der Volkssolidarität ins neue Jahr zu starten. "Noch nie waren wir so nah an den politischen Ereignissen dieser Stadt", sagt Dr. Heidi Knake-Werner, Vorsitzende des Vorstandes der Berliner Volkssolidarität. "Da ist es folgerichtig, dass wir unseren Neujahrsempfang im Roten Rathaus stattfinden lassen". Das nahm der Regierende Bürgermeister Michael Müller in seinem Grußwort auf: "Wir begründen heute eine Tradition? Sehr gerne!" 

Bei allem Optimismus für das neue Jahr: Heidi Knake-Werner schlug vor etwa 200 Gästen aus Politik und Gesellschaft nicht nur positive Töne an. Dass Wohlfahrtsverbände wie die Volkssolidarität gut aufgestellt seien, um ihren Beitrag zur sozialen Stadt zu leisten, sei unübersehbar auch bitter nötig in Berlin. Und auch wenn die Volkssolidarität mit einer Kampagne für gute Pflege werbe, sei das nur ein Beitrag von vielen, um den ungehörigen Personalmangel in der Pflege zu begegnen.

 

Die Vorsitzende der Volkssolidarität Berlin bedankte sich bei allen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen der Volkssolidarität für ihre wichtige, tägliche Arbeit und wünschte allen ein erfolgreiches Jahr.

 

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller dankte der Volkssolidarität für das gute, solidarische Miteinander:" Die Volkssolidarität ist ein wichtiger Partner." In Zeiten, in denen viele Menschen sich Sorgen machten, sei es wichtig, Wohlfahrtsverbände zu haben, die "vielen eine Chance geben, die Unterstützung brauchen", so Michael Müller. Ausdrücklich bedankte er sich bei den Menschen, die in der Flüchtlingsarbeit so wichtige Arbeit geleistet haben und sie immer noch leisten.

Die kürzliche Tariferhöhung im Landesverband und bei den Sozialdiensten der Volkssolidarität Berlin gGmbH und die Kampagne der Volkssolidarität für die Pflege lobte er als wichtigen Beitrag, um gute Arbeit in einem schwierigen Berufsumfeld zu sichern. "Wir sollten selbstbewußter vertreten, wie wichtig die Mitgliedschaft in Organisationen ist", forderte er mit Blick auf sinkende Mitgliederzahlen nicht nur bei der Volkssolidarität und wünschte allen ein frohes neues Jahr voller privaten Glück.  

 

Professor Frank Judis sprach in seinem Impulsreferat über die historisch gewachsene Bedeutung von Vereinen in der deutschen Demokratie. "Hier wird Demokratie eingeübt und ausgeübt. Hier kann ich mich einbringen, es wird diskutiert, es wird abgestimmt."

 

Anlass seiner Ausführungen sind bedenkliche Entscheidungen des Kammergerichts, das in Abkehr von der bisherigen Rechtsprechung die Auffassung vertritt, vielen Vereinen, die z.B. Kindergärten, Horte oder Schulen betreiben, die Rechtsform des Vereins versperrt sei, sie müssen sich z.B. als GmbH's organisieren. Wenn diese Rechtsprechung Bestand habe, müssten diese zahllosen Vereine sich entweder auflösen, sich umwandeln in Kapitalgesellschaften oder Teile ihrer Arbeit in Kapitalgesellschaften ausgründen. Sollte der inzwischen angerufene Bundesgerichtshof diese Entscheidungen nicht aufheben, sei die Rechtspolitik, der Gesetzgeber, aufgerufen, die entsprechenden Klarstellungen im Vereinsrecht vorzunehmen."

 

Bereits der Soziologe Habermas habe davor gewarnt, Vereine zu beschneiden. Fielen diese aus, sei staatliches Handeln nur noch durch die Arbeit von Lobbyisten beeinflussbar. "Man kann das nicht unterschätzen", so Frank Judis. 

Die Gäste widmeten sich anschießend dem Buffet, Netzwerkpartnern und dem Stand der Volkssolidarität. Viele verweilten bei musikalischer Begleitung bis in die späten Abendstunden im Roten Rathaus.